DFB

Die verkannten Leistungen des Theo Zwanziger

Nach dem angekündigten Rücktritt wird Zwanziger vorgeworfen, den DFB mit seinen Baustellen alleinzulassen. Tatsächlich steht der Verband aber gut da.

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Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, macht Schluss. Spätestens 2013, lieber noch ein Jahr früher. So wird endgültig, was bislang eher als Drohkulisse diente. Schon 2008, als ein Blogger den 66-Jährigen als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hatte und Zwanziger vergeblich durch alle Instanzen klagte, hatte er die Möglichkeit eines Rücktritts in den Raum gestellt. Jetzt aber scheint die Entscheidung endgültig.

Es gebe für ihn keine echten Herausforderungen mehr, sagt Zwanziger. Mehr noch war es aber das mediale Dauerfeuer, das Deutschlands obersten Fußballfunktionär zermürbt hat. Kein anderer DFB-Präsident vor ihm hatte je so viele Krisen zu bewältigen wie er – und keiner wurde dafür derart gescholten: Da waren der Wettskandal um Robert Hoyzer , der Suizid Robert Enkes , das Vertrags-Hickhack mit Joachim Löw und etliche Affären im Schiedsrichterwesen, die bis heute nachwirken.

Der DFB-Boss, eigentlich als Krisenlöser auserkoren, wurde in all den Szenarien anscheinend selbst zum Problemfall. „König ohne Volk“ und „Problem-Präsident“ wurde er genannt. Mit jener Wonne, mit der sich Zwanziger stets in die Öffentlichkeit stürzte und dort um die Meinungshoheit rangelte, arbeiteten sich die Kommentatoren am ungeduldigen und mitunter eitlen Oberfunktionär ab. Der verlor zunehmend die Kontrolle über die Diskussion.

Zwanziger hat die meisten Probleme in den Griff bekommen

Objektiv geht es dabei schon lange nicht mehr zu. Nach seinem angekündigten Rücktritt wird Zwanziger fast schon reflexhaft vorgeworfen, zu fliehen und den DFB mit seinen Baustellen alleinzulassen. Dass er noch zehn Monate im Amt bleibt und seinem Nachfolger eben nicht die Amtsgeschäfte vor die Füße wirft, wird ausgeblendet. Wie klagte Bundestrainer Berti Vogts einst: „Wenn ich übers Wasser laufen könnte, würden meine Kritiker sagen: Nicht mal schwimmen kann er.“

Dabei hat Zwanziger die meisten der teilweise hausgemachten Probleme früher oder später in den Griff bekommen – wenn auch oft ohne kommunikative Eleganz. De facto aber steht der DFB glänzend da. Sportlich sah es nie besser aus im Land des dreimaligen Weltmeisters. Finanziell strotzt der Fußball-Bund vor Gesundheit.

Was aber vor allem gelang unter Theo Zwanziger: Der Fußball ist zu einer Größe in gesamtgesellschaftlichen Fragen wie Integration oder Gleichberechtigung geworden. So wird Zwanziger als verkannter Präsident in die Geschichte eingehen. Als jemand, der sich mit so viel Wonne in die kleinen Scharmützel des Alltags stürzte, dass das große Bild von ihm verschwamm. Ein bisschen mehr Gelassenheit à la Beckenbauer hätte ihm sicherlich geholfen.