Van Marwijk

Bayern kennt die Rolle als Opfer der Attacke nicht

Seit Jahren attackieren die Bayern Klubs und Personen im deutschen Fußball unwidersprochen. Bert van Marwijk hielt sich nicht an dieses ungeschriebene Gesetz.

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Die Bayern haben alle Gründe indigniert zu sein. Als „beinahe asozial“, wie sie es sich jetzt von Bondscoach Bert van Marwijk anhören mussten , lässt sich niemand gern beschimpfen, und wo immer auch die Wahrheit liegt im Streit um Arjen Robben: Das Wort ist nicht angebracht.

Womit wir allerdings wieder bei den Bayern wären, denn markige Sprüche sind ja eigentlich ihre Disziplin. Ob der vergebens umworbene Spieler Arturo Vidal nun „kein Rückgrat“ hat (Hoeneß) oder man „ihn nicht beim FC Bayern haben will“ (Rummenigge), ob man die französische Staatsanwaltschaft „dermaßen lächerlich“ findet, weil sie gegen Franck Ribéry ermittelt, oder die Münchner Justiz „unmenschlich“ und „unvorstellbar“, weil sie Breno festhält. Oder ob man ehemaligen Angestellten wie Klinsmann und Louis van Gaal mal wieder ein bisschen Dreck hinterher wirft – der FC Bayern trampelt durch die Welt.

Im deutschen Fußball tut er das in der Regel unwidersprochen. Da hat man sich dem Recht des Stärkeren unterworfen. Auch dort staut sich Frust an, aber er wird lieber nicht nach außen getragen – anders als jetzt bei van Marwijk. Der sagt, er habe hat sich dermaßen „kaputt“ geärgert über die Bayern, dass er es sogar akzeptieren würde, sollten ihm seine Tiraden den Job kosten.

Das muss man nicht glauben, und wie so oft bei den Münchnern dürfte auch sein Ausbruch einem Kalkül folgen. Doch für die Bayern bewahrheitet sich momentan ein altes Sprichwort: So wie sie in den Wald hinein rufen, so schallt es jetzt auch einmal heraus. Wer weiß, vielleicht führt die ungewohnte Erfahrung künftig auch bei ihnen zu einer gewissen verbalen Abrüstung. Es würde ihrem großen Klub noch mehr Klasse verleihen.