Kolumne "Abschlag"

Tiger Woods trifft auf den beleidigten Ex-Caddie

Steve Williams zeigte sich nach seinen rassistischen Schmähungen gegenüber Tiger Woods reuig. In Melbourne treffen die beiden wieder aufeinander.

Foto: AFP

Wie sehr haben wir ihn doch auf der internationalen Golfbühne vermisst. Tiger Woods , den unumstrittenen Superstar der Branche, der erst über ein Jahrzehnt die Golfwelt nach Belieben beherrschte und sich einen Status erarbeitete, wie man das sonst nur von einem Michael Jordan kannte. Und dessen gescheiterte Ehe samt Rosenkrieg mit Exfrau Elin in epischer Breite die Titelgeschichten des Boulevards und der Fachpresse füllte.

Jeder seiner Comebackversuche in den vergangenen zwei Jahren wurde zur Rettung des Golfsports ausgerufen, obwohl sich längst neue, interessante Spieler aus seinem überlangen Schatten befreien konnten. Aber es war eben kein zweiter Tiger darunter.

Die Golfwelt will Woods sehen, mit ihm auf dem Platz fiebern und leiden, abseits des Platzes an seinem Leben teilnehmen. Seien es Gerüchte um seine angeschlagene Gesundheit oder Neuigkeiten in seinem Privatleben.

Woods in guter Form

Auch der Presidents Cup, der am Donnerstag im australischen Melbourne beginnt, steht ganz im Zeichen des 35-jährigen Amerikaners. Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen muss Woods all seinen Kritikern und Neidern beweisen, dass er der US-Mannschaft im Lochwettspiel gegen das internationale Team aus Südafrikanern, Australiern und Asiaten tatsächlich sportlich helfen kann. Anzeichen dafür gibt es: Woods präsentierte sich vergangene Woche bei den Australian Open mit einem dritten Rang in bestechender Form.

Zum anderen steht der Superstar aus einem anderen Grund im Mittelpunkt, der deutlich unangenehmer ist und von außen an ihn herangetragen wurde. Sein Ex-Caddie Steve Williams, der seinen Rauswurf im Sommer offensichtlich immer noch nicht verkraftet hat, leistete sich vor zwei Wochen bei einer Caddie-Veranstaltung während eines großen Turniers im chinesischen Shanghai eine rassistische Bemerkung über Tiger .

Auf die Frage nach seinem neuen Engagement beim Australier Adam Scott, das mit dem Turniererfolg bei der Bridgestone Invitational ja gleich spektakulär begonnen hatte, wurde Williams wörtlich zitiert: „Es war mein Ziel, ihm in seinen schwarzen A… zu treten.“

Der Aufschrei war groß. Williams’ rassistische Entgleisung wurde an englischsprachige Medien weitergegeben, die diese Info genüsslich ausschlachteten. Williams selber, der von der Wucht seines „Scherzes“ am nächsten Tag überrollt wurde, bemühte sich sogleich um Schadensbegrenzung.

Nach einer offiziellen Entschuldigung auf seiner Website flog Williams sogar nach Australien und entschuldigte sich persönlich bei Tiger für diese „nicht ernstgemeinte“ Aussage. Woods selber akzeptierte und äußerte sich in einer Pressekonferenz wie folgt: „Wir haben darüber gesprochen. Wir sind uns einig, dass es falsch war, so etwas zu sagen. Natürlich sei es verletzend gewesen, aber das Leben geht weiter.“

Am Donnerstag treffen sich die Ex-Geschäftspartner wieder. Beim ersten Tag des Presidents Cup stehen sich im klassischen Vierer Woods/Steve Stricker und Adam Scott/K.J. Choi gegenüber. Nicht ganz zufällig, verspricht die Paarung doch Aufmerksamkeit für das Ereignis in Melbourne. Und die Chance auf einen Schlussstrich unter der Affäre.

Kein Platz für Rassismus

Der Branche wäre es recht, passen Rassismusvorwürfe doch überhaupt nicht in das florierende Geschäft. Sowohl Williams’ neuer Arbeitgeber Adam Scott als auch der Kapitän des Internationalen Teams, Greg Norman, sprachen den Neuseeländer von jeder Form der Rassendiskriminierung frei. Dieser Meinung schloss sich übrigens auch Woods selber an: „Steve ist kein Rassist, daran gibt es keinen Zweifel, er war mir seit 1999 stets Partner, Freund und Beschützer in einem. Die Sache ist vom Tisch.“

Rassismus hat im internationalen Golfsport wahrlich keinen Platz mehr. Vorbei sind zum Glück die dunklen Seiten der Apartheid in Südafrika in den 60er und 70er Jahren, als Schwarzen noch der Zugang zum Golfsport verwehrt wurde. Seit vielen Jahren gibt es Förderprogramme, um benachteiligten Bevölkerungsschichten Golf zu ermöglichen.

Vor allem seit den Erfolgen von Tiger ist in den USA das Interesse am Golfsport gewachsen. Woods selber hat auch einen großen Beitrag geleistet, um rassistische Strukturen in elitären Privatclubs wie dem Augusta National Golf Club im Süden der USA aufzuweichen.