Schlusslicht

Die Niederlage gegen Schalke macht dem HSV Mut

Trotz der sechsten Niederlage war das Heimspiel des Hamburger SV gegen Schalke 04 ein Quantensprung. Jetzt braucht Sportdirektor Arnesen ein glückliches Händchen.

Beim Hamburger SV sind sie stolz auf ihre Tradition. Allen voran ein Merkmal wird von Verantwortlichen und Fans in den Vordergrund gerückt, das ihren Verein von allen anderen in Deutschland unterscheidet: Seit ihrer Gründung vor 48 Jahren gehört der HSV zur Fußball-Bundesliga. Es hat Höhen und Tiefen gegeben, doch das aktuelle Personal des Traditionsklubs bereitet der Anhängerschaft große Sorgen.

Im achten Spiel dieser Saison setzte es gegen Schalke 04 (1:2) die sechste Pleite , vier Punkte stehen zu Buche. Der HSV ist Tabellenletzter, zum fünften Mal in Folge. Das hat es in der Hansestadt nie zuvor gegeben.

Die nackten Zahlen sagen etwas anderes aus, doch der Auftritt gegen Schalke 04 sollte Mut machen. Im Vergleich zu den Leistungen, die das Team unter der Regie von Michael Oenning zeigte, war die Vorstellung am Sonntag im Volkspark ein Quantensprung. Seit der Entlassung des Trainers, unter dem der HSV nur eins von 14 Bundesliga-Spielen gewann, lebt die Mannschaft wieder.


Die Hamburger spielten mit Herz, kämpften mit Leidenschaft, bewiesen nach dem Gegentreffer Moral, versäumten es letztlich aber, sich selbst zu belohnen. Am Ende war es Schalkes Angreifer Klaas-Jan Huntelaar, dessen Kaltschnäuzigkeit im Abschluss den Unterschied machte. Sein Doppelpack entschied das Spiel.

Beim HSV wurde im Sommer ein personeller Umbruch vollzogen, Stars wie Ze Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost wurden abgegeben. Zum einen, da die Vereinsführung den Gehaltsetat um ein Viertel reduzieren musste, zum anderen, um den Profikader zu verjüngen. In der Startelf gegen Schalke standen mit Jeffrey Bruma und Gökhan Töre (beide 19) zwei Teenager, die am Sonntag zu Symbolfiguren wurden.

Die Zugänge aus der Reserve des FC Chelsea, die Sportdirektor Frank Arnesen aus London nach Hamburg lotste, stellten ihr außergewöhnliches Talent in einigen Szenen unter Beweis, sich in den entscheidenden Situationen aber äußerst naiv an. Vor beiden Gegentreffern ließ Töre die Flanken zu, erst von Marco Höger, dann von Christian Fuchs. Und Bruma gab Huntelaar den Raum, der einem Weltklassestürmer ausreicht, um zuzuschlagen.

Dennoch: Der HSV hat die Qualität, sich aus dem Tabellenkeller zu befreien. Die jungen und unerfahrenen Spieler werden aus ihren Fehlern lernen. Wichtig ist, dass Sportdirektor Arnesen zeitnah eine Lösung in der Trainerfrage präsentiert und einen erfahrenen Mann verpflichtet, der das Fingerspitzengefühl besitzt, um der Mannschaft Stabilität zu verleihen, ohne ihr den Spieltrieb zu nehmen.

Rodolfo Cardoso war sicher auf dem richtigen Weg, dem Amateurcoach fehlt aber die Fußballlehrer-Lizenz. Seine Zeit in der Bundesliga läuft ganz sicher ab.