Bayern-Präsident

Uli Hoeneß poltert gegen die Robben-Kritiker

"Da werde ich Theater machen": Uli Hoeneß sieht seinen niederländischen Superstar zu Unrecht kritisiert. Ribery träumt derweil von der Rache an van Gaal.

Franck Ribery hatte vor dem Mittagessen trainiert und kam mit einer Kampfansage aus dem Kraftraum. „Ich schaffe 80 Liegestütze, ohne Pause. Und werde gegen Mister Sammer gewinnen“, sagte der Mittelfeldstar des FC Bayern München und grinste. Er hatte beste Laune: Nach dem 3:1 (2:0) in der Champions League gegen den FC Villarreal am Dienstag ist seine Mannschaft vorzeitig Sieger der Gruppe A und für das Achtelfinale qualifiziert. Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball Bundes, hatte nach Abpfiff gewettet, dass er 80 Liegestütze macht, sollten die Bayern die Königsklasse gewinnen. Da will Ribery nicht nachstehen.

Dass viele Fans und Experten den Bayern die Finalteilnahme zutrauen, hat der Rekordmeister vor allem ihm zu verdanken. Der Franzose war in der Gruppenphase der beste Spieler, gegen Villarreal schoss er zwei Tore (3. und 69. Minute), zudem traf Mario Gomez für die Bayern (23.), für die Gäste Jonathan de Guzman (50.). „Wenn alle Spieler fit sind, können wir gegen Real oder Barcelona mithalten“, sagte er.

Franck Ribery und Arjen Robben – in den vergangenen Jahren war es oft ein kongeniales Paar. Zwei mit perfekter Technik und enormer Schnelligkeit. Zwei, die Fußball zu Kunst erheben können. Zwei, die Spiele entscheiden.

Derzeit gelingt das Ribery. Nur Ribery. Das Villarreal-Spiel zeigte, dass Robben nach seiner siebenwöchigen Woche noch Zeit benötigt – und sich die Mannschaft in seiner Abwesenheit entwickelt hat. „Es ist ein anderes Spiel, wenn er spielt“, so Stürmer Mario Gomez.

In der Vorsaison war Robben der bessere der beiden Mittelfeldstars. Nachdem er die gesamte Hinrunde ausgefallen war, überzeugte er in der Rückserie mit zwölf Toren und zehn Vorlagen. Ribery hingegen gelang es mehrmals nicht, die Erwartungen zu erfüllen. Jetzt ist es umgekehrt. Aktuell bilden Ribery und Toni Kroos das kongeniale Paar in der Offensive. Beim 0:1 gegen Borussia Dortmund hatte Kroos im defensiven Mittelfeld gespielt, gegen Villarreal beorderte ihn Trainer Jupp Heynckes wieder in die Zentrale. Kroos dankte es ihm mit einer herausragenden Leistung.

Robben hingegen erscheint wegen seiner Dribblings vielen als Egoist, zudem sind Bereitschaft und Fähigkeit für die Defensive – vorsichtig ausgedrückt – ausbaufähig. „Arjen ist ein Torjäger, er will bei jeder Gelegenheit treffen. Das kann zu Streit führen. Aber wir lösen das auf dem Spielfeld. Er ist ein Weltklassejunge“, sagt Ribery dem Magazin „Champions“. Er halte nichts von der These, dass die Bayern Robben nicht mehr benötigen. „Wir bauen keinen Druck auf, wir haben Geduld mit ihm.“

Dass Robben kritisiert wird, ärgert insbesondere Uli Hoeneß. „Das geht mir auf den Sack“, sagte der Klubpräsident. Eine Diskussion über Robben werde er nicht zulassen. „Da werde ich Theater machen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder der alte wird.“

Robben strahlte trotz seiner durchwachsenen Leistung gegen Villarreal, als er das Stadion verließ. Ihm ist die Erleichterung anzumerken, dass er keine Schmerzen an der operierten Leiste hat. „Ich muss mich beim Verein und beim Trainer bedanken, dass sie mir das Vertrauen schenken. Die letzten Prozente fehlen mir noch“, sagte der 27-Jährige.

Riberys Respekt vor Reus und Götze

Im Achtelfinale könnte die Bayern auf Ajax Amsterdam treffen – und auf einen alten Bekannten: Louis van Gaal. Der im vergangenen April entlassene Trainer soll Generaldirektor des niederländischen Klubs werden. Ribery hatte van Gaal nach seiner Entlassung kritisiert und will an ein Aufeinandertreffen mit Ajax gar nicht denken: „Ich habe gehört und gelesen, dass bei Ajax alle weg wollen, wenn er kommt. Das ist ein bisschen komisch, aber das ist mir scheißegal. Er ist weit weg, und ich bin jetzt sehr froh.“

Ribery kann sich vorstellen, bis zum Karriereende beim FC Bayern zu bleiben. Immerhin sei sein im September geborener Sohn Saif al-Islam ein echter Bayer. Und was, wenn die Bayern Dortmunds Götze und Gladbachs Reus verpflichten und die Konkurrenz im Mittelfeld extrem wird? „Ich habe Respekt vor den Jungs“, sagt Ribery. „Aber wenn ich fit bin, spiele ich immer.“