Selbstfindung

HSV-Sportchef Arnesen macht auch den Trainerjob

Der HSV stellt sich sein nächstes Armutszeugnis bei der Trainersuche aus: Sportdirektor Frank Arnesen wird Coach, "bis ein neuer Cheftrainer gefunden wird".

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Vor drei Wochen ist Michael Oenning als HSV-Trainer beurlaubt worden. Seither sucht Sportchef Frank Arnesen einen Nachfolger. Und dieser Nachfolger ist nun: Frank Arnesen selbst. „Ich übernehme die Verantwortung für die Mannschaft“, erklärte der 56 Jahre alte Däne nach seiner Rückkehr von einer einwöchigen Reise durch Europa.

„Ich will keinen Trainer verpflichten, der vielleicht nur die zweite oder dritte Lösung ist. Ich will nach wie vor die beste Lösung, und darauf warte ich.“ Frank Arnesen ist somit der Cheftrainer des HSV, bis er endgültig einen neuen Mann gefunden hat. „Vielleicht dauert es bis zur Winterpause“, sagte Arnesen.

2002 hat Frank Arnesen seinen Trainerschein in den Niederlanden gemacht. Diesen Schein musste er nun aus seinen alten Unterlagen heraussuchen, damit er schon am Sonntag beim Auswärtsspiel in Freiburg nicht nur als Sportdirektor, sondern offiziell in Doppelfunktion auch als Trainer auftreten kann.

„Für mich persönlich ist das natürlich ein Risiko. Aber dieses Risiko nehme ich in Kauf, weil ich überzeugt bin, dass es die beste Entscheidung für den HSV ist“, begründet Arnesen seinen Schritt. Künftig wird er als „Teamchef“ bezeichnet, Trainerteam und Mannschaft wurden am Montag von der neuen Entwicklung informiert.

Offenbar war es für Arnesen keine überzeugende Alternative, pro forma mit Rodolfo Esteban Cardoso weiterzumachen oder Assistent Frank Heinemann zum Chef zu befördern. Eine starke Figur auf dem Trainerstuhl – dieses Bild hat für Arnesen Vorrang.

In den vergangenen Tagen habe er sehr viele Gespräche mit potentiellen Trainerkandidaten geführt, Informationen eingeholt und sich ein Bild über den Trainermarkt, der für den HSV relevant ist, verschafft. „Ich muss ein gutes Gefühl haben, wenn ich einen neuen Mann hole“, erklärte Arnesen. „Das ist die wichtigste Personalie in einem Verein.“

Noch keine Trainererfahrung

Zuletzt war eine Verpflichtung von Thorsten Fink vom FC Basel am Einwand des Schweizer Meisters gescheitert, dass sie ihren Erfolgscoach nicht mitten in der Champions-League-Gruppenphase gehen lassen können.

Was die tägliche Arbeit angeht, wird sich für Frank Arnesen zunächst alles ändern. Er will in Trainingsklamotten mit dem bisherigen Übergangstrainer Cardoso sowie Co-Trainer Heinemann auf dem Platz stehen. „Ich hoffe, dass wir als Team gut zusammenarbeiten werden“, sagt Arnesen. „Und ich erwarte auch von der Mannschaft hohe Professionalität.“

Eigene Trainererfahrungen sind bei Arnesen zwar nicht im Profibereich vorhanden. Allerdings, darauf wies der Däne hin, habe er in seiner Zeit beim FC Chelsea auch die zweite Mannschaft sowie Jugendteams trainiert, und zwar über einen Zeitraum von vier Jahren.

Leistungen stimen positiv

Im Alltag des Bundesliga-Schlusslichts gebe es aktuell nicht besonders viel zu verändern, meint Frank Arnesen. „Ich will nicht nur deswegen etwas Neues machen, um etwas zu ändern. Es muss auch Sinn machen.“ Die Leistungssteigerungen in den letzten beiden Partien in Stuttgart (2:1) und gegen Schalke (1:2) hätten ihn generell zuversichtlich gestimmt, meinte der neue Übergangstrainer.

Frank Arnesen lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass er seine Doppelfunktion unter keinen Umständen dauerhaft ausüben wolle. „Ich bleibe Trainer, bis der neue Trainer da ist.“ Ein Verein, der eine komplexe Struktur wie der HSV besitze, könne nicht von einem einzigen Mann geführt werden, der allein für den sportlichen Bereich verantwortlich sei. „Trainer und Sportdirektor müssen zwei Personen sein“, sagt Arnesen.

Wegen der schwierigen Marktlage müsse sich der Verein darüber hinaus damit beschäftigen, einen unter Vertrag stehenden Trainer aus einem laufenden Arbeitsverhältnis herauszukaufen, räumte Arnesen ein. „Ich glaube schon, dass das eine Option sein kann“, sagt er.

Damit ist sowohl eine spätere Einigung mit Thorsten Fink möglich – auch Nürnbergs Trainer Dieter Hecking, der beim Club eine Ausstiegsklausel zum Winter besitzen soll, wurde zuletzt wieder häufiger genannt. Bis auf Weiteres liegt Wohl und Wehe jedenfalls fast ausschließlich in der Hand von Frank Arnesen.