EM-Qualifikation

Türkisches Schicksal liegt in deutscher Hand

Die türkische Nationalmannschaft kämpft in der EM-Qualifikation im Fernduell mit Belgien um den zweiten Tabellenplatz, der für die Play-offs berechtigt.

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Sechs Deutsch-Türken im Team, die DFB-Auswahl erst als Gegner , dann als Verbündeter - und ein deutscher Coach als Zünglein an der Waage: Das Schicksal der türkischen Nationalmannschaft liegt in der entscheidenden Phase der EM-Qualifikation gewissermaßen fest in der Hand des „Alman“.

Das Team von Trainer Guus Hiddnik muss zunächst am Freitag in Istanbul (20.30 Uhr/ARD) gegen die deutsche Auswahl antreten. Am Dienstag werden die Türken dem WM-Dritten, der gegen Belgien spielt, die Daumen drücken und gleichzeitig versuchen, die nötigen Punkte gegen die aserbaidschanische Auswahl zu holen. Deren Coach ist Berti Vogts.

Hiddink hat bereits ausgerechnet, was das Resultat der deutsch-türkischen Begegnungen sein muss. „Ich rechne mit vier Punkten aus den ausstehenden beiden Spielen“, sagte der Niederländer, dessen Team derzeit 14 Zähler auf dem Konto hat. Damit liegen die Türken in der von Deutschland dominierten Gruppe A zwei Punkte vor Belgien, dem einzig verbliebenen Konkurrenten im Kampf um den Platz in den Play-offs.

„Zu Beginn der Qualifikation wollten wir Erster werden, das war aber etwas unrealistisch. Jetzt gilt es, den zweiten Platz zu sichern und dafür in den letzten beiden Spielen alles zu tun“, sagte Hiddink.

Allerdings hätte sich der Coach, der die Zukunft nach seinem Vertragsende im kommenden Sommer weiter offen lässt, zum Ende der EM-Qualifikation einen anderen Gegner als Deutschland gewünscht. „Da wir noch mitten im Kampf um den zweiten Platz stecken, ist ein Kaliber wie Deutschland natürlich eine große Herausforderung“, sagte der 64-Jährige.

Auf der anderen Seite könnte ein Sieg gegen die bisher verlustpunktfreie Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw einen großen Schub auf dem Weg zur Endrunde im kommenden Jahr in Polen und der Ukraine mit sich bringen. Das weiß auch Hiddink, der 2010 als Heilsbringer am Bosporus empfangen wurde.

„Die Deutschen sind der Favorit . Bei der EM werden sie neben Spanien und den Niederlanden der große Titelanwärter sein. Aber wenn wir sie schlagen könnten, wäre das ein Traum“, meinte der Coach, der in den vergangenen Jahren Südkorea, Australien sowie Russland zu WM- und EM-Endrunden geführt hatte: „Der Fußball in der Türkei wurde durch den Manipulations-Skandal erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Unter diesen Umständen bin ich mit der bisherigen Qualifikation meiner Mannschaft durchaus zufrieden. Ein Sieg gegen Deutschland könnte für neue Euphorie sorgen.“

Ob Innenverteidiger Ömer Toprak an dem geplanten Erfolg mitwirken kann, war am Tag vor dem Spiel aber noch offen. Für den 22 Jahre alten Deutsch-Türken von Vizemeister Bayer Leverkusen, der sein Debüt im türkischen Dress feiern würde, lag am Donnerstag zunächst noch keine Spielgenehmigung vor.

Toprak, der als Sohn türkischer Eltern in Ravensburg geboren wurde und 2008 mit der deutschen U19-Auswahl Europameister geworden war, hatte erst in der vergangenen Woche erklärt, dass er künftig für die Türkei auflaufen möchte.

Hiddink, in dessen Kader neben Toprak auch Mehmet Ekici (Werder Bremen), Tunay Torun (Hertha BSC), Gökhan Töre (Hamburger SV) und Hamit Altintop (Real Madrid) stehen, begrüßte die Wahl des früheren Freiburgers. „Ich bin froh, dass er sich für die Türkei entschieden hat und wir dadurch eine weitere Option in der Innenverteidigung haben“, sagte der Coach, der seine Arbeit in erster Linie aus seinen Büros in Amsterdam und Köln heraus verrichtet.

Eine bessere Arbeit als beim 0:3 gegen Deutschland im Hinspiel im Oktober 2010 in Berlin wollen die Profis am Freitag abliefern. Das versprach jedenfalls Innenverteidiger Servet Cetin: „Wir werden ganz anders auftreten als damals. Wir haben unsere Lektion gelernt.“