VfB Stuttgart

Harnik – "Wir müssen die Bayern niederrennen"

Im Interview mit Morgenpost Online erklärt Stuttgarts bester Angreifer Martin Harnik, warum er sich auch gegen den Bundesliga-Spitzenreiter gute Chancen ausrechnet.

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Das Topspiel des 16. Spieltags findet Sonntag in Stuttgart statt. Der VfB empfängt Tabellenführer Bayern München (17.30 Uhr, Sky). Die Schwaben sind seit fünf Heimspielen in Folge unbesiegt. Ihr bester Angreifer Martin Harnik (24) kommt auf sechs Tore und fünf Vorlagen. Der Österreicher will nun auch den Bayern einen Strich durch die Rechnung machen – Münchens Manager Christian Nerlinger hatte ja nur Siege in den letzten drei Partien bis zur Winterpause gefordert. Die Gäste haben nur einen der letzten sechs Auftritte am Neckar gewonnen, mit 5:3 am 19. Dezember 2010.

Morgenpost Online: Vor einem Jahr im Dezember hat der VfB gegen Bayern innerhalb von drei Tagen zwei Klatschen mit elf Gegentoren kassiert. Was gibt Ihnen Hoffnung, dass es diesmal besser läuft?

Martin Harnik: Unser relativ stabiler Saisonverlauf. Im Gegensatz dazu waren wir damals schwer angeschlagen und standen mit dem Rücken zur Wand. Wichtig ist, dass wir am Sonntag nicht glauben, mit den Bayern mitspielen zu können. Wir müssen sie niederrennen und niederkämpfen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Morgenpost Online: Das dürfte Ihnen entgegen kommen. Sie gehen auch sonst weite Wege. Es ist nicht übertrieben, das Laufvermögen als eine Ihrer herausragenden Stärken zu bezeichnen, oder?

Harnik: Auf dem Platz lebe ich von meinem Laufvermögen. Das ist Veranlagung.

Morgenpost Online: Wie beurteilen Sie Ihre weiteren Stärken, was sind die Schwächen?

Harnik: Ich bin schnell und habe einen gesunden Drang zum Tor. Die andere Liste ist länger. Ich muss Zweikampfstärke, Passspiel und Torabschluss verbessern. Da ist noch Luft nach oben.

Morgenpost Online: Beim 2:1 gegen Augsburg haben sie immerhin zweimal getroffen, dabei jeweils einen imaginären Hammer geschwungen und mit der Faust auf den Boden geschlagen. Was hat es mit diesem Torjubel auf sich?

Harnik: Das habe ich aus dem Kinofilm „Thor“ übernommen. Donnergott Thor löste Schockwellen mit dem Hammer aus. Das fand ich cool und hatte die Idee, es in meinen Jubel einzubauen.

Morgenpost Online: Erwartet uns eine neue Kreation, wenn Sie gegen die Bayern treffen?

Harnik: Ich bleibe bei Thors Hammer. Es war das Beste, was ich bisher ausgepackt habe.

Morgenpost Online: Ein Spitzenteam wie die Bayern dürfte Ihrer Mannschaft entgegen kommen. Warum tut sich der VfB im Gegensatz dazu gegen die sogenannten Kleinen so schwer?

Harnik: Wir haben noch nicht die Souveränität wie Bayern, Dortmund oder auch Gladbach, um uns in einen Rausch zu spielen und einen Gegner abzuschießen, obwohl wir die Möglichkeiten dazu hätten. Gegen Gegner wie die Bayern ist die Erwartungshaltung ganz anders. Da gehen wir mit weniger Druck an die Sache heran, weil keiner unbedingt einen Sieg erwartet.

Morgenpost Online: Ihre Mutter ist Deutsche, Ihr Vater Österreicher. Sie sind bei Hamburg aufgewachsen, haben auch die deutsche Staatsbürgerschaft und spielen in der österreichischen Nationalmannschaft. Fühlen Sie sich mehr als Ösi oder als Piefke?

Harnik: Halb und halb. Privat ist Deutschland mein Lebensmittelpunkt. Sportlich habe ich mich aus emotionalen Gründen für Österreich entschieden, obwohl Deutschland nach der U-20-WM, als wir Vierter wurden, auf mich zukam.

Morgenpost Online: Österreich ist bei der EM nicht dabei, Deutschland kann Europameister werden. Haben Sie Ihre Entscheidung schon bereut?

Harnik: Auf keinen Fall. Für mich zählt zunächst die emotionale, nicht die sportliche Perspektive. Österreich hat mir viel gegeben. Ich vertrete das Land mit Stolz.

Morgenpost Online: Als Sie 2010 aus Düsseldorf kamen, musste der VfB nur 300.000 Euro bezahlen. Jetzt wird Ihr Marktwert bei transfermarkt.de mit 6,5 Millionen beziffert. Was macht das mit einem?

Harnik: Das ist ein schönes Feedback, mehr nicht. Der Marktwert ist fiktiv und unrealistisch, solange es kein entsprechendes Angebot gibt. Ich denke auch nicht an einen Wechsel. Ich fühle mich in Stuttgart sehr wohl.

Morgenpost Online: Bis Sie zum VfB kamen, war Ihre Karriere ein auf und ab. Bei Werder Bremen saßen Sie häufig auf der Bank, danach spielten sie in der Zweiten Liga. Welche Lehren haben Sie aus dieser Zeit gezogen?

Harnik: Es ist wichtig im Leben, auch mal einen Schritt zurückzugehen, um wieder zwei Schritte voranzukommen. Man muss sich eigene Schwächen eingestehen und dann die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Ich bin älter und reifer geworden, nicht mehr der Hallodri von früher. Trotzdem bin ich auch heute noch locker drauf und für jeden Spaß zu haben. Ich glaube, ich habe für mich den richtigen Mittelweg gefunden.

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