Nach der U-Haft

Brasilianer Breno hat bei Bayern wohl ausgespielt

Breno steht trotz Haftentlassung noch unter Verdacht und hat keine Zukunft in München. Ein Integrationsexperte kritisiert den Umgang mit ausländischen Profis.

Foto: dapd/DAPD

In den frühen Morgenstunden wollte Renata Borges ihren Freunden und Bekannten zeigen, wie erleichtert sie ist. Die Ehefrau Brenos wählte sich am Freitag in das Internetportal Twitter ein, klickte auf das Profil ihres Mannes und schrieb: „Ich liebe dich so sehr mein Schatz, mein Leben.“

Nach zwölf Tagen in Untersuchungshaft war der brasilianische Verteidiger des FC Bayern München am Donnerstag aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim entlassen worden. Er steht allerdings weiter unter dem Verdacht der schweren Brandstiftung .

In der Nacht zum 20. September soll er seine gemietete Villa im Vorort Grünwald angezündet und einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro verursacht haben. Der Haftbefehl gegen Breno bleibt bestehen, ist zunächst nur außer Vollzug gesetzt.

Der Fußballer soll gegen eine Kaution von 500.000 Euro freigekommen sein, einen Teil der Summe hat der Klub beigesteuert. „Ich freue mich wahnsinnig und hoffe, dass dieses Kapitel damit – zumindest aus Sicht der Fans – beendet ist. Wichtig ist diese Entscheidung aber vor allem für den Jungen“, sagte Klubpräsident Uli Hoeneß.

Wie geht es nun weiter mit Breno?

Am Donnerstag wird er 22 Jahre alt. Seinen Geburtstag wird er wohl mit seiner Frau, deren zwei Kindern und seinem Sohn feiern können. Der FC Bayern hat für ihn ein Haus außerhalb der Stadt angemietet. In seine Villa kann er nicht zurück, der Brand hat sie komplett zerstört. Die Ermittler haben dort alle Hinweise und Spuren gesammelt, laut Staatsanwaltschaft besteht daher keine Verdunkelungsgefahr mehr.

Zu den weiteren Auflagen wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich Breno in regelmäßigen Abständen melden muss. Möglich ist auch, dass seine Konten gesperrt werden.

Angst vor dem Karriereende?

„Bei Verstoß gegen auch nur eine dieser Auflagen kann der Haftbefehl wieder in Vollzug gesetzt und der Beschuldigte wieder inhaftiert werden“, betonte die Staatsanwaltschaft . Angeblich wollte sie Breno wegen psychischer Probleme die Auflage erteilen, sich in stationäre Behandlung zu begeben. Die Richterin soll dies aber abgelehnt haben.

Breno wird in den nächsten Tagen voraussichtlich viel Zeit in Arztpraxen verbringen. Er leidet seit Jahren an Knieproblemen. Möglicherweise hatte die Angst vor einem Karriereende eine Rolle bei dem Hausbrand gespielt. Der Profi ist seit Monaten verletzt, je nach Versicherung erhalten viele Spieler dann nur noch Geld von der Berufsgenossenschaft – einen Bruchteil des üblichen Gehalts.

Kritik trotz Bemühungen

In der Haft konnte sich Breno nur wenig bewegen, offenbar war er dort auf der Krankenstation untergebracht. „Unsere medizinische Abteilung mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt an der Spitze wird nun dafür Sorge tragen, dass Brenos nach wie vor verletztes Knie behandelt und die Verletzung auskuriert wird, damit der Spieler schnellstmöglich wieder in das reguläre Mannschaftstraining eingegliedert werden kann“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Der Verein hat sich in den vergangenen Wochen enorm um Breno bemüht. Nerlinger war im Dauereinsatz, auch der Vorstand hatte hinter den Kulissen an den Voraussetzungen für die Freilassung Brenos gearbeitet.

Dennoch gibt es Kritik. Thomas Groll ist Geschäftsführer des Unternehmens Atraversa, das sich auf interkulturelle Coachings spezialisiert hat und Sportlern bei der Integration hilft. Er sagte „Morgenpost Online“: „Es hätte nicht so weit kommen müssen.“

Nicht integriert

Für ihn zeigt der Fall, dass der Bedarf an professionellen Integrationskonzepten im Profisport groß ist. Breno spricht kaum Deutsch und fühlte sich möglicherweise isoliert. „Im Gegensatz zu international tätigen Unternehmen aber missachten viele Klubmanager bisher den Wert der interkulturellen Integration ihrer ausländischen Spieler“, so Groll.

Ausländische Profis seien oft nicht in der Gesellschaft integriert. „Sie sitzen da in ihrer Welt, haben alles, aber können sich doch nicht frei entfalten, weil sie unselbstständig und nicht vernetzt sind. Die vorherrschenden Betreuungskonzepte der Vereine bieten zwar einen Rundum-Service, aber genau dieser erzieht die Athleten zu unmündigen Leistungsempfängern. Integration ist das nicht, sondern Betreuung.“

Kein Platz mehr

Eine Zukunft beim FC Bayern hat Breno wohl nicht. Trainer Jupp Heynckes hat in Philipp Lahm, Rafinha, Holger Badstuber, Jerome Boateng, Daniel van Buyten und Diego Contento sechs Verteidiger zur Verfügung.

Brenos Vertrag endet am 30. Juni 2012. Es spricht wenig dafür, dass die Bayern ihn verlängern. Der Brasilianer hat schon mehrfach betont, dass er gern in seine Heimat zurückkehren möchte. Bis er sich neuen sportlichen Aufgaben widmet muss er nun zunächst beweisen, dass er sein Leben ordnen kann.