EM-Qualifikation

Frankreichs EM-Ticket und Blancs Job sind in Gefahr

Frankreich kämpft sich bisher durchwachsen durch die Qualifikation. Zwei Siege braucht das Team, um zur EM zu fahren und Laurent Blancs Posten zu sichern.

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Die Bilanz von Laurent Blanc ist gut, aber nicht gut genug: Die Grande Nation, die unter ihrem neuen Fußball-Nationaltrainer seit 13 Länderspielen ungeschlagen ist, muss um ihr Direkt-Ticket zur Euro 2012 im kommenden Jahr in Polen und der Ukraine zittern. Doch Blanc, Weltmeister von 1998 und Nachfolger von Raymond Domenech, begegnet Skeptikern derzeit mit demonstrativer Gelassenheit.

„Ich weiß nicht, warum ich mehr als sonst beunruhigt sein sollte“, sagte der 46-Jährige vor den beiden entscheidenden Qualifikationsspielen im Stade de France am Freitag gegen Albanien und am Dienstag gegen den Gruppenzweiten Bosnien-Herzegowina (beide 21.00 Uhr). Einen Zähler trennen Les Bleus als Tabellenführer von den Bosniern, die am Freitag beim Schlusslicht Luxemburg antreten.

Eine weitere Blamage des Nationalteams nach dem desaströsen Vorrunden-Aus bei der WM 2010 in Südafrika schließt Blanc aus, was in den französischen Medien für einige Irritationen gesorgt hat. Immerhin meldeten sich Leistungsträger wie Franck Ribery von Bayern München und die Stürmer Karim Benzema (Real Madrid) und Kevin Gameiro sowie Mittelfeldspieler Blaise Matuidi (beide Paris St. Germain) und Bacary Sagna (FC Arsenal) vor den beiden richtungweisenden Begegnungen wegen Verletzungen ab.

„Es ist ein Teil meines Jobs, mit solchen Problemen zu leben und sie zu bewältigen. Es ist doch klar, dass sich angesichts der Belastungen der Spieler in den Klubs die Muskelverletzungen häufen“, sagte Blanc und reaktivierte unter anderem Djibril Cisse (30), Sturmpartner des deutschen Nationalspielers Miroslav Klose bei Lazio Rom. Cisse bestritt sein bislang letztes Länderspiel bei der 1:2-Niederlage am 22. Juni 2010 gegen den damaligen WM-Gastgeber Südafrika.

„Ich muss sehen, auf wen ich setzen kann. Wir haben zwei unterschiedliche Spiele vor der Brust, aber nur ein Ziel: zwei Siege und sechs Punkte“, sagte Blanc, nachdem seine Mannschaft beim 0:0 in Rumänien im letzten Quali-Spiel Anfang September zwei Big Points hatte liegen lassen.

Dennoch: Die Ergebnisse stimmten bisher, die Leistungen jedoch nicht immer, wenngleich Experten der neuformierten Mannschaft unter dem Ex-Profi Forschritte bescheinigen. Im Hinspiel in Albanien gelang den Franzosen ein schwer erkämpftes 2:1. In keinem Gruppenspiel erzielten die Blauen mehr als zwei Tore, nicht einmal gegen den Fußball-Zwerg Luxemburg (zweimal 2:0). Doch derzeit zählen nur die Ergebnisse.

Nicht auszudenken, was passieren würde, sollte Frankreich als eventueller Gruppenzweiter in den Play-offs die EM-Teilnahme verpassen. Dann würde vermutlich auch Blanc, der im Mai nach Rassismusvorwürfen in die Kritik geraten, aber schließlich vom nationalen Verband FFF in seinem Amt bestätigt worden war, auch die sportliche Zwischenbilanz nichts mehr nützen.

In den vergangenen Tagen hatte bereits Frankreichs Fußball-Idol Zinedine Zidane, derzeit als Sportdirektor bei den Königlichen in Madrid tätig, Interesse an dem Posten des Nationaltrainers geäußert.

„Ich weiß nicht, ob ich mir Zidane als Nationalcoach vorstellen kann, aber ich finde es gut, wenn sich Ehemalige weiterhin mehr dem Sport verpflichten als dem Fernsehen“, sagte Blanc während einer Pressekonferenz: „Ich hoffe, dass dieses Beispiel, wenn es denn dazu kommt, viele weitere inspiriert. Wenn er es machen will, sollte er es tun.“