Handball

Prozess: THW Kiel mit schlampiger Buchführung

Für mehrere Zahlungsvorgänge über insgesamt 60.000 Euro fehlten Belege, sagte eine Zeugin aus.

Die Buchführung des deutschen Handball-Rekordmeisters THW Kiel war nach Angaben einer Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes in Kiel „nicht ordnungsgemäß“. Für mehrere Zahlungsvorgänge über insgesamt 60.000 Euro fehlten Belege, sagte die Zeugin am Freitag im Kieler Prozess um angebliche Schiedsrichtermanipulationen.

Die 56-Jährige hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Geldbewegungen auf dem THW-Geschäftskonto geprüft, die in zeitlicher Nähe zu Champions-League-Spielen standen. Was sie vorgefunden habe, „entspricht nicht ordnungsgemäßer Buchführung“, sagte die Zeugin, „weil ihr keine Belege zugrunde liegen, die die geschäftlichen Vorgänge widerspiegeln.“

In dem Verfahren müssen sich Ex-THW-Manager Uwe Schwenker und der frühere Trainer Zvonimir Serdarusic wegen angeblicher Schiedsrichterbestechung beim Champions-League-Finale 2007 verantworten. Beide bestreiten die Vorwürfe.

60.000 Euro verbuchte der THW nach Prüfung der Zeugin im April und Mai 2008 in Einzelbeträgen in drei Aufwandskonten. Sie hatten die Titel: „Schiedsrichter“, „Verpflegung“ und „Sonstige Aufwendungen“. Der frühere THW-Gesellschafter Hubertus Grote hatte erklärt, das Geld sei ein Darlehen für Serdarusic gewesen. Die Anklage bezweifelt das und wirft Schwenker Untreue zulasten des THW vor.

Serdarusic zahlte erst kurz vor Abschluss der Ermittlungen Anfang Dezember 2009 knapp 43.000 Euro zurück an den THW, wie das Gericht aus einem Schreiben des THW verlas. Demnach verrechnete der THW seine Forderungen an Serdarusic mit noch ausstehenden Zahlungen an ihn.

Laut Aussage der Zeugin überwies der THW im April 2007 kurz vor dem Endspiel gegen Flensburg 92.000 Euro in zwei Teilbeträgen auf das Konto des kroatischen Spielervermittlers Nenad Volarevic mit dem Verwendungszweck „Transfer THW“. Einer Erklärung von Schwenker zufolge soll das Geld für eine Spielervermittlung von Igor Anic geflossen sein. Dagegen ist die Anklage davon überzeugt, dass Volarevic 45.000 Euro davon an die beiden polnischen Schiedsrichter des Finales weiterleitete. Diesen Betrag hob der Kroate laut Anklage drei Tage vor der Partie ab.

Das Gericht will am 28. Oktober einen der polnischen Referees vernehmen. Volarevic selbst hatte mitgeteilt, dass er nicht zur Verfügung steht. Das Gericht beantragte inzwischen eine Durchsuchung der Zagreber Bank, bei der er sein Konto führt, um die Unterlagen aufzufinden.