Borussia Dortmund

"Eine außergewöhnliche und erfolgreiche Mannschaft"

Jumpei Yamamori ist Dolmetscher beim Deutschen Meister Dortmund. Er schreibt bei Morgenpost Online über Sprachschwierigkeiten beim Team des Jahres 2011.

Als die Mannschaft von Borussia Dortmund am 30. April Deutscher Meister nach einem Sieg gegen Nürnberg geworden ist, stand ich nach Schlusspfiff mit auf dem Rasen. Diesmal nicht als Dolmetscher für Shinji Kagawa, sondern, wenn man so will, als sein Fotograf. Nach seiner schweren Verletzung im Januar war er gerade zur Rehabilitation in Japan. Er konnte ausgerechnet an diesem Tag nicht dabei sein. Was blieb mir also übrig, als mitten im Trubel Fotos zu machen, um sie Shinji zu schicken.

Umso so schöner war es dann, als Shinji zwei Wochen später schon wieder so weit war, dass ihm Trainer Jürgen Klopp am letzten Spieltag einige Minuten gegen Frankfurt gewähren konnte. Er war vorher so ungeduldig gewesen, hatte auf diesen Moment lange warten müssen. Und dann stand er nach langer Leidenszeit endlich wieder auf dem Platz. In diesem Augenblick, kann ich mir vorstellen, waren bei ihm alle Sorgen wegen seiner Verletzung verflogen. Shinji hat genossen, wieder ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Denn sie ist außergewöhnlich, nicht nur, weil sie so ein erfolgreiches Jahr hatte.

Ich bin seit Sommer 2010 Kagawas Dolmetscher. Wenn er trainiert oder spielt, bin ich an der Seitenlinie. Unterbricht Jürgen Klopp das Training, um Anweisungen zu geben, versuche ich, blitzschnell zur Stelle zu sein. Die Spieler machen manchmal Witze über die Sprints, die ich dabei hinlege. Einer hat mich, ich weiß gar nicht mehr genau wer, auch schon mal Jackie Chan genannt. Obwohl ich mich nicht unbedingt als Action-Held sehe.

Ich begreife mich als jemand, der Integration fördert. Der nicht nur übersetzt, sondern auch hilft, den Japanern die deutsche Kultur näher zu bringen. Und den Deutschen natürlich die japanische Art. Ich habe gleich am Anfang gespürt, dass in diesem Team eine gute Atmosphäre herrscht und Shinji sehr offen aufgenommen wurde. Dies ist sicher auch ein Verdienst von Jürgen Klopp. Dies alles hat Shinji die Eingewöhnung leicht gemacht. Aber ist er ist ohnehin jemand, der vielen Dingen in Deutschland sehr offen gegenüber steht.

Trotzdem war es für mich am Anfang ein Fulltime-Job. Ich habe ihm jede Einzelheit genau erklärt: Wie Bankautomaten funktionieren, wie Behördengänge zu erledigen sind – bis hin zum Einkaufen im Supermarkt. Doch mittlerweile kommt Shinji zurecht, hat auch sprachlich Fortschritte gemacht, speziell im letzten halben Jahr. Er kann sich sehr gut verständigen. Aber das ist das Schicksal eines Dolmetschers: Er macht sich irgendwann überflüssig.

In der Meister-Saison 2010/2011 gab es sehr viele neue Eindrücke, sowohl für Shinji als auch für mich. Einer der schönsten war, als wir nach unserem Sieg im Revierderby auf Schalke nach unserer Rückkehr nach Dortmund spontan von den Fans in Empfang genommen worden sind. Als sie Shinji dann auf ihren Schultern gehoben haben, ist ihm wohl bewusst geworden, welche Bedeutung der Fußball in Dortmund hat. Diese Fankultur war ihm neu. So etwas kannte er aus Japan nicht.

Für mich war die Meisterschaft ein intensives und grandioses Erlebnis. Es kam so unverhofft, genau das machte es ja so schön.

Jumpei Yamamori, 34, ist seit Beginn der Saison 2010/2011 Dolmetscher des japanischen Mittelfeldspielers Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund. Die Tätigkeit des in Deutschland aufgewachsenen Yamamori geht jedoch weit über das Übersetzen hinaus. Er selbst sieht sich auch als Integrationshelfer.

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