Hertha BSC

Die Zeichen stehen bei Babbel auf Abschied

Bei Hertha BSC rumort es. Trainer Babbel fordert prominente Neuzugänge, Preetz lehnt dies ab. Schon in der Winterpause könnte Babbel Berlin verlassen.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty

Anderthalb Jahren dauert die Erfolgsgeschichte nun schon, doch wie es aussieht, wird sie noch vor Weihnachten ein jähes Ende finden: Die Rede ist von Trainer Markus Babbel (39) und Hertha BSC.

Nach einem rauschhaften Spieljahr mit 23 Saisonsiegen, der Zweitliga-Meisterschaft, dem sofortigen Wiederaufstieg und einer respektablen Hinrunde in der Bundesliga sind die Gemeinsamkeiten aufgebraucht. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass die Berliner mit einem neuen Trainer in die Rückrunde gehen werden. Manager Michael Preetz fahndet längst nach dem Babbel-Nachfolger.

Vordergründig geht es in Berlin um die Frage, ob der Trainer seinen im Juni 2012 auslaufenden Vertrag verlängert . Seit August hat sich Hertha hinter den Kulissen um Babbel bemüht, seit Anfang November hat Manager Preetz auch öffentlich um seinen leitenden Angestellten geworben.

Freunde Babbel und Heynckes

„Der Weg, den wir gemeinsam mit Markus Babbel begonnen haben, ist noch lange nicht zu Ende. Hertha wünscht sich Kontinuität auf der Trainerposition.“ Aber der Umworbene ziert sich. Seit fünf Wochen, so Babbel, habe er keine Zeit, sich mit dieser Frage zu befassen. Mittlerweile hat Preetz dem Trainer eine Frist gesetzt: „Zum Rückrundenstart haben wir so oder so eine Entscheidung.“

Warum Babbel zögert, scheint eine Schlagzeile des „Berliner Kurier“ zu erklären. Der vermeldet, Herthas Trainer werde im Verbund mit Jupp Heynckes neuer Cheftrainer des FC Bayern München. Die Geschichte dahinter geht so: Angeblich, dieses Wort gilt es für den kommenden Absatz mitzudenken, müsse Heynckes (66) bei den Bayern aus privaten Gründen eine Pause einlegen.

Er werde zurückkommen, es lasse sich aber nicht exakt sagen, wann. Babbel, der nominell Chef werden soll, werde die Geschäfte führen. Die tollkühne Konstruktion werde mit diesen Akteuren deshalb funktionieren, weil sie sich kennen und schätzen, seit Heynckes 1991 den damaligen Teenager Babbel in die Bundesliga gebracht hat.

Dementi von Hörwick

Zudem sei der ein gebürtiger Münchener und hatte in einem Interview mit Morgenpost Online im Sommer gesagt, dass er wahnsinnig gern bei Bayern arbeiten würde .

Ob das wahr ist oder das Dementi von Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der "tz" ("Totaler Blödsinn. Sie können sicher sein, dass wir den Jupp Heynckes nicht zum Frühstücksdirektor machen werden. Er wird entweder bis 2013 oder 2014 bei uns bleiben - aber nur als Trainer, als nichts anderes.“) – schwer einzuschätzen.

Unabhängig davon lässt Babbel in Berlin keine Gelegenheit verstreichen, darauf hinzuweisen, dass es sehr schwierig sei, in der Hauptstadt zu arbeiten. So erstaunte der Trainer nach dem 1:1 in Kaiserlautern mit einer Generalkritik, in der Stadt werde die Leistung der Mannschaft nicht gewürdigt. Babbel erklärte: „Das ärgert mich. Das geht mir auf den Keks. Das ist ungerecht.“

Erstaunlich nur, dass die messbaren Faktoren das Gegenteil ausweisen: Hertha hat einen Mitgliederboom (28.500) und darf sich pro Heimspiel im Durchschnitt über 53.000 Besucher freuen – so viele wie noch nie. Zudem wurde das Fußballteam bei der Gala „Berliner Sportler des Jahres“ gerade als zweitbeste Mannschaft (nach den Füchsen Berlin) ausgezeichnet. Und: „Trainer des Jahres“ wurde Markus Babbel.

Auch die zweite Reihe im Trainerteam streut Kritisches: Die Altersstruktur in der Mannschaft sei so, dass keine Steigerung mehr zu erwarten sei, dass Hertha nur zwei überzeugende Siege geliefert habe (2:1 in Dortmund, 3:0 gegen Köln). Ansonsten hätte jedes Spiel beliebig gewonnen oder verloren werden können. Grund sei ein Mangel an Qualität. Pro Partie würden nur sieben oder acht Herthaner Bundesliganiveau erreichen. Unterton: Die derzeitige Platzierung als Neunter sei reiner Zufall.

Dazu passt eine Auseinandersetzung, die es dem Vernehmen nach bei Herthas Gastspiel in Freiburg zwischen Trainer und Manager gegeben hat. Demnach habe Babbel moniert, dass die Mannschaft vier Zugänge benötige. Preetz soll, dem Sinn nach, geantwortet haben: Markus, du bekommst, was du dir wünschst. Aber du weißt, wie es um unsere Finanzen bestellt ist.

Doch Babbel beharrte: Nein, er meine nicht irgendwelche Zugänge. Um konkurrenzfähig zu bleiben, benötige die Mannschaft vier Verstärkungen: zwei in der Abwehr, eine im Sturm, eine auf der rechten Seite im Mittelfeld.

Kein Geld für prominente Neuzugänge

Nun hat Hertha zum 30. Juni einen Schuldenstand von 34,7 Millionen Euro ausgewiesen – auf absehbare Zeit ist kein Geld für prominente Neue da. Die Trainervorstellungen sind für Hertha utopisch. Zudem hat Babbel, gemeinsam mit Preetz, seit Mai 2009 dieses Aufgebot mit seiner Altersstruktur exakt so zusammengestellt.

Intern im Klub lesen sie Babbels Kritikoffensive so, dass da jemand seinen Abgang vorbereitet. Nun lautet das oberste Hertha-Ziel: Mit Babbel die Winterpause erreichen – und dann Tacheles reden.

Preetz hat in der Abstiegssaison im Winter 2009 den Zeitpunkt verpasst, den damaligen Trainer Friedhelm Funkel zu entlassen, als vielleicht noch etwas möglich gewesen wäre. Aktuell ist die Situation anders, trotzdem wird Preetz diesen Fehler nicht wiederholen. Hinter den Kulissen befasst sich der Manager längst mit einem Nachfolger.

Ganz oben auf der Liste steht, wie zu hören ist, der Name von Franco Foda (45), derzeit beim Sturm Graz beschäftigt.

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