Golf

Tiger Woods beendet fast zweijährige Durststrecke

Tiger Woods hat nach zwei Jahren endlich wieder ein Turnier gewonnen. In Kalifornien holte der Superstar den insgesamt 95. Titel seiner Karriere.

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Über zwei Jahre hatte Tiger Woods auf dieses Gefühl gewartet. Exakt 749 Tage waren seit dem letzten Turniersieg des Golf-Superstars bei der Australian Masters im November 2009 vergangen, 749 Tage, in denen die Welt des ersten Sportmilliardärs der Geschichte völlig aus den Fugen geraten war.

Umso mehr dürfte Woods nach seinem Erfolg bei der World Challenge im kalifornischen Thousand Oaks dieses so vertraute Gefühl genossen haben - das Gefühl des sicheren Sieges. „Was auch immer es sein mag: es ist überwältigend“, sagte der 35-Jährige.

94-mal schon hatte Woods bis dato in seiner einmaligen Karriere ein Turnier gewonnen, darunter waren auch 14 Major-Titel. Dass Nummer 95 - sein insgesamt fünfter Triumph bei „seinem“ Turnier zugunsten der Woods-Stiftung - einen ganz besonderen Stellenwert haben dürfte, ließ das zufriedene Lächeln um seine Mundwinkel mehr als nur erahnen. „Wenn ich so weitermache, bin ich vielleicht bald ein Kandidat für das Comeback der Saison“, sagte Woods scherzhaft.

Zwei Birdies zum Schluss

Das herbeigesehnte Ende seiner sportlichen Durststrecke machte Woods auf den beiden letzten Bahnen des noblen Sherwood Country Clubs perfekt. Durch zwei Birdies fing er den bis dahin führenden Ex-Masters-Sieger Zach Johnson noch ab und siegte am Ende mit einem Schlag Vorsprung.

„Endlich haben die ganzen Fragen ein Ende: Du hast ein halbes Jahr nicht mehr gewonnen, dann ein ganzes, dann anderthalb, zwei Jahre - ich bin so oft darauf angesprochen worden. Umso besser fühlt es sich an, es endlich wieder getan zu haben“, sagte Woods nach der Siegerehrung: „Alleine für dieses Gefühl und für nichts anderes spiele ich: um zu gewinnen.“

Wenigstens darin ist Woods sich treu geblieben, wo sich doch ansonsten praktisch alles um ihn herum geändert hat. Seine Ehe? Seit dem Sommer geschieden. Sein einst so strahlendes Image? Angekratzt. Sein Schwung-Trainer? Ausgetauscht. Sein Caddie? Kürzlich gefeuert.

Alles neu also, doch in Thousands Oaks hörte sich Woods schon fast wieder an wie der alte „Tiger“: „Ich musste erst wieder meine Stärken entdecken, wieder so explosiv werden, dass ich vernünftig trainieren konnte. Und durch das immer bessere Training habe mich dann auch von Turnier zu Turnier verbessert. Wenn ich an 2012 denke, bin ich sehr optimistisch. Ich freue mich darauf, wieder eine komplette Saison zu spielen, und möchte nächstes Jahr bei den vier Major-Turnieren in Topform sein.“

Seine Konkurrenten gratulierten dem langjährigen Branchenprimus, der 2010 an gleicher Stelle den Sieg erst im Stechen gegen Graeme McDowell (Nordirland) verpasst hatte, aufrichtig zum Comeback. „Tiger kann noch eine lange Karriere haben. Wenn wir in vielleicht zehn Jahren zurückschauen, werden wir die beiden vergangenen Jahre wohl längst vergessen haben“, sagte der in Thousand Oaks drittplatzierte Engländer Paul Casey.

In der neuen Weltrangliste verbesserte sich die jahrelange Nummer eins am Montag schon mal von Platz 52 auf 21. Die Rückkehr in die absolute Weltspitze nimmt Woods nach einer nun folgenden Pause ab Ende Januar in Angriff - bei seinem Saisondebüt im Rahmen des Europa-Tour-Turniers in Abu Dhabi.