"Auszeit"

Pleiten, Pech und Pannen im Leistungssport

Den Genialsten unterlaufen oft die lächerlichsten Missgeschicke. Grandioses Versagen gehört zum Sport – wie die deutschen Turner bei der WM beweisen.

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Nichts wäre der Sport ohne banales Versagen: Jens Lehmann, Deutschlands Schlussmann, flutschte mancher Kullerball durch die Hände, den jeder Freizeittorwart ohne Mühe mit der Mütze gehalten hätte. Altmeister Otto Rehhagel beging den Patzer seines Lebens, als er den falschen Mann einwechselte. Oder der amerikanische Sportschütze, der bei den Olympischen Spielen mit allen Schüssen ins Schwarze traf, leider auf die falsche Scheibe. Jürgen Hingsens nervöses Zucken im falschen Moment ist bis heute ein Rätsel geblieben. Der Muskelmann blieb vor allem mit seinen drei 100-m-Fehlstarts beim olympischen Zehnkampf von Seoul 1988 im Gedächtnis.

Die deutschen Turner belegen bei den Weltmeisterschaften mit ihren Sturzeinlagen am Seitpferd, beim Sprung und am Barren auf einen Schlag die vorderen Plätze einer Liste der gröbsten Blackouts. Gestern im Mehrkampf touchierte Elisabeth Seitz bei einer Flugeinlage den Stufenbarren mit der Stirn. „Seitz mit Brummschädel“, notierte der Sportinformationsdienst trocken.

Zusammenhang zwischen Versagen und Genialität

Das Rad der Geschichte lässt sich auch in der Turnhalle nicht zurückdrehen. Aber die tapfere Seitz, die ihre Übung zu Ende turnte und Zehnte wurde, mag sich an Lehmann und Hingsen aufrichten. Sie zeigen, dass gerade die genialsten Torhüter und besten Athleten die lächerlichsten Fehler begehen, als ob es einen abgründigen Zusammenhang zwischen Versagen und Genialität gibt.

Sowohl für den Tormann als auch für Zehnkämpfer ging die Geschichte glimpflich aus. Der eine wurde noch WM-Dritter. Der andere erreichte vor Jahren bei der RTL-Show „Let's dance“ mit seiner Tanzpartnerin Platz fünf.