Champions League

Ex-Münchner will dem FC Bayern ein Bein stellen

In der Gruppenphase warf der FC Basel überraschend Manchester United aus der Champions League. Nun nehmen die Schweizer den FC Bayern ins Visier.

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Paul Breitner war schon immer für seinen scharfen Blick bekannt. Früher erspähte er die Lücken in der gegnerischen Deckung, in die er dann seine präzisen Pässe schickte. Er guckte im WM-Finale 1974 den niederländischen Torwart Jan Jongbloed aus und ließ ihm mit seinem Elfmeter keine Abwehrchance. Am Freitag hingegen visierte er eine kleine Kugel genau an, bevor er sich auf sie stürzte.

Breitner, einst Superstar und Enfant terrible des deutschen Fußballs, ist noch immer fester Bestandteil der internationalen A-Prominenz. Als vor zwei Wochen in Kiew die Vorrundengruppen der Europameisterschaft ausgelost wurden, stand er mit Größen wie Zinedine Zidane, Marco van Basten und Peter Schmeichel auf der Bühne.

Am Freitag zog er die Achtelfinal-Paarungen der Champions League . Als der Gegner des FC Basel gesucht wurde, konzentrierte sich Breitner. Vier Kugeln wurden in den gläsernen Lostopf gelegt, darunter auch die, in der ein Zettel mit dem Namen „FC Bayern München“ steckte. Breitner schien das Bällchen zu fixieren, als Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino die Kugeln mischte, jedenfalls griff er zielsicher zu und grinste breit, als er seinen Arbeitgeber zog, dem er heute als Berater dient.

FCB gegen FCB, eine bessere Paarung hätte sich der deutsche Rekordmeister kaum wünschen können. Die Schweizer fallen natürlich unter das „Es-gibt-keine-Kleinen-mehr“-Gesetz, sind aber eine durchaus lösbare Aufgabe.

Auch wenn sie sich zuletzt einen Ruf wie Donnerhall erworben haben. Im Hinspiel der Gruppenphase hatte die Baseler Manchester United bereits am Rande einer Niederlage, erst in der 90. Minute glichen die Engländer zum 3:3 aus. Im Rückspiel siegten die Schweizer dann 2:1 und machten dem Vorjahresfinalisten den Garaus . Umjubelter Held jenes rauschhaften Abends im St. Jakob-Park war der deutsche Trainer des FC Basel: Heiko Vogel (36) .

Als er mit seinen Spielern um ein Uhr nachts auf einen Balkon am Barfüsserplatz auftauchte, wo tausende von Fans ihre Helden hochleben ließen, schallte es durch die Baseler Innenstadt: „Ein Heiko Vogel, es gibt nur ein Heiko Vogel“. Der Gefeierte schüttelte immer wieder den Kopf, winkte, wischte sich verstohlen ein paar Tränen ab. „Mit seiner intelligenten und smarten Art berührt Vogel die Herzen seiner Spieler und der Fans“, schrieb die „Basler Zeitung“.

Doch der Weg zum Ruhm war lang: Einst durchlief der Mann mit dem rotblonden Haar, der selbst nie höher als Regionalliga gespielt hat, die Jugendabteilung des FC Bayern. Dort war er zunächst Assistenztrainer von Hermann Hummels, dem Vater des Dortmunder Profis Mats Hummels. Später wurde er Cheftrainer diverser U-Mannschaften der Münchner.

Spieler wie Philipp Lahm, Diego Contento und Thomas Müller, die er nun im Achtelfinale wiedertreffen wird, wurden von Vogel ausgebildet. Nur die eigene Karriere kam irgendwie nicht recht voran. Bis zur U17 kam Vogel beim FC Bayern, dann wechselte er 2008 als Assistent von Thorsten Fink zum FC Ingolstadt. Als Fink ein Jahr später entlassen wurde und zum FC Basel ging, ging Vogel mit. Und als der Chef im Oktober 2011 dem Ruf des Hamburger SV folgte, beerbte ihn sein Stellvertreter.

Offenbar war das Vertrauen in Vogel nicht besonders groß in Basel. Interimistisch wurde ihm der Trainerposten zugeschoben. Die Macher des Schweizer Meisters schielten nach einer größeren Lösung. Doch Vogel überzeugte: In 13 Spielen holte er zehn Siege und zwei Unentschieden.

Erst eine Niederlage

Die bislang einzige Niederlage gab es in der Champions League gegen Benfica Lissabon. Derzeit führt der FC Basel die Liga mit sieben Punkten Vorsprung an. Als Dank gab es unter der Woche einen neuen Vertrag als Cheftrainer, datiert bis 2014.

Wie als Krönung gab es nun das Traumlos in der Königsklasse. Schon in der vergangenen Saison trafen die Schweizer auf den großen Nachbarn, damals gab es in der Gruppenphase ein 1:2 und ein 0:3 für Basel, das hinter dem FC Bayern und dem AS Rom Dritter wurde.

„Ich tippe, dass es nun sogar noch einen Tick schwieriger wird. Jupp Heynckes hat der Mannschaft Spielfreude und Kreativität zurückgebracht, die im vergangenen Jahr vielleicht ein wenig verloren gegangen war“, sagte Vogel.

Bayern in der Favoritenrolle

Bayern München sei der „absolute Topfavorit“ der diesjährigen Champions League. Die Ausgangslage sei somit klar abgegrenzt: „Es wird wieder ein Kampf David gegen Goliath. Aber wir kennen die Rolle des David und schlüpfen gern hinein. Wenn alle Faktoren stimmen hoffen wir, dem Goliath ein Bein stellen zu können.“

Bundestrainer Joachim Löw sieht den FC Bayern ebenfalls in der Favoritenrolle, warnt aber: „Basel ist nicht zu unterschätzen: Was dann passieren kann, hat man bei Manchester United gesehen. Aber wenn die Münchener sich konzentrieren, können sie in dieser Saison ganz weit kommen.“

Und natürlich meldete sich auch Vogels Freund und Vorgänger zu Wort. „Für Basel ist das ein ganz schwieriges, aber sehr attraktives Los. Die Bayern sollten Basel auf keinen Fall unterschätzen, das ist eine gewachsene und eingeschworene Mannschaft, die gegen Manchester United gezeigt hat, was an einem guten Abend möglich ist“, sagte Thorsten Fink .

Gewissenskonflikt

Der HSV-Trainer steckt nun in einem Gewissenskonflikt. Einerseits machte er den FC Basel in der vergangenen Saison zum Meister, brachte den Klub in die Champions League. Andererseits absolvierte er 150 Bundesligaspiele für den FC Bayern und ließ in dessen zweiter Mannschaft seine Karriere ausklingen.

„Ich kann nicht genau vorhersagen, für wen mein Herz schlagen wird. Ich war fast zehn Jahre Spieler in München, habe in den vergangenen zwei Jahren in Basel etwas aufgebaut. Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, dass sie starke Spiele machen.“ Daran zweifelt in Basel derzeit niemand. Vogel sei Dank…