Drei Tore gegen Werder

Abdellaoue ist Hannovers unbezahlbares Schnäppchen

Nach zehn Toren in zehn Pflichtspielen erklärt Hannovers Klubchef Martin Kind Stürmer Mohammed Abdellaoue für unverkäuflich.

Sein dritter Treffer kam wie eine kleine Frechheit daher. Kühl und gelassen schob Mohammed Abdellaoue (25) den Ball ins Tor, während Bremens gesamte Abwehr vergeblich auf einen Pfiff des Schiedsrichters wartete. „Ich dachte auch erst, dass es Abseits war. Aber in solchen Momenten muss der Ball erst mal ins Tor, und dann siehst du, was passiert“, sagte der Held eines bemerkenswerten Fußballspiels.

Drei Treffer von Abdellaoue genügten Hannover 96 für ein 3:2 (2:1) gegen Werder. Und alle wunderten sich darüber, wie besonnen und zurückhaltend er mit seinem Triumph umging. „Die Coolness vor dem Tor – das musst du jeden Tag trainieren“, sagte Abdellaoue, der einen Foulelfmeter nutzte und zweimal nach gekonnten Vorlagen zur Stelle war.

Zumindest 60 Minuten lang hatten sie ihn mitspielen lassen. Immer wieder hat Abdellaoue, der sich und seinem Körper nur ungern eine Auszeit gönnt, mit muskulären Problemen zu kämpfen. Aber bei dem Versuch, Hannover 96 erneut im oberen Viertel der Bundesliga-Tabelle zu halten, mag Trainer Mirko Slomka einfach nicht auf seinen Torjäger verzichten. „Es ist angesichts der hohen Belastung immer ein Risiko, ihn gleich wieder ins Spiel zu werfen“, gesteht der Erfolgstrainer, der mit den Niedersachsen schon am Donnerstag in der Europa League jubeln durfte, weil Abdellaoue das 2:1 bei Worskla Poltawa ermöglicht hatte.

Zehn Tore in zehn Pflichtspielen belegen aber, dass Hannover 96 es sich im Grunde gar nicht leisten kann, auf den überragenden Spieler zu verzichten. In der vergangenen Saison hatte der Ivorer Didier Ya Konan an der Seite von Abdellaoue den Part des Erfolgsgaranten übernommen. Mittlerweile sind die Rollen vertauscht. „Moa“, wie ihn seine Kollegen nennen, ist zum anerkannten Führungsspieler aufgestiegen und beißt angesichts von Verletzungsprobleme auf die Zähne. „Er zahlt das Vertrauen, das ihm die Mannschaft schenkt, mit Toren zurück“, sagt Mittelfeldspieler Christian Pander anerkennend.

Schmadtkes geschickte Transferpolitik

Wie es dazu kommen konnte, dass sich Hannover als Heimat für Stürmer entpuppt, die erst kaum einer kannte, und die dann sogar international aufhorchen lassen, darf meistens Jörg Schmadtke erklären. Auch am Sonntagabend, als das 96-Team seinen sehenswerten Erfolg im Nordderby gegen Werder Bremen feierte, war die geschickte Transferpolitik des Sportdirektors wieder Thema. Schmadtke hat Ya Konan und Abdellaoue in den Niederungen des norwegischen Fußballs entdeckt und zum Schnäppchenpreis nach Hannover geholt.

Weil sich abzeichnet, dass die Höhenflüge der beiden Stürmer keine kurzfristigen Luftnummern sind, wird mittlerweile auch die deutlich zahlungskräftige Konkurrenz aufmerksam. „Gerüchte gehören zum Fußball“, sagt Mohammed Abdellaoue, auf ein mögliches Interesse von Arsenal London an seinen Künsten angesprochen. „Ich fühle mich in Hannover sehr wohl. Wir haben hier eine fantastische Zeit zusammen.“

Was bei ihm charmant klingt, bringt der Klubchef viel deutlicher auf den Punkt. „Abdellaoue ist unverkäuflich und hat bei uns einen Vertrag bis 2014. Was danach passiert, entscheiden nicht wir, sondern der Markt“, befürchtet Martin Kind. Der sonst so zurückhaltende Präsident stimmte nach Abdellaoues Galaauftritt am 8. Spieltag ungewöhnlich euphorische Lobeshymnen auf den Angestellten an. „Ich mag ihn als Spieler und als Typ. Er ist unglaublich gefährlich. Und du wirst ihn nie überschwänglich erleben. Das finde ich super“, sagte der mächtige Klubchef.

Im Sommer 2010, als Abdellaoue nach einer Saison beim norwegischen Klub Valerenga IF ohne Verschnaufpause sein Debüt in der Bundesliga gab, begann seine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Der norwegische Nationalspieler mit marokkanischen Vorfahren gilt als perfekte Schlusspointe für Hannovers erfolgreiche Taktik: erst Ball und Gegner jagen, dann blitzschnell kontern. Slomka hat es geschafft, das richtige System für jenes Personal zu finden, das ihm Schmadtke trotz äußerst geringer finanzieller Möglichkeiten zur Verfügung gestellt hat.

Für Abdellaoue haben die Niedersachsen gerade einmal eine Millionen Euro Ablöse überweisen müssen. Und sein Transfer wirft die Frage auf, warum es die Scouts der anderen Bundesligavereine nicht bis nach Norwegen geschafft haben. „Wir suchen auch da noch nach Verstärkungen, wo andere nicht mehr hinsehen“, verrät Jörg Schmadtke voller Stolz.

Um Großverdiener wie Claudio Pizarro, der für Werder zum 2:3 traf, braucht sich der Sportdirektor gar nicht zu bemühen. Um Problemkicker wie Marko Arnautovic, der das Bremer 1:2 beisteuerte und nach einem Foul an Sergio Pinto die Rote Karte sah, macht Schmadtke einen großen Bogen.