"Lage der Liga"

Markus Babbels falsches Spiel mit Hertha

Herthas Trainer ziert sich seit Monaten, wenn es um seine Vertragsverlängerung geht. Mittlerweile hat er so auch den Rückhalt der Fans verloren.

Foto: dpa / dpa/DPA

Bundesligatrainer gehört zu den exklusivsten Berufen des Landes. 18 dieser Posten sind zu vergeben – zwölf weniger, als es Vorstandsvorsitzende von Dax-Unternehmen gibt. Man sollte also annehmen, dass die Amtsinhaber an ihren Jobs hängen. Doch in Berlin entlarvt Markus Babbel diese Sichtweise gerade als Vorurteil.

Im August fragte Hertha-Manager Michael Preetz beim Übungsleiter an, ob er nicht seinen Vertrag verlängern möchte. Babbel war im Dezember 2009 beim VfB Stuttgart entlassen worden, ein halbes Jahr später bot der strauchelnde Traditionsverein ihm eine neue Chance. Die Kombination passte – Babbel und Hertha schafften den Wiederaufstieg. Es herrschte eine Win-Win-Situation in Berlin, und eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2012 hinaus schien nur logisch zu sein. Doch nun stehen beide Seiten als Verlierer da.

Denn Babbel sträubt sich aus mysteriösen Gründen. Erst behauptete er, er habe sich über die Zukunft noch keine Gedanken machen können, dann leugnete er die Notwendigkeit einer zeitnahen Entscheidung. Beides ist Unsinn. In Berlin hat sich die Diskussion längst verselbständigt, und es drängt sich der Eindruck auf, dass Babbel ein falsches Spiel spielt.

Pfiffe von den Fans

Beim 1:2 gegen Schalke 04 am Freitag pfiffen die Fans den Trainer aus. Er hatte sich schon im August unbeliebt gemacht, als er behauptete, der Berliner an sich neige zum Größenwahn. Dann wurde über seine zahlreichen Heimflüge zur Familie nach München diskutiert. Bei der Jahreshauptversammlung Ende November schwieg er.

Nun hat seine Verweigerung, ein Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber abzugeben, die Anhänger endgültig gegen ihn aufgebracht. Dass der Aufsteiger (noch) im gesicherten Tabellenmittelfeld steht und im DFB-Pokal vertreten ist, ist nur noch eine Randnotiz wert. Schuld daran sind allerdings nicht die von Babbel verachteten Berliner Zeitungen. Sondern er selbst.

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