Auf dem EM-Weg

Diese Nationalmannschaft ist kein Zufallsprodukt

Die Nationalelf siegt auch im letzten Spiel des Jahres. Ihr Aufstieg ist beispielhaft. Und das nicht nur für die Fußballwelt.

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Die letzte Schlacht ist geschlagen, und sie war siegreich: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich fulminant von ihren Fans verabschiedet, der 3:0-Sieg gegen die Niederlande war der Abschluss eines außergewöhnlichen Länderspieljahres. Von 13 Partien gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw neun, und nur eine ging verloren. Die Qualifikation für die Europameisterschaft gelang gar ohne Punktverlust.

Es war das Reifejahr einer Mannschaft, die sich nun endgültig zum Favoriten auf den EM-Titel aufschwang. Die zahlreichen jungen Spieler, viele kaum älter als 20 Jahre, haben eine Gabe bewiesen, die nicht nur im Fußball wertvoll ist: Stabilität. Das Abrufen von guten Leistungen zum richtigen Zeitpunkt war schon immer eine Stärke deutscher Nationalmannschaften. Allerdings macht es nun auch Spaß, zuzugucken.

Die positive Entwicklung im Elitekader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist allerdings weder Zufallsprodukt noch glückliche Fügung. Sie ist das Ergebnis einer mittlerweile elfjährigen intensiven Nachwuchsförderung. Die rief der DFB in seiner schwersten Stunde ins Leben – als das Nationalteam 2000 in der Gruppenphase der Europameisterschaft schmachvoll scheiterte.

Die langfristig angelegte, planvoll durchdachte Aufbauarbeit taugt als gutes Vorbild für viele andere Bereiche unserer Gesellschaft. Nehmen wir die Finanzwelt: Auch sie hat einst ihre Tugenden vergessen und ist nun auf der Suche nach neuen Grundwerten.

Solide Portfolios wurden als spießig verlacht, während der Neue Markt mit zwei- oder gar dreistelligen Prozentzuwächsen lockte. Die Immobilienblase wurde sehenden Auges aufgeblasen, bis sie allen um die Ohren flog.

Man sollte den Fußball nicht überbewerten, und nicht immer taugt er als Parabel für das ganze Leben. Doch wer ein Beispiel für den Aufbau verlässlicher Strukturen sucht, darf gern einen Blick riskieren.