Kritik an Ex-Klub

Torwart Leno fühlt sich vom VfB Stuttgart getäuscht

Leverkusens Torwart Bernd Leno spricht im Interview mit Morgenpost Online über nicht eingehaltene Versprechen, seinen Marktwert und den netten Petr Cech.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Er ist der Aufsteiger der Saison: Im Sommer spielte Torwart Bernd Leno (19) noch in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart, nun zahlte Bayer Leverkusen acht Millionen Euro für ihn. Er war von den Schwaben ausgeliehen worden, um den verletzten Nationaltorwart Rene Adler zu vertreten. Der sucht nun einen neuen Klub.

Morgenpost Online: Am Freitag wurde Ihrem Klub in der Champions League der FC Barcelona zugelost .

Bernd Leno: Es ist fantastisch für uns, gegen Barca antreten zu können, und auch für die Fans freut es mich. Zuhause wird sicherlich eine großartige Atmosphäre herrschen. Und in Barcelona im Camp Nou zu spielen, ist sicherlich nicht nur ein Traum für mich. So was wünscht man sich schon als Kind.

Morgenpost Online: Für viele Experten sind Sie der Aufsteiger der Hinrunde. Sehen Sie das auch so?

Leno: Eigentlich nicht. Ich würde eher sagen, dass ich ein Neuling bin, der jetzt den ersten Schritt in der Bundesliga und in der Champions League gemacht hat. Da konnte ich zeigen, was ich drauf habe. Aber ich denke, dass ich noch viel Entwicklungspotenzial mitbringe und eine Menge lernen kann.

Morgenpost Online: Erinnern Sie sich noch an die ersten Spiele der Saison?

Leno: Klar, ich kann mich noch gut an die Partien mit der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart in der Dritten Liga erinnern. Zum Auftakt gab’s einen Auswärtssieg bei Arminia Bielefeld, dann ein 0:0 gegen Wehen-Wiesbaden.

Morgenpost Online: Waren Sie verwundert, als in Leverkusen Ihr Name gehandelt wurde?

Leno: Ehrlich gesagt, schon. Mein Berater hatte mich zwar schon über das Interesse informiert. Aber damals wurden ja auch Namen wie Timo Hildebrand oder Jens Lehmann in Leverkusen gehandelt. Dann habe ich plötzlich Trainer Robin Dutt am Telefon, der mich unbedingt haben wollte. Und das, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch kein einziges Bundesliga-Spiel vorweisen konnte. Das hat mich schon überrascht. Aber ich wusste auch sofort, dass ich diese Chance unbedingt wahrnehmen möchte.

Morgenpost Online: Warum gab es diese Chance zuvor eigentlich nie beim VfB Stuttgart?

Leno: Weiß ich nicht. Ursprünglich wurde mir ein fairer Zweikampf mit Sven Ulreich um die Nummer eins zugesichert. Das wurde nicht eingehalten. Schon nach dem zweiten Training hieß es: „Du stehst in Bielefeld bei der zweiten Mannschaft im Tor.“ Da habe ich mich schon ein bisschen getäuscht gefühlt. Deshalb war für mich klar, dass ich das Angebot aus Leverkusen annehmen werde.

Morgenpost Online: Obwohl es sich nur um ein Leihgeschäft bis zum Winter handelte...

Leno: Aber ich konnte mich bei einem Top-Klub in der Bundesliga zeigen. Klar ist es erst mal ein komisches Gefühl, nur auf Leihbasis zu spielen. Zumal ein so junger und unerfahrener Torwart wie ich unter einer ganz besonderen Beobachtung steht. Aber ich wurde so gut aufgenommen, dass ich mich unheimlich schnell in Leverkusen heimisch gefühlt habe.

Morgenpost Online: Sie haben bei ihren ersten drei Bundesliga-Auftritten keinen Gegentreffer hinnehmen müssen, gegen Meister Dortmund das 0:0 mit zahllosen Paraden festgehalten. Waren Sie von Ihrem Niveau selbst überrascht?

Leno: Ich habe nicht erwartet, dass es so reibungslos geht. Schließlich ist der Schritt von der Dritten Liga in die Bundesliga gewaltig. Aber spätestens mit dem Dortmund-Spiel bin ich in Leverkusen so richtig angekommen. Da konnte ich mich auszeichnen, und die Leute haben gesehen: „Hoppla, da steht ja einer im Tor!“

Morgenpost Online: Es ging im Eiltempo für Sie weiter: Das erste Champions-League-Match, gleich beim FC Chelsea…

Leno: Das war verrückt! Da stehen dir plötzlich Lampard, Torres oder Anelka gegenüber, die du bis dahin nur von der Playstation kennst. Trotz der 0:2-Niederlage haben wir uns dort richtig gut verkauft – und ich habe keinen Fehler gemacht. Auf diese Leistung bin ich wirklich stolz. Ich weiß noch, dass ich danach die ganze Nacht kein Auge zugemacht habe.

Morgenpost Online: Was hat Sie um den Schlaf gebracht?

Leno: Die vielen Eindrücke musste ich erst mal verarbeiten. Vor dem Spiel hat mir Chelseas Torwart Petr Cech sogar noch auf Deutsch viel Glück gewünscht. Der kannte sogar meinen Namen! Nach dem Spiel habe ich ihn gefragt, ob ich sein Trikot haben könnte. Er hat nur gelächelt und gesagt: „Das hast du dir wirklich verdient.“

Morgenpost Online: Am 30. November unterzeichneten Sie einen Fünfeinhalbjahres-Vertrag.

Leno: Da ist eine Last von mir abgefallen. Ich habe mich unheimlich gefreut, dass der Verein so langfristig mit mir plant und auch der VfB Stuttgart finanziell von dem Transfer profitiert. Schließlich habe ich dort eine überragende Ausbildung genossen.

Morgenpost Online: Acht Millionen Euro sollen Sie gekostet haben. Sind sie das Geld wert?

Leno: Das wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Ich habe ja gerade mal ein halbes Jahr Bundesliga und Champions League gespielt. Durch den langfristigen Vertrag habe ich die Chance, mit guten Spielen die Ablösesumme Stück für Stück in Raten abzuzahlen.

Morgenpost Online: Denken Sie manchmal daran, dass erst die Verletzung von René Adler diesen Karrierestart ermöglicht hat?

Leno: Das Fußballgeschäft ist manchmal echt hart. Ohne die Verletzung von René würde ich jetzt sicher nicht bei Bayer Leverkusen zwischen den Pfosten stehen. Für ihn ist es natürlich sehr unglücklich gelaufen, weil sich die Verletzung so lange hinzieht. Aber ich muss auch an mich denken. Trotzdem hat René sehr viel für den Verein geleistet und mich von Anfang an unterstützt. Seine Tipps haben mir sehr geholfen. Für mich ist er ein Riesen-Torhüter und eine große Persönlichkeit.

In eigener Sache: Neu auf der iPad-App der „Welt“ – eine umfangreiche Sportdatenbank