Werder Bremen

Die einmalige Beziehung Allofs/Schaaf geht weiter

Seit über einem Jahrzehnt arbeiten Allofs und Schaaf bei Werder erfolgreich und geräuschlos zusammen. Meinungsverschiedenheiten wurde nie öffentlich.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die Stimmung war feierlich. Erst besiegte Werder Bremen den VfL Wolfsburg 4:1 (2:0) , und am Tag darauf feierte der Klub eine Weihnachtsfeier in einem mediterranen Restaurant in der Bremer Überseestadt. Das schönste Präsent aber hat sich der Verein wohl selbst gemacht. Die Verträge von Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf werden allem Anschein nach über den Sommer 2012 hinaus verlängert. Die Einigung mit dem seit 1999 überwiegend erfolgreichen Duo steht zwar noch aus, aber es scheint nach langer Hängepartie wahrscheinlich, dass beide den Hanseaten auch in den kommenden Jahren erhalten bleiben.

Dabei verband Allofs (55) und Schaaf (50) nie eine private Freundschaft, sondern mehr eine professionelle Geschäftsbeziehung – gestützt allerdings durch gegenseitiges Vertrauen sowie Loyalität. Als sie Werders sportliche Leitung vor über zwölf Jahren übernahmen, respektierten sie sich, mussten sich aber erst an die Eigenarten des Anderen gewöhnen. Allofs, aus Düsseldorf stammend, ist eloquent mit der Gelassenheit eines Rheinländers, der oft über sich selbst schmunzeln kann. Schaaf, seit 1972 bei Werder, ist zwar in Mannheim geboren. Aber er verinnerlichte Eigenschaften, die viele Bremer haben: oft mundfaul, manchmal stoisch, gelegentlich grantig.

Die Beziehung zwischen Allofs und Schaaf ist in der Bundesliga einmalig, weil beide über ein Jahrzehnt erfolgreich und geräuschlos miteinander arbeiten und den Verein zu einer Meisterschaft (2004) und zwei Pokalsiegen (2004 und 2009) sowie sechsmal in die Champions League führten. Meinungsverschiedenheiten über Transfers oder Einschätzungen von Spielern werden nie öffentlich, ebenso wenig wie Kritik an der Arbeit des Partners.

Auch in der vergangenen Saison wurden die jeweiligen Mängel, durch die beide die missratene Spielzeit zu verantworten hatten, intern geklärt. Allofs sorgte nicht für gleichwertigen Ersatz für den zu Real Madrid abgewanderten Spielgestalter Mesut Özil, und Schaaf fand nicht die rechten Mittel, weswegen die Bremer viele Gegentore kassierten und in Abstiegsgefahr gerieten. Wurde allerdings der eine öffentlich kritisiert, sprang der andere für ihn ein. In Zeiten, in denen Manager nach Misserfolgen schnell den Kopf des Trainers preisgeben, auch um so ihre eigenen Versäumnisse zu kaschieren, ist das bemerkenswert. In dieser Saison läuft es wieder reibungslos, Werder rangiert als Fünfter nur einen Punkt hinter einem Qualifikationsplatz für die Champions League.

Allofs und Schaaf haben nie durchblicken lassen, dass sie auch ohne den anderen könnten. Sie haben aber sehr wohl signalisiert, dass sie auch anderswo erfolgreich sein könnten. Im Sommer 2009 schien dies denkbar, als der VfL Wolfsburg die beiden zu locken versuchte; Allofs und Schaaf entschieden sich dagegen. In dieser Saison drohte der Bremer Aufsichtsrat mit Feilschereien um Allofs' Gehalt die Bande zwischen beiden zu trennen. Doch bei Werder herrscht das Vernunftprinzip: Eine erfolgreiche Zukunft des Klubs ist am ehesten mit den beiden Altgedienten im Verbund denkbar.

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