Sieg gegen VfB

Magaths Nobody-Joker rettet Wolfsburgs Hinrunde

Selten lag Magath so richtig wie gegen Stuttgart: Wolfsburgs Trainer wechselte mit Polter den Sieg ein und verhinderte ein historisches Hinrunden-Tief.

Alles gewagt - alles gewonnen: Felix Magath klatschte zufrieden seine Spieler ab und genoss den warmen Applaus der Zuschauer. Der 58-Jährige hatte beim 1:0-(0:0) Sieg gegen den VfB Stuttgart mit Sebastian Polter den Siegtorschützen eingewechselt und Hasan Salihamidzic nach nur 20 Minuten wieder vom Platz geholt. Ein riskantes Spiel, das den Klub aber vor der schlechtesten Hinrunden-Bilanz der Bundesliga-Historie bewahrte.

„Nach der Pause wollte ich mit Salihamidzic mehr Sicherheit in die Offensive bringen, was nicht geklappt hat“, sagte Magath. Insofern habe er nachlegen müssen und in Polter noch einen echten Stürmer aufs Feld geschickt. Dass das Wechselspiel für „Brazzo“ Salihamidzic zur Höchststrafe wurde, ließ Magath eher kalt: „Ich habe noch nicht mit gesprochen. Aber natürlich wird er sauer sein.“

Während Salihamidzic die Arena wortlos und genervt verließ, suchte Polter nach den richtigen Worten. „Ich kann das noch gar nicht realisieren. In der letzten Woche mein erstes Bundesliga-Spiel - und heute das erste Tor mit dem Sieg“, meinte der 1.90 m große Stürmer, der in der letzten Saison noch für die zweite Mannschaft auf Torejagd ging. „Natürlich ist das für Brazzo blöd. Aber für mich war es eine große Sache“, sagte der 20 Jahre alte Youngster.

„Er hat schon in der vergangenen Woche gegen Bremen angedeutet, dass er in der Offensive Druck machen will und uns helfen kann“, sagte Magath, der jedoch den jungen Spieler nicht über Gebühr loben wollte. „Schöner als das Tor war eigentlich die Vorbereitung über die linke Seite von Ashkan Dejagah und Marcel Schäfer“, betonte der Trainer und Manager. „Er stand einfach da, wo ein Stürmer stehen muss“, lobte der starke Dejagah den Newcomer.

Polter, der 2007 aus Wilhelmshaven an den Mittellandkanal kam, wusste das plötzliche Rampenlicht richtig einzuschätzen. Trotz seiner jungen Jahre hat er schon viele Verletzungen hinter sich. Zweimal hatte er einen Mittelfußbruch erlitten. Und als sich der Jung-Ehemann Anfang des Jahres zum zweiten Mal schwer an der Schulter verletzte, war die Karriere bei den Profis wieder in Gefahr. Doch plötzlich glaubte der Sushi-Fan wieder an seine Chance - auch wegen Magath. Polter: „Er ist für uns junge Spieler ein guter Coach, weil er uns genau die Grenzen aufzeigt.“

Fraglich bleibt, ob der Shooting-Star nach der Winterpause weitere Chancen erhält. Magath hatte angekündigt, dass er nach der verkorksten Hinrunde auf Shopping-Tour gehen wolle. Auf dem Zettel stehen Tomas Rosicky (FC Arsenal) und Ivica Olic (Bayern München). Trotz des geglückten Abschlusses blieben indes große Zweifel an der Klasse der Wolfsburger in 2011. Im Sommer war seine Mannschaft dem Abstieg nur knapp entkommen, im Winter dümpelt das Team schon wieder im unteren Tabellendrittel umher. Für einen ambitionierten Klub wie Wolfsburg viel zu wenig.

Mit seinem „goldenen Händchen“ hatte Magath im Lager der Stuttgarter für Entsetzen gesorgt. Nur ein Sieg aus den letzten acht Spielen - für Trainer Bruno Labbadia fiel die jüngste Bilanz äußerst bescheiden aus. „Wir sind mehr als enttäuscht“, klagte der Coach nach der Niederlage. In den ersten 30 Minuten war seine Mannschaft klar besser, doch die vielen Chancen wurden nicht genutzt. „Das ist sehr, sehr ärgerlich. Wir müssen uns ein bisschen in den Hintern beißen, weil wir den sehr guten Eindruck kaputt gemacht haben“, sagte der Coach.

Ein Chance zur Wiedergutmachung bleibt den Schwaben aber noch. Am Mittwoch empfängt der deutsche Meister von 2007 im Achtelfinale des DFB-Pokals den Hamburger SV. „Da müssen wir endlich ein anderes Gesicht zeigen“, sagte Labbadia, der gegen seinen Ex-Klub doch noch für ein Stuttgarter Happy End im Jahr 2011 sorgen will.

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