Hamburger SV

Arnesens Schachzug mit Fink scheint aufzugehen

Das Interesse der HSV-Klubführung stößt beim 43-jährigen Fink auf Gegenliebe. Am Donnerstag soll mit Basels Präsidium der Abschiedsplan erörtert werden.

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Thorsten Fink spielte im Poker um seine Person die Karte der Ehrlichkeit aus. Er bekannte am Dienstag, liebend gern der neue Trainer des Hamburger SV werden zu wollen. Das Bekenntnis zum aktuellen Arbeitgeber klang dabei wie ein verklausulierter Abschiedsbrief.

Er gehe „zum jetzigen Zeitpunkt“ davon aus, dass er seinen bis zum Sommer 2013 laufenden Vertrag beim Schweizer Erstligaklub FC Basel erfüllen werde. Was aber in den nächsten Tagen passiere, das wisse er nicht, Fußball sei „ein schnelllebiges Geschäft“. Und er wolle nicht irgendwann „als Lügner dastehen“.

Nie hat Fink einen Hehl daraus gemacht, dass ein Trainerjob in der Bundesliga sein großer Traum ist. Weil der HSV seit der Entlassung von Michael Oenning am 19. September den Posten ausgeschrieben hat, scheinen sich beide Parteien gesucht und gefunden zu haben.

Der 43 Jahre alte Fink soll sich am Mittwoch mit HSV-Sportdirektor Frank Arnesen in Frankfurt zu Verhandlungen getroffen und die Chemie zwischen beiden gestimmt haben. Fink informierte dann seinen Verein über das Gespräch.

Die Schweizer Zeitung „Blick“ will zwar erfahren haben, dass sich Fink danach in Absprache mit seinem Klub gegen einen sofortigen Wechsel entschieden habe. Der FC Basel ließ verlauten: „Die Absage ist erfolgt.“

Weil sich am Montag aber nun HSV-Sportchef Arnesen auch noch zum Interimstrainer befördert hatte, war ein wichtiges Signal an den Wunschkandidaten gesendet worden: Wir werden auf dich warten. Postwendend ließ Fink durchblicken, dass der Tabellenletzte der Bundesliga für ihn eine Topadresse sei.

Basel am Dienstag gegen Benfica

Die Frage ist nur noch, wie schnell Fink von den Schweizern freigegeben wird. „Es gehören drei Parteien zu einer Einigung. Und der FC Basel hat abgelehnt. Ich gehe davon aus, dass sich das Interesse aus Hamburg damit aber nicht erledigt hat. Doch Thorsten konzentriert sich hundert Prozent auf seine Arbeit in Basel. Immerhin ist nächste Woche wieder Champions League“, sagte Finks Berater Thomas Kroth.

Es ist jedoch absehbar, was spätestens nach dem Spiel der Baseler am Dienstag gegen Benfica Lissabon kommt. Bereits diesen Donnerstag soll nach der Rückkehr des Vizepräsidenten Bernhard Heusler der Abschiedsplan erörtert werden. Gegen eine entsprechende Ablösesumme wird Fink wohl gehen können. Der HSV hat einen entsprechenden Posten schon bereitgestellt, dem Schweizer Klub soll etwa eine halbe Million Euro vorschweben.

In jedem Fall hat Finks Schwärmerei für den HSV eher seinen Abschied aus der Schweiz beschleunigt, als seinem Verbleib in Basel gut getan. Die Hamburger wollen den Vorstoß des Wunschkandidaten zwar nicht als gemeinsame Strategie gewertet wissen. Ungelegen aber kam er ihnen auch nicht.

Ein Exempel statuieren?

Ein Klub kann an einem wechselwilligen Spieler ein Exempel statuieren und ihn zum Bleiben verdonnern. Bei einem abwanderungswilligen Trainer aber wäre das weitaus schwieriger. Das wissen sie beim HSV, Fink ebenso und das wird alsbald auch Basel zu spüren bekommen.

Fink hat zwar keine Ausstiegsklausel. Es soll aber ein Gentleman’s Agreement zwischen ihm und der Führung des FC Basel geben, wonach er bei einer Offerte aus der Bundesliga vorzeitig den Dienst quittieren könnte. Jetzt muss sich zeigen, dass ein solches Wort in der Schweiz auch zählt – sonst könnte es wieder einmal peinlich enden für den HSV.

Fink hatte 2009 beim FC Basel angeheuert. Im ersten Jahr gewann er gleich die Meisterschaft und triumphierte im Pokal. In der vergangenen Saison wurde sein Team erneut Meister. Finks Punkteschnitt nach 120 Spielen beträgt 2,08 Zähler, erst ein Mal hat seine Mannschaft in der Zeit 0:0 gespielt. Aktuell führt sie die Gruppe in der Champions League vor Benfica Lissabon und Manchester United an.

„Von der Papierform her ist er der richtige Trainer für uns“, sagt Ralf Bednarek, Vorsitzender der HSV-Fanvertretung Supporters (rund 63.000 Mitglieder). Bednarek ist Anwalt und mit Blick auf die Verpflichtung von Fink sagt er, dass der FC Basel ihn arbeitsrechtlich nicht „auf Teufel komm raus halten kann“. Seiner Meinung nach wird die Lösung mit Arnesen als Übergangstrainer von den Fans mitgetragen, weil es „eine kreative Lösung ist, um der starren Haltung der Deutschen Fußball Liga etwas entgegen setzen können“.

Die DFL hatte HSV-Amateurtrainer Rodolfo Esteban Cardoso, der nicht die nötige Lizenz hat , nur eine Übergangsgenehmigung bis vergangenen Montag erteilt. Arnesen hat das erforderliche Papier seit 2002. Nur das Passfoto in dem Dokument, sagt er, sei „etwas peinlich, weil es uralt ist“. Seine letzten Erfahrungen mit praktischer Trainingsarbeit liegen lange zurück – von 1991 bis 1994 war er Co-Trainer beim PSV Eindhoven.

Schachzug stößt auf Gegenliebe

Aber beim HSV können sie Arnesens Schachzug einiges abgewinnen. So besänftigt er nicht nur die Ordnungshüter der DFL, er bereichert auch das Trainerteam des HSV. Und persönlich bringt ihm das Zeit für die Trainersuche.

Ein Gespräch mit dem Klubvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow hinterließ jedenfalls den Eindruck, dass sich die Klubführung mittlerweile in einem entspannten Stadium befindet. Zumal die Mannschaft nicht den Eindruck erweckt, sich von der Diskussion anstecken zu lassen.

„Ich habe wahrgenommen, dass Fink im Gespräch ist“, sagte Kapitän Heiko Westermann, „aber das ist mir zu unwichtig, weil das Spiel in Freiburg zu wichtig ist.“ Dort muss der HSV am Sonntag antreten. Arnesen wird dann auf der Trainerbank sitzen, noch.