Freiburg chancenlos

Meister Dortmund ist nur auf dem Platz offensiv

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Borussia Dortmund bleibt nach dem Sieg in Freiburg Bayern-Verfolger Nummer eins. Eine Kampfansage ließen sich die Westfalen aber nicht entlocken.

Mit einem seligen Grinsen im Gesicht lief BVB-Boss Hans-Joachim Watzke durch die Katakomben des Freiburger Stadions. Von den Rängen hallten die Gesänge der Dortmunder Anhänger durch den Gang: „Deutscher Meister wird nur der BVB“ - die Fans ließen ihrer Freude nach dem 4:1 (2:1)-Erfolg der Borussia beim Tabellenletzten SC Freiburg freien Lauf. Auch Watzke hätte Grund zur Euphorie gehabt. In der zweiten Halbzeit zeigte sein BVB eine beeindruckende Offensiv-Leistung und mit 34 Punkten bleiben die Westfalen Herbstmeister Bayern München hartnäckig auf den Fersen. Doch der deutsche Meister bleibt nur auf dem Platz offensiv.

Zwar nannte Watzke die Punkteausbeute der Hinrunde „überragend“ und den zweiten Rang hinter dem Spitzenreiter aus München eine „wunderbare Ausgangssituation“, eine Kampfansage an Herbstmeister Bayern München kam ihm aber nicht über die Lippen. Auch die Dortmunder Profis ließen sich von der überzeugenden Darbietung der zweiten Halbzeit nicht verführen.

„Bayern ist und bleibt der Favorit auf die Meisterschaft. Wir wollen ins internationale Geschäft“, sagte Torschütze Kevin Großkreutz. Und auch der wiedergenesen Kapitän Sebastian Kehl stellte heraus, dass man in erster Linie „Platz zwei verteidigen“ wolle.

Auf dem Platz hatte der BVB genug Argumente für seine realistischen Chancen auf die Verteidigung des Meistertitels abgeliefert. Robert Lewandowski traf gleich zweimal (7. und 70.) und zeigte, dass er derzeit einer der stärksten Stürmer der Bundesliga ist. Der vor der Pause untergetauchte Großkreutz spielte nach dem Seitenwechsel groß auf, traf selbst (59.) und bereitete den zweiten Lewandowski-Treffer mustergültig vor.

Vor dem Treffer zum 2:1 durch Ilkay Gündogan (44.) hatte die Borussia dann auch das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite und zeigte sich von den Diskussionen um eine vermeintliche Abseitsstellung vor dem Treffer unbeeindruckt. Der Pass zum im Abseits stehenden Jakub Blaszczykowski war von einem Freiburger Spieler gekommen. Assistent Michael Emmer hatte zunächst die Fahne gehoben, war aber von Schiedsrichter Günter Perl überstimmt worden. Die Freiburger Abwehr zeigte sich verwirrt, stellte die Arbeit ein und begünstigte so den Dortmunder Treffer.

„Das haben meine Jungs gut zu Ende gespielt, so muss man das machen“ lobte Trainer Jürgen Klopp seine Schützlinge und bemerkte mit Blick auf den Gegner aus Freiburg mit einem Augenzwinkern: „Wenn man unten steht, hat man das Pech, dass der Schiedsrichter solche Situationen auch noch richtig entscheidet.“

Nach dem Spiel wollte auch niemand den Dortmunder Erfolg an dieser strittigen Szene festmachen. Zu deutlich war die Überlegenheit im zweiten Durchgang. Hätte der BVB seine Chancen konsequenter ausgespielt, wäre ein noch viel höherer Sieg möglich gewesen.

Vom blamable Vorrunden-Aus in der Champions League wollte sich keiner im Lager der Borussen das Hinrunden-Fazit vermiesen lassen. Ganz im Gegenteil: Am Dienstag wollen die Westfalen ihr erfolgreiches Jahr 2011 beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf mit dem Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale krönen. Kapitän Kehl drückte es so aus: „Wenn wir da gewinnen, können wir uns unter dem Weihnachtsbaum ganz genüsslich zurücklehnen.“

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( sid/jr )