"Auszeit"

Bärtige Rettungsschwimmer – langsam, aber praktisch

Haare im Gesicht sind zwar unpraktisch, können aber durchaus Vorteile haben, auch im Wasser. Ein Schwimmer könnte Leben retten, statt nur hinterher zu schwimmen.

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Der längste Bart der Welt maß 5,33 Meter. Der Farmer Hans H. Langseth, sein Träger, trat damit in den USA in Freakshows auf, bis er es leid war, dass die Leute an den Zotteln zupften. Langseth starb 1927. Ob er versehentlich draufgetreten und vornüber die Treppe hinuntergestürzt ist oder der Bart in einen Maishäcksler geriet, ist im „Guinness Buch der Rekorde“ nicht erwähnt.

Fakt ist: Hans H. Langseth hat sich in seinem 81-jährigen Leben einen Großteil der 3350 Stunden gespart, die ein deutscher Mann durchschnittlich fürs Rasieren verplempert, anstatt morgens ein paar Minuten länger im warmen Bett liegen zu bleiben.

"Ich bin Profischwimmer, halten Sie sich an meinem Bart fest!“

In Hamburg ermittelte eine Doktorandin zudem vor einigen Jahren, vor allem über 60 Jahre alte Bartträger seien davon überzeugt, starker Bartwuchs zeuge von großer Potenz. Aber deren These hat wohl einen so langen Bart wie die Annahme, Nashornpulver sorge für tierische Ausdauer im Bett. Nichtsdestotrotz wirken Bartträger auf andere sympathischer, gebildeter und attraktiver. Das zumindest fand eine Studentin der Uni Kiel in ihrer Diplomarbeit heraus.

Seit einiger Zeit lässt auch Steffen Deibler (24) seinen Bart wachsen, was auf den ersten Blick seltsam wirkt, weil er Schwimmer ist und dieses Wochenende bei den Europameisterschaften in Stettin startet. Da bremsen Kinnfransen doch nur? Deibler aber ist bequemer Realist: „Wenn ich sehe, wie weit weg ich von meinen Zeiten des Vorjahres bin, macht der Bart nur ein Minimum aus.“

Sollte der Erfolg langfristig ausbleiben, könnte Deibler ja immer noch Langseth nacheifern und in ein paar Jahren Ertrinkenden helfen: „Ich bin Profischwimmer, halten Sie sich an meinem Bart fest!“