16. Spieltag

Bayern ist nach Sieg in Stuttgart fast Herbstmeister

Zum Abschluss des 16. Spieltags gewinnt Tabellenführer Bayern München beim VfB Stuttgart. Dabei müssen die Schwaben eine Stunde lang in Unterzahl spielen.

Mario Gomez wurde an seiner alten Wirkungsstätte ausgepfiffen und beschimpft. Der Bundesliga-Torschützenkönig ließ sich aber von den Schmähgesängen nicht beirren und gab auf dem Platz die passende Anwort. Mit seinen Saisontreffern 14 und 15 sorgte der Nationalspieler nicht nur nahezu im Alleingang für den 2:1 (1:1)-Erfolg des FC Bayern München beim VfB Stutgart, sondern schoss den Rekordmeister auch so gut wie sicher zur Herbstmeisterschaft. So ganz nebenbei übernahm der frühere Stuttgarter auch wieder die alleinige Führung in der Torjägerliste.

"Wir wollten heute unbedingt gewonnen, aber wir haben in Überzahl nicht so gut gespielt. Wir haben einen anderen Anspruch, wir wollen Meister werden. Da müssen wir in Überzahl den Ball und den Gegner laufen lassen, das haben wir nicht so gut gemacht", sagte Gomez, der seine eigene Leistung nicht überbewerten wollte. Wenn er ein Tor schieße, würde er immer gelobt, wenn er nicht trifft, würde er kritisiert. "Das kann ich ganz gut einschätzen", sagte Gomez.

Nach dem Sieg im Südgipfel ließen sich die Bayern von ihren Fans feieren, während Stuttgarts Bruno Labbadia nach seinem 100. Spiel als Bundesliga-Coach den Schuldigen für die Niederlage schnell ausgemacht hatte. Der VfB-Coach schimpfte wie ein Rohrspatz auf das Schiedrichter-Gespann unter der Leitung von Manuel Gräfe, der allerdings alles richtig gemacht hatte.

So zum Beispiel bei der Gelb-Roten Karte gegen Cristian Molinaro nach einer halben Stunde. Der Italiener hatte Arjen Robben umgesenst und musste nach seinem zweiten groben Foul zwangsläufig in die Kabine. "Durch den Platzverweis hatte Bayern deutlich mehr Ballbesitz. Wir hatten noch die eine oder andere Chance, zum Beispiel durch Cacau. Dass die Bayern aber die bessere Mannschaft waren, brauchen wir nicht wegzudiskutieren", sagte Christian Gentner, der die Gastgeber in der siebten Minute in Führung gebracht hatte.

Anschließend gelang Gomez zunächst der Ausgleich (13.), ehe der Goalgetter in der 57. Minute das Spiel entschied. Von der Tabellenspitze wird der FC Bayern am letzten Hinrunden-Spieltag der Bundesliga bei drei Punkten Vorsprung und der klar besseren Tordifferenz vom deutschen Meister Borussia Dortmund und auch Pokalsieger Schalke 04 nicht mehr zu verdrängen sein.

Nach einer turbulenten Anfangsphase und den Treffern von Gentner und Gomez besaßen die Münchner zunächst die besseren Chancen. Nach dem Platzverweis gegen Molinaro tat sich der FC Bayern aber zunächst sehr schwer und fand kaum eine Lücke gegen den defensiv gut stehenden VfB.

Hinzu kam, dass Sven Ulreich vor 60.469 Zuschauern in der ausverkauften Arena einen ausgesprochen guten Tag erwischt hatte. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als die Gäste die Kontrolle über das Spiel übernahmen und den VfB über weite Strecken vor dessen Strafraum einschnürten, erwies sich Stuttgarts Torhüter als sicherer Rückhalt. So parierte er unter anderem spektakulär in der 50. Minute einen fulminanten Schuss von Toni Kroos. Beim zweiten Treffer von Gomez, dem eine schnelle Kombination über Kroos und Philipp Lahm vorausgegangen war, besaß Ulreich aber keine Chance.

Der VfB hatte zuletzt am 10. November 2007 zu Hause gegen den FC Bayern gewonnen (3:1) - Gomez erzielte damals zwei Treffer. Diesmal hätte der Torjäger die Münchner früh in Führung bringen können, wenn nicht gar müssen. Fünf Meter vor dem leeren Tor schlug er attackiert von William Kvist allerdings über den präzisen Querpass von Robben (5.). Kurz zuvor hatte Daniel van Buyten einen Eckball des Niederländers mit der Hacke ans Außennetz gelenkt.

Während sich die Münchner noch über die vermeintliche Behinderung von Gomez ereiferten, nutzte der VfB eine Unsicherheit in der Hintermannschaft der Gäste eiskalt zur Führung. Gentner gelang aus kurzer Distanz sein dritter Saisontreffer.

Der FC Bayern war allerdings keineswegs irritiert und glich keine sechs Minuten später aus. Diesmal traf Gomez hart bedrängt von Serdar Tasci. Rafinha war neben Holger Badstuber und Anatoli Timuschtschuk der einzige Münchner Spieler, der auch beim 0:2 bei Manchester City in der Champions League am vergangenen Mittwoch in der Anfangsformation gestanden hatte.

Vor gut einem Jahr hatten sich beide Mannschaften zuletzt in Stuttgart gegenübergestanden. Zum Amtsantritt von Labbadia siegte der FC Bayern damals innerhalb von vier Tagen gleich zweimal bei den Schwaben, zunächst 5:3 in der Bundesliga, dann 6:3 im DFB-Pokal. Und zumindest in der Anfangsphase schien es, als entwickelte sich eine ähnlich torreiche Begegnung. Nach dem Platzverweis von Molinaro verteidigte der VfB aber äußerst geschickt.

Molinaro hatte vom Anpfiff weg große Schwierigkeiten mit Robben. Und nach zwei Fouls gegen den Niederländer innerhalb von vier Minuten stellte Gräfe den Italiener zu Recht vom Platz. Kurz zuvor hatte Ulreich bravourös einen abgefälschten Schuss von Thomas Müller pariert (25.) - danach nahmen ihm seine Vorderleute zunehmend Arbeit ab. Hinzu kam, dass die Münchner nach dem Platzverweis mit viel zielstrebiger agierten. Der eingewechselte Cacau vergab aber in der 80. Minute noch eine sehr gute Gelegengeit für den VfB.