Action-Legende

Wie Bud Spencer ein Schwaben-Idol wurde

Warum Schwäbisch Gmünd dem italienischen Filmstar und früheren Redkord-Schwimmer Bud Spencer ein Denkmal setzt und ein Freibad nach ihm benennt.

Der Anlass für die folgende Geschichte ist ein halbes Jahrhundert alt. Den Staub und den Schimmel haben wir vom Stuttgarter „Sportbericht“ vom 9. Juli 1951 erst herunterklopfen müssen, aber jetzt wissen wir, was damals beim Schwimmländerkampf Deutschland gegen Italien im Freibad am Schießtalsee in Schwäbisch Gmünd los war.

Die Post ist abgegangen, mit Musik. 5000 Zuschauer waren da, darunter der Sonderberichterstatter Hans Saile – und der klimperte virtuos auf der Klaviatur seiner Nachkriegsschreibmaschine: „Bei drückender Hitze begannen die Kämpfe. Als die Männer sich zum 100 Meter Kraul fertig machten, hatte die Spannung auf den Rängen ihren Höhepunkt erreicht. Erwartungsvoll blickte die sommerlich, luftig gekleidete Publikumsschar in das Bassin, wo das glasklare, grünlich leuchtende Wasser im Feuer der Sonnenstrahlen smaragden funkelte und auf dessen Oberfläche rote Korkseile die Bahnen abtrennten. Wenig später löschten harte Kämpfe dieses Idyll aus. Stimmkräftig wurden die Deutschen unterstützt, aber der Italiener Pedersoli schwamm die 100 Meter Kraul souverän nach Hause.“

Im Kino ein echter Haudruff

Carlo Pedersoli. Er war vielmaliger Landesmeister Italiens und brachte es 1952 und 1956 zum Olympiaschwimmer. Aber den müssen wir nicht kennen – es genügt vollkommen, wenn wir ihn als Haudruff aus dem Kino und unter seinem Zweitnamen kennen.

Am Freitag schließt sich der Kreis, der alte Krauler kehrt heim, diesmal als Bud Spencer. Als 82-jähriger Rentner kommt er auf vielfachen Wunsch und aufgrund einer drängenden Internetoffensive seiner Facebook-Fanklubs wieder nach Gmünd, gibt ein Autogramm ins Goldene Buch der Stadt, eine Signierstunde zugunsten seiner Lebenserinnerungen („Mein Leben, meine Filme“) – aber vor allem d em neuen Namen des Schießtal-Freibads seinen Segen: Bad Spencer.

Ganz Gmünd freut sich auf Bud – aber ist es auch wirklich Bud, der da kommt? Oder schickt er Ron?

Sportsfreund B. weiß, wovon er redet, seit er mit Bud Spencer einmal ein paar lustige Tage hat totschlagen dürfen, in Santa Fe, mitten in der Wüste. Genau gesagt war es am Hintern der Welt, Albuquerque genannt („Was zum Teufel wollen Sie in Albuquerque?“ fragte der Officer am Einreiseschalter). B. bog auf Höhe des Staatsgefängnisses von New Mexico ab, umkurvte danach haufenweise Kakteen und stand irgendwann in den Kulissen einer künstlichen Westernstadt.

„The Troublemakers“ hieß die Cowboykomödie, die sie dort drehten, und der andere Unruhestifter war, Sie haben es längst erraten, Terence Hill – mit dem hatte Bud Spencer zuvor schon „Vier Fäuste für ein Halleluja“ oder „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ sowie ungefähr weitere 86 Spaghetti-Western gedreht. „Action!“ befahl die Regie, und Himmelhund Bud schritt zur Tat: Grußlos gab er einem tolpatschigen Cowboy eins auf die Nuss, und der Trottel flog durch die Luft.

Die Sonne sengte den Speck von der Schwarte

Teuflisch heiß war es an dem Tag, und nach der fünften Tracht Prügel stand Bud in der Prärie wie ausgetrocknet. Die Sonne brannte ihm auf den Schädel und sengte ihm den Speck von der Schwarte, er ließ die Schlappohren hängen, und aus seinem erschöpften Gesicht kam ein Hilferuf. „Ron!“, schrie Bud.

Ron Russell flog herbei. Er trug die gleichen Klamotten wie Bud, war so dick wie Bud und schaute aus wie Bud. Immer wenn Bud müde wurde, stand sein Stuntman Ron für ihn in der Sonne – und Bud war sehr müde. Der Koloss schob sich einen Schemel unter seine drei Zentner, sank schnaufend nieder und zündete sich eine Zigarette an. „Mit dem Sex“, verriet er, „lässt es nach, also habe ich mir gesagt: Es ist Zeit, wieder zu rauchen.“

Ein paar Meter weiter prügelte Terence Hill ein paar Schlappschwänze in den Sand, und die Kulissenbauer nagelten mit Watte den Schnee auf die Dächer, denn der Film spielte im Winter. In Wahrheit war es aber brühwarmer Sommer, und die Sanitäter umschwärmten Bud Spencer mit Sonnenmilch, Aspirin und Eisbeutel, denn es drohte ein Sonnenstich. Bevor er wieder zuschlagen konnte, schminkten sie ihn, sprayten ihm die Frisur steif, schwer stieg er von seinem Stuhl, Faust hoch, Hieb aufs Hirn – und schon schwankte er mit Schuhgröße 48 wieder zurück zum Schemel, mit dem dazugehörigen Hilfeschrei: „Ron!“

Und Ron („Bud ist der Boss“) stellte sich wieder aufopferungsvoll in die Sonne für ihn. Ron war Hitze gewöhnt, er kam aus Miami. „Dort“, sagte er, „fragen mich oft deutsche Touristen: ‚Sind Sie Bud Spencer?’“

Carlo Pedersoli hätte Ron auch schon beim Länderkampf 1951 in Gmünd als Double benötigt, und zwar am zweiten Tag. Es war ein Tag wie in Santa Fe, der Wettergott war gnadenlos. „In den Morgenstunden“, lesen wir im „Sportbericht“ durch die Staubwolke, „schickte er eine schier unerträgliche Hitze.“

Was hat ihn schlapp gemacht?

Dass Pedersoli in der Lagenstaffel schwächelte, lag jedenfalls nicht nur daran, dass sein Gegner der Weltrekordhalter war. Saile schreibt: „Als zweiter Schwimmer ging Herbert Klein auf die Strecke, gefolgt von dem gesundheitlich indisponierten Pedersoli ... auf der letzten Bahn musste der Italiener den großartig schwimmenden Münchner mit mehr als 10 m Vorsprung davonziehen lassen.“ Warum war Pedersoli indisponiert? Was hat ihn schlapp gemacht? Ist tatsächlich was dran an den Gerüchten, dass der feurige Italiener an jenem heißen Juli-Wochenende ’51 durch ein Gmünder Bäckermädchen abgelenkt – vielleicht sogar außer Form gebracht – war?

Die Frage muss am Freitag geklärt werden, bevor das Schießtalbad umgetauft wird. Und falls Bud Spencer keine Antwort weiß, ist eines klar: Er ist es gar nicht, er hat Ron geschickt – und sitzt daheim in Rom faul auf seinem Schemel.