Gegen die Türken

Bundestrainer Löw bangt um Klose, Gomez und Özil

Während die Besetzung des defensiven Mittelfeldes nach dem Ausfall von Toni Kroos feststeht, ist die Formation in der Offensive weiter völlig offen.

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Gerüchte und Sorgen um Mesut Özil , dicke Fragenzeichen hinter den Torjägern Mario Gomez und Miroslav Klose : Die Jagd der deutschen Nationalmannschaft nach dem Rekord für die Ewigkeit wird von großen Personalproblemen begleitet.

Vor dem Prestigeduell der bereits für die EM 2012 qualifizierten DFB-Auswahl am Freitag in Istanbul gegen den Tabellenzweiten Türkei (20.30 Uhr MESZ/ARD) bangt Bundestrainer Joachim Löw um den Einsatz von drei wichtigen Stützen.

„Wir haben noch einige personelle Fragezeichen. Gomez, Klose und Özil konnten in den bisherigen drei Trainingseinheiten noch nicht mit der Mannschaft trainieren“, sagte Joachim Löw. Der Bundestrainer wollte das Trio am Donnerstagabend beim Abschlusstraining im Galatasaray-Stadion noch genau unter die Lupe nehmen, bevor er sich auf die Anfangsformation festlegt.

Sollten nach Toni Kroos (Grippe) sowohl Gomez (muskuläre Reizung im Adduktorenbereich) als auch der im Hinspiel beim 3:0 zweimal erfolgreiche Klose (Bluterguss im Knie) ausfallen, würde der Stuttgarter Cacau eine neue Chance erhalten. Mittelfeldmotor Özil (Achillessehnenreizung) würde im Notfall wohl vom Dortmunder Jungstar Mario Götze ersetzt, auch den Leverkusener Andre Schürrle nannte Löw als Alternative.

Auf der Sechser-Position wird wohl Sami Khedira von Real Madrid zum Einsatz kommen.

Ein Ausfall des türkischstämmigen Özil, der im vergangenen Oktober in Berlin beim 3:0 gegen seine Landsleute ebenfalls getroffen hatte, wäre für den WM-Dritten ein herber Verlust. „Er spielt den tödlichen Pass, setzt unsere Spitzen genial ein. Sollte er nicht spielen, würde das unser Spiel schon sehr beinflussen“, sagte Löw.

Zugleich dementierte der Bundestrainer ein Gerücht, wonach Özil ihn darum gebeten haben soll, angesichts der sportlichen Bedeutungslosigkeit des Spiels und wegen der besonderen Brisanz um seine Person auf dessen Einsatz zu verzichten. „Er hat micht nicht gebeten, nicht zu spielen. Er will unbedingt spielen und freut sich auf das Match. Wenn er nicht spielen sollte, liegt das nur an seiner Verletzung“, stellte der Bundestrainer klar.

Für den 51-Jährigen ist nach eigenen Angaben die Statistik nicht so wichtig, aber die Aussicht auf einen Rekord für die Ewigkeit sei für seine Mannschaft schon „eine große Motivation und ein riesiger Anreiz“. Sollte Deutschland am Bosporus gewinnen und vier Tage später in Düsseldorf zum Abschluss der EM-Qualifikation gegen Belgien ist ihr mit zehn Siegen in zehn Spielen ein Eintrag in die Geschichtsbücher des Fußballs sicher.

„Das ist Motivation genug“, sagte auch Kapitän Philipp Lahm, der gleichzeitig aber auch betonte: „Es geht auch jetzt schon um die EM-Plätze, da wird jeder alles geben, um seine Position zu stärken.“

Lahm und auch Löw erwarten am Freitagabend aber eine andere türkische Mannschaft als im Oktober 2010. „Die Türken haben in Berlin nicht ihr wahres Gesicht gezeigt. Im Rückspiel werden sie von einem enthusiastischen Publikum getragen. Es werden sehr viele Emotionen und sehr viel Motivation im Spiel sein“, sagte Löw, der aus seiner Trainertätigkeit bei Fenerbahce und Adanaspor die Mentalität der Türken bestens kennt.

Seine Einschätzung teilte auch Servet Cetin. „Wir haben unsere Lektion von Berlin gelernt. Unsere Mannschaft wird viel stärker und aggressiver als im Oktober auftreten“, kündigte der Abwehrspieler von Galatasaray an, während sein Coach Guus Hiddink den Gästen die Favoritenrolle zuschob: „Deutschland ist der Topfavorit, auch bei der EM.“

Dass sich das DFB-Team in der Türkei nicht zurücknimmt, hoffen ihrerseits die Belgier, die sich als Gruppendritter noch eine minimale Chance auf die Play-offs ausrechnen.

„Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass eine Wettbewerbsverzerrung vorliegt“, sagte Löw aber unmissverständlich. Dass es für die Türkei, wie auch für Belgien am Dienstag noch um etwas geht, bewertete der Bundestrainer als positiv: „Diese Spiele laufen auf einem hohen Wettkampfcharakter ab. Das ist im Hinblick auf die EM natürlich hilfreich.“

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung

Neuer - Boateng, Badstuber, Mertesacker, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil (Götze), Podolski - Klose (Gomez/Cacau).