Golf

Lukes Triumph – Ein Donald wird zum Dagobert

Der frühere Kunststudent Luke Donald gewinnt als erster Golfer gleichzeitig das meiste Preisgeld auf den Profitouren in USA und Europa.

Foto: AFP

Colin Donald hat seine Enkelin Sophie Ann leider nicht mehr kennengelernt. Er starb überraschend am 7. November, vier Tage vor ihrer Geburt. Sophie Anns Papa war nun zugleich trauernder Sohn und glücklicher Vater. „Diese Woche hat viele Emotionen in mir hervor gerufen“, sagt Luke Donald. Die Geburt seiner zweiten Tochter habe Gnade über den Tod des Vaters gebracht. Ein Leben geht, eines entsteht.

Der derzeit beste Golfspieler der Welt hat ereignisreiche Wochen hinter sich. Im Oktober hatte sich Donald Platz eins in der Geldrangliste der US-PGA-Tour gesichert und kümmerte sich in der Folge um seine Familie. Nun konzentriert er sich auch wieder auf den Job. Beim Saisonfinale in Dubai schloss der Engländer auch die Rangliste der Europatour als Bestverdiener ab. Der gleichzeitige Triumph auf beiden Touren gelang noch keinem Spieler zuvor. Lukrativ ist er allemal: Schon jetzt hat Donald rund neun Millionen Euro Preisgeld gewonnen, für den Gesamtsieg kommen 1,1 Millionen dazu. Plus der Scheck für die Turnier-Platzierung, Rang drei.


Triumph dem Vater gewidmet

Den Erfolg widmet Donald seinem Vater: „Er hat mich zu einer anständigen Person erzogen mit guter Moral. Mit ihm verlor ich einen guten Freund.“ Und einen Förderer. Als das jüngste von vier Kindern 1997 zum Studieren nach Amerika gehen wollte, reichte das golferische Talent noch nicht für ein Stipendium. Vater Colin beauftragte für 400 Pfund eine Agentur, damit diese sich nach einer geeigneten Uni umsah. Eine gute Investition. Donald besuchte die Northwestern University in der Nähe Chicagos und entwickelte sich rasend schnell. Bereits 1999 gewann er das wichtigste Turnier im amerikanischen Collegesport.

Ein Gemälde vom finalen Putt hängt in Donalds Wohnzimmer. Es ist ein Selbstporträt. Donald hat Kunst studiert. Das Malen entspanne ihn, sagt er, es sei Ablenkung vom Beruf. 1500 Dollar wurden einmal auf einer Wohltätigkeitsaktion für eines seiner Werke gezahlt. Zum Verkauf biete er die Bilder ansonsten nicht an: „Ich würde nicht sagen, dass ich ein großartiger Künstler bin. Ich kann zum Beispiel nicht gut zeichnen.“ Lieber male er mit Ölfarben. Da müsse er es nicht so genau nehmen, sondern könne expressiver sein.


Nicht so emotional wie Tiger Woods

Donald lebt mit dem Pinsel aus, was er sich mit dem Schläger verkneift. Da ist er nicht so kreativ wie Severiano Ballesteros, nicht so emotional wie Tiger Woods oder so ungestüm wie Sergio Garcia. Donalds Vorbild ist ein Mann, der 2004 sein erster Ryder-Cup-Kapitän war: Bernhard Langer. „Unsere Spielweise ähnelt sich, ich kann viel von Bernhard lernen“, sagt Donald über den deutschen Ausnahmespieler. Wie Langer kann auch er den Ball nicht sonderlich weit schlagen. Beide sind aber akribisch, taktisch versiert und an guten Tagen präzise wie eine Atomuhr. Arbeitstier nennen sie Donald in der Branche, verriet einmal sein Freund Charles Howell III, ebenfalls Profi auf der US-Tour. Weil Luke über den Platz stapfe und einfach seinen Job verrichte. Howells Urteil: „Er ist ein sehr langweiliger Spieler. Im Golf ist das aber ein Kompliment.“

Donalds Credo: Turniere gewinne man nicht mit dem Abschlag, „sondern rund ums Grün“. Einmal dort angekommen, macht ihm niemand etwas vor. Mit dem Putter benötigt Donald fast nie mehr als zwei Versuche. Auf der US-Tour absolvierte er diese Saison 483 Löcher in Folge ohne einen Dreiputt, aufs Jahr gerechnet unterlief im dieses Missgeschick nur an jeder 87. Bahn. Zahlen, die Donald seit 28 Wochen auf Rang eins der Weltrangliste halten. Einzig Tiger Woods stand länger am Stück an der Spitze.


Früher galt er als das Leverkusen des Golfs

Und dennoch dauerte es lange bis zum Durchbruch. Noch vor kurzem galt Donald als Bayer Leverkusen des Golfsports. Ein braver Bubi, der oft vorn dabei war, dicke Schecks einstrich, aber nicht genug Biss für Siege hatte. Zwischen 2007 und 2010 wurde Donald siebenmal Zweiter und dreimal Dritter. Erster nie. Englische Blätter schrieben gar vom „Luke-Donald-Syndrom“. Dass er den Makel in diesem Jahr mit gleich vier Turniersiegen ablegte, ist auf drei Umstände zurück zu führen. Donald trainierte im vergangenen Winter seinen Körper so hart wie nie zuvor. Er sei 20 Prozent fitter, sagt er. Zudem nahm er sich einen Mentaltrainer und eine kleine Mentaltrainerin. Die Geburt seiner ersten Tochter Elle im Februar 2010 habe ihn nicht nur privat inspiriert, glaubt Donald: „Vater zu werden, hat mir auch als Golfer sehr geholfen. Ich kann seitdem besser mit Fehlern umgehen.“

Nur bislang nicht mit Majors. Bislang hechelt Donald dem Sieg bei einem der vier weltgrößten Turniere hinterher. „Ein Sieg dort ist mein nächster Schritt“, sagt er, „ich kann das.“ Woran nach dieser Saison niemand mehr zweifelt.