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Deutsche Dressur kommt nicht zur Ruhe

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Erst der Einbruch von Totilas, jetzt der Verlust von Donnperignon – ein Jahr vor Olympia gibt es einen weiteren Rückschlag.

Christoph Koschel hat sein Top-Pferd Donnperignon verkauft – angeblich für drei Millionen Euro. Der Jurist hätte wohl anders gehandelt, wenn ihn der Verband (FN) mehr unterstützt hätte. „Wir haben in der Vergangenheit mehrere Gespräche mit dem Verband geführt, doch es gab nie ein zufriedenstellendes Ergebnis“, sagte Koschels Vater Jürgen. So habe die Familie, die in Hagen am Teutoburger Wald beheimatet ist, die kompletten Kosten für die Flugversicherung zur WM 2010 nach Kentucky/USA übernehmen müssen. „Und wenn man dann noch für die drei Wochen der WM seinen Hof alleine lassen muss, kommen einige Unkosten zusammen“, sagte Koschel senior.

Sauer sind die Koschels nicht auf den Verband. „Nein, die Absprachen sind klar getroffen worden“, sagte Christoph Koschel. „Ich hoffe nur, dass der Verband jetzt nicht sauer auf uns ist, weil wir verkauft haben. Doch wir mussten auch an die Absicherung der Familie denken“, sagte der 35-Jährige, der mit Frau Patricia und zwei Kindern auf der Anlage in Hagen lebt.

Bundestrainer Holger Schmezer registrierte den Verkauf mit Wehmut: „Das ist schade. Wir verlieren ein starkes Paar und stärken eine andere Nation.“ Gekauft hat den zwölf Jahre alten Wallach die dänische Reiterin Anna Kasprzak. „Sie ist zuletzt häufiger bei internationalen Turnieren gestartet“, sagte Schmezer.

Wie Koschel anmerkte, funktioniere die Kooperation im Ausland zwischen Verband und Reiter oftmals reibungsloser. Da falle auch die Vermittlung von Sponsoren leichter. „Es passt ins Bild, dass die Engländer ihre beiden Top-Pferde Uthopia und Valegro für unverkäuflich erklärt haben“, sagte Christoph Koschel. Die Briten haben mit Blick auf Olympia 2012 im eigenen Land enorm aufgerüstet und wollen Seriensieger Deutschland die Goldmedaille streitig machen.

Die deutsche Equipe musste in den letzten Jahren empfindliche Niederlagen hinnehmen. Durch den Kauf von Totilas für geschätzte zehn Millionen Euro dank der Privatinitiative von Paul Schockemähle sollte der Negativ-Trend gestoppt werden. Nach den tollen Leistungen zu Beginn des Sommers gab es jedoch bei der EM Mitte August in Rotterdamm Schwächen.

Der leichte Leistungseinbruch mit Donnperignon bei der EM in Rotterdam habe keinen Einfluss auf die Entscheidung für den Verkauf gehabt, sagte Koschel. In den Niederlanden holte das Paar mit der Mannschaft Silber, kam aber im Special nur auf Rang zehn. „Donnperignon war zuletzt schon wieder frisch und in Form. Ich bin sicher, dass wir rechtzeitig vor Olympia wieder in Top-Form gewesen wären“, sagte Koschel.