EM in der Ukraine

Hotels voll – DFB-Fans müssen in Zelten schlafen

Die Fans der Nationalelf müssen sich bei der EM 2012 auf Camping-Urlaub einstellen. Denn im deutschen Spielort Charkow gibt es keine freien Hotelbetten mehr.

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Isomatte statt Hotelbett, Industriegebiet statt Sonne, Strand und Meer: Die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft müssen sich wegen des Lospechs bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine auf ein massives Reisechaos und fehlende Hotels einstellen. „Wir suchen jetzt fieberhaft nach Möglichkeiten, wie unsere Fans nach Charkow kommen“, sagte Jürgen Eißmann vom Fanclub Nationalmannschaft der "Bild"-Zeitung.

Nachdem der Fanclub Nationalmannschaft sein großzügiges Lager ursprünglich ganz in der Nähe des deutschen EM-Quartiers im polnischen Danzig mit direktem Anschluss zum Strand aufschlagen wollte, muss nun umgeplant werden. Denn die Spiele gegen Portugal (9. Juni in Lwiw), die Niederlande (14. Juni in Charkow) und Dänemark (17. Juni in Lwiw) in der Hammergruppe B sind für die DFB-Fans auch aufgrund der weiterhin katastrophalen Straßenverhältnisse in der Ukraine unheimlich schwer zu erreichen.

Vor allem das zweite Spiel gegen EM-Mitfavorit Niederlande stellt die Reiseplaner derzeit noch vor große Probleme. Sechs Monate vor der Partie gegen den Erzrivalen sind die 40 Hotels rund um die 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Charkow bereits komplett ausgebucht. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) bietet in Abstimmung mit den EM-Co-Gastgeber Ukraine nun rund 17 Kilometer entfernt vom Stadion für 48 Euro auf einem riesigen Campingplatz insgesamt 300 Zelte an. Zwei Isomatten und Schlafsäcke sind inklusive. Dazu soll es einen 24-stündigen Sicherheitsdienst, Dixi-Klos, Plastik-Duschen und eine Snackbar geben.

Ein Camping-Urlaub bei der EM schmeckt aber nur den wenigsten Fans. Der DFB und sein Reisebüro Eurolloyd suchen deshalb derzeit intensiv nach möglichen Alternativen, da auch der Sicherheitsaspekt wegen der zu erwartenden Größe der Gruppen eine große Rolle spielen wird. Noch bevor man sich beim Verband aber Gedanken über die möglichen Übernachtungen machen kann, muss zunächst einmal geklärt werden, wie die Anhänger überhaupt in die Spielorte kommen.

Denn die direkten Flugverbindungen in die Ukraine von Deutschland aus sind sehr überschaubar. So gibt es bereits Fans, die über Dänemark und Polen anreisen und dann vor Beginn des Spiels ein sehr knappes Zeitfenster haben. Deshalb muss noch geklärt werden, wie viel Zeit beispielsweise die Grenzkontrollen an der polnisch-ukrainischen Grenze in Anspruch nehmen. Einige Anhänger haben schon Bedenken, ob sie dann überhaupt pünktlich am Stadion in Charkow sind.

Die Anreise betreffend wird den Fans wohl auch eine 900 Kilometer lange Busreise von Berlin nach Lwiw angeboten. Auch ein Fancamp in Deutschland, das als Anlaufstelle für die Anhänger gedacht ist und Übernachtungsmöglichkeiten bieten soll, in der Nähe des Flughafens Köln/Bonn ist im Gespräch. Ebenfalls diskutiert werden Charter-Flüge unmittelbar vor und nach den Spielen, sodass die Fans erst gar nicht in der Industriestadt Charkow bleiben müssen.

Doch nicht nur der Fanclub Nationalmannschaft sucht fieberhaft nach Lösungen für die DFB-Anhänger. Auch der für EM-Reisen lizenzierte Veranstalter Dertour arbeitet gerade unter Hochdruck an Reiserouten. Eine Sprecherin konnte aufgrund der Komplexität der Aufgabe allerdings noch keine genauen Angaben machen. Frühestens zu Beginn der kommenden Woche sollen die ersten Angebote rausgehen, denn nach Angaben der Unternehmenskommunikation ist „die Unterbringung der Fans bei dieser EURO eine Herkulesaufgabe."

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