Formel-1-Champion

Der unselige Vettel-Schumacher-Vergleich

Durch Regeländerungen und ein starkes Fahrerfeld ist Sebastian Vettels Leistung nur schwer mit der von Rekordweltmeister Michael Schumacher zu vergleichen.

Vierzehn Podestplatzierungen in fünfzehn Rennen, darunter neun Siege, dazu vier Grands Prix vor Saisonende imposante 114 Punkte Vorsprung auf seinen ersten Verfolger – es besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass Sebastian Vettels zweiter WM-Titelgewinn in der Formel 1 in Folge mehr als verdient ist.

Doch so groß die Überlegenheit in diesem im Vergleich zum vergangenen Jahr auch schien und scheint, es gibt doch einen Unterschied: Der Deutsche fuhr in seinem famosen Red-Bull-Boliden – das alles andere als optimale Rennwochenende in Suzuka illustrierte es – gegen eine starke Opposition an, die sich im Laufe des Jahres stetig verbessert hat. Das macht seinen Titelgewinn umso wertvoller.

Mit 24 Jahren scheint Vettel die Königsklasse nach Belieben zu beherrschen. Keine Frage: Der neuerliche Erfolg ist Resultat der Symbiose aus bestem Fahrer und bestem Auto. Noch immer kann Vettel Michael Schumachers sieben Jahre alten Rekord von 13 Saisonsiegen einstellen.

Dass der Formel-1-Champion von 2010 und 2011 sich von jetzt an wohl noch beharrlicher und erschöpfender Vergleichen mit dem Rekordweltmeister ausgesetzt sehen wird, ist absehbar – aber unseliger Unsinn. Nicht nur, weil der legere, humorbegabte Sebastian Vettel vom Typ her ganz anders (und massenkompatibler) daherkommt als der kühle, perfektionistische Schumacher, dem der Ehrgeiz früher stets aus allen Poren zu dringen schien. Auch die Zeiten, in denen sich die beiden deutschen Ausnahmepiloten heute bewegen, sind andere.

Für Vettel ist es ungleich schwieriger, eine Ära zu begründen, wie es einst Schumacher gelungen ist. Der hatte bei Ferrari seinerzeit fast uneingeschränkte Testmöglichkeiten, exklusive Reifenverträge, einen unumstrittenen Nummer-eins-Status und profitierte davon, dass den Rennställen noch keine Budgetbeschränkungen auferlegt wurden.

Vettel hingegen reüssiert in einer Phase der Formel 1, in der Konstanz durch stete Regeländerungen – 2013 drohen erneut umfassendere – unterminiert wird, in der gleich mehrere hochtalentierte Fahrer ernsthaft um den Thron streiten können, und in der sich die Überholmanöver allein im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt haben aufgrund mancher technischer Neuerung.

Genießen wir Sebastian Vettels Titeltriumph also ohne Anleihen bei seinem Landsmann zu nehmen als das, was er ist: die höchst bemerkenswerte Bestätigung der Leistung eines sympathischen, jungen Sportsmannes in einer Sportart, in der die Karten schon morgen wieder neu gemischt werden könnten.