EM verpasst

Die Schweiz am Boden – doch Hitzfeld macht weiter

Nach der verpassten Qualifikation für die EM 2012 lecken die Schweizer ihre Wunden. Trainer Hitzfeld will trotz des Rückschlages seinen Vertrag erfüllen.

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Den bittersten Moment seiner Amtszeit als Schweizer Nationaltrainer erlebte Ottmar Hitzfeld allein und hilflos vor dem Fernseher. Doch das Entsetzen über den Last-Minute-Knockout in der EM-Qualifikation, durch den die Eidgenossen erstmals seit zehn Jahren ein großes Turnier verpassen, wich schnell neuem Tatendrang. Schon einen Tag nach dem bitteren Aus richtete der erfahrene Fußball-Lehrer den Blick wieder nach vorne und bekräftigte, seinen bis Sommer 2014 datierten Vertrag auf jeden Fall erfüllen zu wollen.

„Ich habe den Vertrag nicht unterschrieben, um jetzt aufzuhören. Der Verband schenkt mir trotz des Rückschlages großes Vertrauen. Wir werden uns die nächsten Monate akribisch vorbereiten, um uns für die WM 2014 in Brasilien zu qualifizieren“, erklärte Hitzfeld im ZDF-Sportstudio.

Scheitern nach dem Umbruch

Völlig unerwartet kommt die Pleite für den EM-Mitgastgeber von 2008 nicht, denn nach der Weltmeisterschaft 2010 hatten gleich acht Profis ihre Auswahlkarriere beendet. „Wir haben in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Umbruch gestaltet und sind eine sehr junge Mannschaft. Da kann man nicht erwarten, dass alles problemlos läuft. Das Scheitern war leider ein Rückschritt“, meinte Hitzfeld.

Auch die Spieler trugen die Köpfe nach einer schlaflosen Nacht schnell wieder oben. „Es gibt definitiv gute Perspektiven für uns. Die Jungen haben frischen Wind gebracht“, sagte Torwart Diego Benaglio vom Bundesligisten VfL Wolfsburg. Das Durchschnittsalter der Hitzfeld-Truppe beträgt derzeit 24 Jahre. Der Coach blickt daher zuversichtlich in die Zukunft. „Langfristig können wir davon profitieren, dass wir den Umbruch früh eingeleitet haben. Jetzt müssen wir den Fokus auf die WM in Brasilien richten.“

Am Freitagabend hatte der 62-Jährige in Cardiff vor dem Fernseher fassungslos mitansehen müssen, wie Montenegro in der Nachspielzeit das 2:2 gegen Gruppensieger England erzielte und damit das Aus der Schweizer endgültig besiegelte. „Das war unglaublich. Ich habe gedacht, dass kann nicht sein. Der Schock sitzt ziemlich tief. Natürlich hat man eine innere Lehre und ist sehr enttäuscht. Das war ein Schwarzer Freitag für uns“, sagte Hitzfeld.

Durch die eigene 0:2-Niederlage in Wales können die Alpen-Kicker (8 Punkte) das Überraschungsteam aus Montenegro (12) auch mit einem Sieg im direkten Duell am Dienstag nicht mehr überflügeln. Dennoch misst Hitzfeld der Partie große Bedeutung zu. „Wir wollen uns von unseren Fans mit Anstand verabschieden. Das ist eine Charakterfrage“, forderte der frühere Meistertrainer von Borussia Dortmund und Bayern München.

Auch in der Niederlage zeigte der Gentlemen Größe. Dass die Partie in Montenegro eine Viertelstunde später angepfiffen wurde und die Gastgeber damit über das Schweizer Ergebnis informiert waren, sah Hitzfeld nicht als entscheidend an. „Ich glaube nicht, dass das Wettbewerbsverzerrung war. Aber ich hätte mir mehr Fingerspitzengefühl von der Uefa gewünscht“, sagte Hitzfeld.