Ski alpin

Maria Höfl-Riesch gegen Lindsey Vonn chancenlos

Abfahrtspodest verpasst, Freundschaft gerettet: Privat haben Höfl-Riesch und Vonn wieder zueinander gefunden, auf der Piste raste der US-Star davon.

Viktoria Rebensburg fehlte nur ein Wimpernschlag für ihr erstes Abfahrtspodest, von Speed-Dominatorin Lindsey Vonn trennten sie und auch Maria Höfl-Riesch Welten. Ohne die angestrebte Podestplatzierung und mit Riesenrückstand auf ihre wiedergewonnene Ski-Freundin blieb Gesamtweltcupsiegerin Höfl-Riesch nach den zwei Schussfahrten von Lake Louise nur die neidlose Gratulation an die Amerikanerin. „Herzlichen Glückwunsch, Hut ab“, sagte 27-Jährige nach ihren Plätzen neun und sechs in Kanada. „Sie ist einfach in einer Topform, sie fährt perfekt darunter.“

Obwohl sie nicht an ihre beiden Vorjahreserfolge anknüpfen konnte, zeigte sich die Doppel-Olympiasiegerin mit der eigenen Leistung nicht unzufrieden: „Es ist jetzt okay, aber nicht supertoll.“ In die Rolle der besten deutschen Abfahrerin schlüpfte an ihrer Stelle Rebensburg

- und schrammte nur hauchdünn am Premierenpodium in dieser Disziplin vorbei. Trotz der Mini-Rückstände von 4/100 und 1/100 Sekunden grämte sich die Riesenslalom-Olympiasiegerin nicht lange. „Es ist superschön, dass es auch in der Abfahrt funktioniert“, meinte die zweimalige Vierte Rebensburg, „ich versuche aber auf dem Boden zu bleiben, es kommen noch andere Abfahrten.“

Dank dreier Top-20-Platzierungen, guter Trainingsleistungen und mehr Startplätzen für die Europa-Rennen zogen auch die Herren in Beaver Creek zum Ende ihrer Nordamerika-Speedrennen ein versöhnliches Fazit. Auch wenn die Ansprüche im kleinen Team inzwischen gestiegen sind. „Es ist okay, wir können damit leben“, sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier vor den abschließenden Technikweltcups in den USA. „Aber eigentlich hatten wir uns etwas mehr erwartet. Es ist kein Riesen-Ergebnis.“ Beim überraschenden Super-G-Erfolg des Schweizers Sandro Viletta – einen Tag nach Bode Millers (USA) Abfahrtscoup - schaffte Stephan Keppler als 15. die beste deutsche Herrenplatzierung des Winters.

Während der Schweizer seinen ersten Weltcup-Sieg feierte, schraubte Vonn ihre Bilanz auf 44 Erfolge hoch. So überlegen war die Amerikanerin allerdings selten zuvor – um 1,95 und 1,68 Sekunden distanzierte sie auf ihren Männer-Ski die staunende Konkurrenz. „Bei so einem Vorsprung braucht man nach kleinen Dingen, die man besser hätte machen können, nicht mehr suchen. Das sind Welten“, lobte Höfl-Riesch, „niemand beherrscht es so wie sie, mit diesen langen Latten solche Zeiten zu fahren.“

Sportlich blieb der Partenkirchenerin die Erfüllung in der Abfahrt zwar verwehrt, aber zumindest abseits der Piste durfte sich Höfl-Riesch über die Versöhnung mit ihrer Dauerrivalin freuen. Den seit vergangenem Winter öffentlich ausgetragenen Streit haben die beiden Nun-Wieder-Freundinnen nach der angekündigten Scheidung Vonns von ihrem Ehemann Thomas ausgeräumt. „Wir haben gesagt: endgültig Strich drunter, Start over again“, berichtete Höfl-Riesch.

Einen Neustart benötigt das Herrenteam nicht. Im italienischen Gröden darf der Deutsche Skiverband Mitte Dezember dank der guten Übersee-Resultate in der Abfahrt (4) und Super-G (3) jeweils einen Athleten mehr ins Rennen schicken.

„Das bringt uns deutlich weiter, interne Qualifikationen sind immer unschön“, sagte Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel. Die Hoffnungen in der Abfahrt erfüllten sich für ihn allerdings nicht. Als einziger Deutscher kam Tobias Stechert auf Rang 25 beim Erfolg des Lokalmatadors Miller in die Punkte. Dennoch ist für Waibel sicher: „Die Tendenz ist insgesamt deutlich aufsteigend.“