Basketball

Bayern München bringt Glamour in eine graue Liga

Wie die Basketball-Bundesliga von ihrem prominenten Aufsteiger profitieren will: Uli Hoeneß soll sich persönlich um den Abschluss des neuen TV-Vertrages kümmern.

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Mike Koch ist Schalke-Fan. Die Bayern mag er „eher nicht so“. Obwohl – eines hat ihm schon imponiert: Wie sie sich durch die Zweite Liga gekämpft und auf eine Wildcard für die Bundesliga verzichtet haben. Die hätten sie fordern können und vermutlich auch bekommen. Aber sie haben den Aufstieg sportlich geschafft; am Montag treten sie im Saisoneröffnungsspiel in Bonn an, das sie 76:80 (72:72, 38:37) nach Verlängerung verloren. Koch freut sich wahnsinnig darauf. Es ist ausverkauft, das Fernsehen überträgt live, die Atmosphäre wird unbeschreiblich sein. Er sagt: „Bayern München tut uns richtig gut!“

Natürlich ist nicht vom Fußball die Rede, was hätten Gomez und Ribery auch in der Zweiten Liga zu suchen, sondern von der Basketball-Bundesliga, kurz BBL. Mike Koch trainiert die Telekom Baskets Bonn. Als Spieler wurde er 1993 Europameister, war sechsmal Deutscher Meister und gewann mit Panathinaikos Athen sogar die Euroleague, die Champions League des Basketballs.

"Den kennt sogar die Oma aus Uelzen"

Die meisten Deutschen werden trotzdem mit seinem Namen eher wenig anfangen können. „Den Uli Hoeneß und den FC Bayern München“, sagt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer, „den kennt sogar die Oma in Uelzen.“ Deshalb sind sie beim Verband happy, dass eine der bekanntesten Sportmarken der Welt jetzt hilft, den Aufschwung zu beschleunigen. Ein Klub als Star für eine Liga, die sich immer Stars gewünscht hat.

„Ich sehe das als Geschenk“, sagt Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin. „Jeder weiß, dass das der Liga einen Schub geben wird.“ Bisher war sein Verein der Krösus und „FC Bayern des Basketballs“; nun nimmt das Original den ihm zustehenden Platz ein. Mit Macht, dem bekannten „Mia san mia“. Und viel Geld: Auf über sieben Millionen Euro wird der Saisonetat der Münchner taxiert – es ist der höchste der Liga. Vier Nationalspieler und den bisherigen Bundestrainer Dirk Bauermann haben die Bayern in ihren Reihen, dazu erstklassige Ausländer. Gefragt nach ihren Titelfavoriten nannten immerhin vier der 18 Bundesliga-Trainer den Aufsteiger.

Für fünf Millionen Euro wurde die alte Olympiahalle in München für die Bundesliga herausgeputzt und auf modernsten Stand gebracht. Bei der Einweihung am Donnerstag sahen 6100 Zuschauer ein 78:73 über den Europaligisten Fenerbahce Istanbul. Im Publikum feierten Edmund Stoiber, Paul Breitner, Bastian Schweinsteiger und seine Freundin Sara Brandner die neuen Bayern-Heroen. Ein bisschen Glamour, den die etwas graue Liga sehr gern mitnimmt.

„Unser Ziel ist es, bis 2020 die stärkste nationale Liga Europas zu sein“, sagt Pommer. „Dafür müssen wir mehr Menschen erreichen, allgemein am Sport Interessierte.“ Das könne man am besten mit einem Vehikel wie dem FC Bayern München. „Der genießt natürliche Aufmerksamkeit für alles, was er tut.“ Wolfgang Heyder, Manager des Meisters Brose Baskets, macht diese Erfahrung fast täglich und findet dafür nur ein Wort: „Irrational.“

Das Heimspiel der Brose Baskets gegen die Bayern am 7. Januar ist jetzt schon ausverkauft. Für die vier Vip-Logen, die nicht fest vergeben seien, sondern in den freien Verkauf gingen, habe er über 60 Anfragen erhalten. In jedem Gespräch mit Sponsoren werde er auf den Aufsteiger angesprochen. Er sagt ihnen dann, was er allen sagt: „Die Bayern werden richtig angreifen, die machen das nicht just for fun.“

Publikumsmagnet FC Bayern

Das Interesse in Bamberg ist kein Einzelfall. In Bonn hätten sie „10.000 Tickets verkaufen können“, wie Präsident Wolfgang Wiedlich sagt. Bei 6000 ist die Halle aber voll. Die Eisbären Bremerhaven ziehen für die Partie gegen München am 11. Dezember nach Bremen um, wo sie 10.000 statt der üblichen 4000 Fans unterbringen können. Knapp die Hälfte der Tickets ist schon weg. Ihren Rekord der vergangenen Saison, als durchschnittlich 4000 Zuschauer kamen, da ist sich Pommer sicher, „wird die BBL erneut deutlich verbessern“.

Noch wichtiger für die Liga: Bisher sitzen bei den von Sport1 live übertragenen Spielen in der Punkterunde selten mehr als 100.000 Menschen vor dem Fernseher. Eine deprimierende Zahl. Nicht zufällig ist die Partie der Bayern morgen um 14 Uhr in Bonn das erste Fernsehspiel. Sport1 ist dabei; auch der Bayerische Rundfunk zeigt abends Ausschnitte. Pommer ist optimistisch, „dass die Bayern uns mehr Zuschauer bescheren“. Denn: „Wenn am Mannschaftsbus des FC Bayern ein Reifen gewechselt wird und man das live überträgt, da schauen schon mal 50.000 Leute a priori zu.“

Hoeneß kündigt seine Hilfe an

Bayern-Präsident Hoeneß hat angekündigt, sich einzuschalten, wenn Ende dieser Saison ein neuer Fernseh-Vertrag ausgehandelt werden soll. Man kann sich ausmalen, dass in den Köpfen der TV-Oberen bei solchen Gesprächen die Gedanken auch schon mal zu Ribery oder Robben schweifen. Jedenfalls hofft Pommer: „Uli Hoeneß hat eben noch ein paar Pfunde, mit denen er wuchern kann.“

Doch so sehr alle Bundesligisten den reichen Aufsteiger willkommen heißen – Furcht vor einer sportlichen Dominanz, wie sie einst Bayer Leverkusen oder Alba Berlin mit je sieben Meistertiteln in Folge auch dank finanzieller Überlegenheit auslösten, hat die Konkurrenz offenbar nicht. Zwar wird nicht jeder Befragte so kess reagieren wie Albas Nationalspieler Heiko Schaffartzik: „Ich glaube, Bayern München wird als Aufsteiger gegen den Abstieg spielen. Ich glaube, da sind sich alle einig.“ Aber Furcht?

„Sicher werden die irgendwann Meister“, glaubt Heyder, „aber es gibt auch limitierende Faktoren.“ Viel Geld wurde zunächst in die Infrastruktur des Vereins gesteckt. Trainer Dirk Bauermann und vier Nationalspieler kamen erst spät zur Münchner Mannschaft, weil sie Deutschland bei der EM vertraten. Und es haben Spieler, die für die Zweite Liga geholt worden waren, laufende Verträge.

„Es wird mehr Wettbewerb erzeugt, das belebt das Geschäft, aber ich sehe die Bayern nicht als sportliche Bedrohung“, findet auch Hermann Schüller, Geschäftsführer der Baskets Oldenburg, Meister von 2009. „Natürlich haben die Bayern andere finanzielle Möglichkeiten. Aber auch andere Vereine wie wir haben eine gute Entwicklung bei den Sponsoren, haben sich organisch entwickelt, gute Strukturen aufgebaut.“

Koch und seine Bonner zählen eher nicht zu den ersten Titelanwärtern. Aber einen Favoriten ärgern, das können sie immer. Gegen die Bayern, sagt der Trainer, „da braucht man keine Motivationspeitsche“. Zum Auftakt sei München ein guter Gegner: „Die werden im Laufe der Saison sicher besser werden.“ Und alle wollen die Ersten sein, die Bayern schlagen. Auch wenn es nur im Basketball ist.