Sieg mit Gegentor

Die deutsche Abwehr ist Löws Problemzone

Der Erfolg in der Türkei war eine Demonstration der deutschen Stärke. Nur die Abwehr bereitet Bundestrainer Löw Probleme. In der Innenverteidigung fehlt es an Kontinuität.

Es war kein rauschendes Fußball-Fest. Aber darauf kommt es auch nicht immer an. Was am Ende nun mal zählt, ist der Sieg . Und der ist der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Freitagabend gegen die Türkei gelungen. Sie ist in Istanbul souverän aufgetreten und hat eine Mannschaft bezwungen, die im Gegensatz zur deutschen noch nicht für die Europameisterschaft 2012 qualifiziert ist und deshalb unter Zugzwang gestanden hat. Das allerdings war den Türken kaum anzumerken.

Sie müssen nun weiter um die Teilnahme zittern, während das Team von Bundestrainer Joachim Löw bereits mitten in den Planungen für die EM in Polen und der Ukraine steckt. Einem Turnier, in dem die deutsche Elf zu den Favoriten auf den Titel zählt. Und zwar nicht erst seit Freitagabend. Ihre Favoritenrolle hat sie mit dem Erfolg in Istanbul einmal mehr und sehr eindrucksvoll unterstrichen. Es war der neunte Sieg im neunten Qualifikationsspiel – eine herausragende Bilanz. Und der von Bastian Schweinsteiger am Ende so cool verwandelte Elfmeter zum 3:1, in einer Phase, in der die Türken noch einmal kurz Hoffnung geschöpft hatten, könnte symbolisch für das Selbstbewusstsein dieser Mannschaft stehen.

Die deutsche Mannschaft hat auch in diesem Spiel wieder gezeigt, wie gefestigt sie ist und wie gut die Spieler inzwischen miteinander harmonieren, selbst wenn mit Mesut Özil und Miroslav Klose zwei wichtige Spieler ausgefallen sind. Die deutsche Mannschaft war in Istanbul in der Lage, genau in dem Moment zuzuschlagen, als es notwendig war. Das ist ein Zeichen von Klasse. So etwas gelingt Spielern, die Qualität haben und wissen, was in der heutigen Zeit bei dem immer schneller werdenden Spiel gefragt ist.

Die deutsche Mannschaft hat allen Grund dazu, selbstbewusst zur EM zu fahren. Doch selbst wenn sich die Bilanz der EM-Qualifikation sehen lässt, so gilt es, sich davon nicht blenden zu lassen. Wenn es nicht nur bei leeren Worten bleiben soll und man wirklich überzeugt davon ist, dass die Spanier als das Maß aller Dinge im Weltfußball nun endlich reif sind , muss sich die deutsche Mannschaft noch steigern. Denn wenn man ehrlich ist, waren die Gegner auf dem Weg zur EM nicht gefährlich.

Die Mannschaft hat aber noch genug Zeit, um an Feinheiten zu schleifen oder Probleme zu beheben. Seit einigen Länderspielen nun schon wirkt die deutsche Abwehr nicht immer souverän. Im Tor steht zwar mit Manuel Neuer ein hervorragender Keeper. Er hat in Istanbul glänzend gehalten und sogar zwei Tore mit seinem brillanten Blick für die Spieleröffnung eingeleitet. Dennoch hat die deutsche Mannschaft wieder ein Gegentor kassiert. Seit acht Partien hat sie es nicht mehr geschafft, ohne Gegentreffer zu bleiben. Zuletzt gelang das im März beim 4:0 gegen Kasachstan. Dabei war die Abwehr jahrelang das deutsche Prunkstück, wenn auch in Zeiten, als Deutschland nach vorn kaum zu glänzen wusste.

Seit der Europameisterschaft 2008 etwa, bei der Christoph Metzelder und Per Mertesacker zusammen agierten, hat es 44 Länderspiele gegeben, in denen der Bundestrainer acht Innenverteidiger in 13 verschiedenen Kombinationen eingesetzt hat. Da ist keine Kontinuität zu erkennen. Es wird also Zeit, dass es in der deutschen Innenverteidigung wieder feste Größen gibt.