"Auszeit"

Polens verschwundener Adler ist im Horst

Eine US-Sportartikelfirma hatte den Vogel abgeschossen. Nach einem Sturm der Entrüstung bekommt die polnische Nationalelf ihr Wappentier nun zurück.

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Wie sieht die Nationalflagge der Ostfriesen aus? Weißer Adler auf weißem Grund.

Der Schenkelklopfer aus Grundschulzeiten erfuhr dieser Tage eine Renaissance. Nur nicht hoch im Norden, sondern weiter östlich. In Polen wunderten sich die Fußballfans nämlich über das neue Trikot ihrer Nationalmannschaft. Ein Gefühl, das schnell in Zorn umschlug. Das Wappentier des Landes war von der Brust verschwunden. Ein weißer Adler, goldfarben gekrönt. Der Legende nach ersonnen vom ersten Herrscher des Landes, dem Urvater aller Polen. Herzog Lech wählte den majestätischen Raubvogel, als er im Sonnenuntergang ein prachtvolles Exemplar nisten sah.

Und nun kam so eine amerikanische Sportartikelfirma daher und schoss sprichwörtlich den Vogel ab. Ausgerechnet kurz vor der Europameisterschaft, dem ersten großen Fußballturnier, das Polen überhaupt ausrichten wird. Unfassbar. Die Protestwelle erreichte binnen kürzester Zeit ungeahnte Ausmaße. Fans, Zeitungen, Prominente und Politiker wie Staatspräsident Bronislaw Komorowski oder Regierungschef Donald Tusk klagten öffentlich über das Designdesaster. Mit Erfolg. Der Vorstand des Fußballverbandes beschloss nun, den Adler wieder auf den Trikots für die EM landen zu lassen. „Wir haben einen Fehler gemacht“, sagte Verbandschef Grzegorz Lato. „Wir können uns nur entschuldigen, dass es überhaupt zu dieser Diskussion gekommen ist.“

Teuer dürfte die Affäre für den Ausrüster werden, der bereits zahlreiche Hemden für den Handel anfertigen ließ und jetzt neu produzieren muss. In diesem Fall wird sich die Firma wohl einfach an ihren eigenen Slogan halten müssen: „Just do it“.