"Auszeit"

Tauschgeschäfte – Suche Waffe, biete Ticket

Sven Flohr

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Vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 möchte Brasilien die Gewalt mit einem erstaunlichen Tauschgeschäft reduzieren.

Laut einer UN-Studie wurden von den 195 Millionen Einwohnern Brasiliens im Vorjahr 43.909 getötet – in keinem anderen Land gab es mehr Morde. Schätzungen zufolge befinden sich in dem südamerikanischen Staat etwa 20 Millionen Waffen im Umlauf, davon 80 Prozent in Privatbesitz.

Seit vielen Jahren versuchen Politiker und nichtstaatliche Organisationen, des Gewaltproblems im eigenen Land Herr zu werden. Eine neue Strategie ist der Ankauf von Waffen durch den Staat. Seit Mai läuft eine entsprechende Antiwaffenkampagne, mehr als 20.000 Pistolen und Gewehre wurden seither gegen Bares eingereicht. Angeblich sind es oft Frauen, welche die Knarren ihrer männlichen Angehörigen abgeben.

Statt Geld könnte es bald auch kostenlose oder stark rabattierte Tickets für die Weltmeisterschaft 2014 als Tauschware geben. Die Idee ist Teil des sogenannten „Weltmeisterschaftsgesetzes“, das derzeit in der Hauptstadt Brasilia auf den Weg gebracht wird. Demnach sollen aus den eingesammelten Waffen Torpfosten gebaut werden, die dann während der WM und bei Veranstaltungen rund um die Welt eingesetzt werden. Der Fußball-Weltverband Fifa prüft die Idee, Generalsekretär Jerome Valcke merkte aber bereits an: „Leider gibt es in Brasilien wohl so viele Waffen, dass wir kaum ausreichend Karten zur Verfügung haben dürften.“ Eine Lösung könnte nach Angaben der Planer sein, neben den Tickets auch T-Shirts oder Bälle als Tauschware anzubieten.

Interessiert an der geldlosen Verkaufstaktik ist bereits der Gastgeber von 2018. Russlands Regierungspartei bastelt angeblich an einem ganz speziellen Angebot: Wähler sollen ihre Stimme gegen ein WM-Ticket eintauschen dürfen.

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