Fussball-Bundesliga

Pizarro, Allofs und offene Fragen bei Werder Bremen

Die Verletzung von Claudio Pizarro bleibt weiter rätselhaft. Derweil wollen die Bremer mit Sportdirektor Klaus Allofs verlängern, aber der ziert sich noch.

Foto: AFP

Zumindest körperlich war der Star anwesend. Obwohl der verletzte Claudio Pizarro bei Werder Bremens 2:0 (0:0) über den VfB Stuttgart am vergangenen Sonntag nicht auflaufen konnte, fieberte der peruanische Nationalstürmer in der Vip-Loge des Weserstadions mit.

In den Tagen zuvor hatte es Verwirrung um Pizarro gegeben: Der Spieler und sein Trainer Thomas Schaaf widersprachen sich öffentlich und nahezu täglich bei der genauen Diagnose einer Verletzung. Bei Schaaf war es eine Bänderzerrung im rechten Knie, an der der 33-Jährige laborierte, Pizarro sprach stets von einem Bändereinriss. Gerissen ist nach neuestem Stand wohl nichts, doch es ist weiter unklar, wie lange der Südamerikaner ausfällt.

Es war das erste Mal, dass eine Disharmonie zwischen dem Peruaner und seinem Vorgesetzten Schaaf auftrat. Das Verhältnis der beiden war immer ausgezeichnet, aber jetzt zeigten sich Risse. Vor einer Woche hatte Pizarro sichtlich geknickt betont, dass er bis zu vier Wochen ausfalle und so in der Hinrunde nicht mehr spielen könne.

Es geht auch ohne Pizarro

Schaaf konterte und ging demonstrativ davon aus, dass ein Einsatz seines Stürmers gegen Stuttgart durchaus möglich sei. Der sonst stets gut gelaunte Angreifer reagierte genervt, schüttelte den Kopf und äußerte, „dass ich dazu nichts mehr sage“.

Einen Tag später wiederholte er seine Einschätzung der Verletzung, und auch Schaaf blieb bei seiner Diagnose. Einen Tag vor dem Anpfiff musste der Trainer allerdings zugeben, dass der Stürmer definitiv nicht spielen wird.

Unstrittig ist hingegen, dass Werder Bremen auch ohne Pizarro gewinnen kann, der zuvor an 15 von 23 Treffern der Norddeutschen beteiligt war. „Wenn wir einen Kader hätten, der nicht ohne Claudio spielen könnte, wäre er falsch zusammengestellt“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs.

Gegen Stuttgart trafen Mittelfeldmann Aaron Hunt (57.) sowie Innenverteidiger Naldo (67.); sie schossen die Hanseaten nach einer überzeugenden Partie wieder auf einen Champions-League-Platz (4.). Weil Werder zuvor in Mönchengladbach vorgeführt worden war und gegen die auswärts bislang stabilen Schwaben auf Pizarro verzichten musste, wurde an der Weser befürchtet, nun ins Mittelfeld der Liga durchgereicht zu werden.

Stattdessen kommt es am Samstag zu einem Spitzenspiel, wenn Werder als Tabellenvierter beim FC Bayern München antritt, der einen Rang sowie zwei Punkte vor den Bremern liegt. Naldo verlieh dem wiedergefundene Selbstbewusstsein der Hanseaten eine Stimme: „Wir wollen dort gewinnen.“ Und Klaus Allofs bemerkte, „dass wir uns vor niemandem fürchten“.

Um den Manager gab es jedoch erneut Gesprächsstoff . Weil der Vertrag des 54-Jährigen am Saisonende ausläuft, verhandelt er mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke seit Mitte Oktober über einen neuen Kontrakt. Allofs unterschrieb jedoch bislang nicht, weil er insbesondere mit seiner Vergütung in spe nicht einverstanden ist.

Allofs ungehalten

Am Sonntag kündigte nun Präsident und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer an, dass Allofs zeitnah verlängere. „Ich bin sehr optimistisch und gehe davon aus, dass das in den nächsten Tagen über die Bühne geht.“

Konfrontiert mit der Aussage Fischers, der nicht im Aufsichtsrat sitzt, reagierte Allofs ungehalten: „Dazu sage ich nichts. Ich gebe keine Wasserstandsmeldungen ab, das ist so abgesprochen. Es wundert mich, dass es von anderer Seite gemacht wird. Fischer ist bei den Vertragsgesprächen nicht dabei. Er ist keine der handelnden Personen.“

Schnelle Einigung fraglich

Das bislang letzte Treffen zwischen Lemke und Allofs fand am vergangenen Freitag statt, und dort soll Allofs dem Aufsichtsrat sein Angebot für eine Vertragsunterzeichnung vorgelegt haben. Es gab eine Vertagung, weil sich das sechsköpfige Gremium nun mit den Forderungen des Managers auseinandersetzen muss.

Ob es schnell zu einer Einigung kommt, scheint allerdings fraglich, denn beide Parteien sollen mit ihren Vorstellungen immer noch auseinanderliegen. Doch die leidige Diskussion um Allofs neuen Kontrakt wird sich entspannter führen lassen, nachdem die Bremer wieder in die Erfolgsspur gefunden haben.