"Auszeit"

Bei jedem Steinzeitgelage war mehr Stimmung

Fußball lebt von der Anteilnahme der Fans. Das findet auch Hoffenheims Torwart Starke und geht mit dem Operettenpublikum seines Klubs hart ins Gericht.

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Aus gegebenem Anlass haben wir uns mal dem Thema Publikum im Besonderen und Allgemeinen gewidmet. Also, mit dem Publikum, von lateinisch publicus „dem Volk, der Allgemeinheit gehörig“, ist das ja so eine Sache. Wir müssen da kurz mal zurückgehen, in die Steinzeit.

Wenn da etwas filettiert wurde, etwa ein Mammut, fanden sich die Sippen um das Vieh ein. Dem erfolgreichen Jäger wurde gehuldigt und weil das rhythmische Klatschen noch nicht in Mode war, wurde dumpf mit der Keule auf den Boden gestampft. Ja, so war das damals. Denken wir uns zumindest.

Der Gladiatorenkampf der Neuzeit

Das Publikum ist mit den Jahrhunderten feinfühliger geworden, das war zu beobachten. Auf einmal galten Tiere etwas, tatsächlich. Wenn etwa ein Löwe in irgendeiner Arena des römischen Imperiums die Auseinandersetzung gegen einen gewitzten Sklaven verlor, war auf den Rängen die Bestürzung darüber greifbar. Später wurden dann Steinigungen oder Hinrichtungen mit herzerweichender Empathie für den Steinigungsleiter oder Henker begleitet. Und, ganz wichtig, statt gegrunzt wurde gejohlt.

Sie mögen nun einwenden, dass es ja nicht ganz die feine, englische Art war. Stimmt, aber es war wenigstens was los. Applaus ist doch das Brot des Künstlers!

Womit wir endlich beim Thema wären. Wenn Fußball der Gladiatorenkampf der Neuzeit ist, dann kann erwartet werden, dass in der Arena das Volk wenigstens Anteil nimmt. Tut es aber in Hoffenheim nicht, was denen in den Hoffenheimer Trikots nicht gefällt. Torwart Tom Starke ging nun mit den Stadionsbesuchern ins Gericht. Er sagte: „Das sind keine Fans, sondern neutrale Zuschauer.“ Hat er recht, bei jedem Steinzeitgelage war mehr Stimmung.