Reit-Olympiasieger

Hicksteads Reiter Lamaze denkt über Rücktritt nach

Auch Tage nach dem Tod seines Pferdes Hicksteads ist der Kanadier Eric Lamaze erschüttert. Er entscheidet in den nächsten Wochen, ob er seine Karriere fortsetzt.

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Die Stimme stockte, die Augen füllten sich mit Tränen. Olympiasieger Eric Lamaze war auch zwei Tage nach dem Tod seines Top-Pferdes Hickstead noch völlig schockiert und aufgewühlt. Ohne Hickstead droht dem Weltranglistenersten die sportliche Bedeutungslosigkeit, deshalb denkt Lamaze auch laut über ein mögliches Ende seiner Karriere nach.

„Er war das beste Pferd in der Geschichte, und vielleicht wird es nie wieder einen wie ihn geben“, sagte der 43-Jährige im Rahmen einer Pressekonferenz in Toronto. Der 15 Jahre alte Hengst war beim Springreiter-Weltcup am Sonntag in Verona vor den Augen tausender Besucher im Parcours zusammengebrochen und noch an Ort und Stelle gestorben.

Selbst im Tod sei das Pferd noch um die Sicherheit seines Reiters bemüht gewesen, sagte Lamaze mit zittriger Stimme: „Er ist so gefallen, dass er mich dabei nicht verletzen konnte. Er wollte, dass ich okay bin, am Ende lag er direkt neben mir.“ Hickstead habe seine Karriere und sein Leben verändert: „Und er hat mir alles bedeutet.“

In der Reiterei sei es anders als in den meisten übrigen Sportarten. „Man entscheidet sich für den Sport, weil man ihn liebt, aber ein Reiter entscheidet sich auch deshalb dafür, weil er das Tier liebt“, sagte er: „Wenn ein Pferd stirbt, ist das etwas anderes, als wenn beim Hockey oder beim Tennis ein Schläger zu Bruch geht.“

Für Lamaze wird es nun eng. Eigentlich wollte er bei Olympia in London 2012 mit Team Canada an den Start gehen, doch bis zum 31. Dezember muss er einen Nachfolger für Hickstead gefunden haben. „Wir haben zwar ein paar hervorragende Pferde im Stall, die gut genug für Olympia sind, aber nicht gut genug für eine Medaille“, gab er zu. Lamaze will in den nächsten Wochen entscheiden, ob er in London antreten oder seine Karriere beenden wird.

Hickstead galt neben neben Shutterfly als das beste Springpferd der letzten Jahre. Er trug seinen Reiter bei Olympia 2008 in Hongkong zum Königssieg im Einzel und 2010 in Aachen zum Triumph im Großen Preis. Lamaze galt lange als Skandalreiter, er war überführter Kokain- und Dopingsünder, ehe mit Hickstead der Neuanfang gelang.

Der Weltverband FEI sprach dem Reiter sein Beileid aus. „Der plötzliche Verlust eines Pferdes ist für jeden Reiter schwierig. Doch bei Hicksteads Tod handelt es sich wegen des besonderen Charakters und der besonderen Geschichte des Pferdes um einen speziellen Fall“, sagte FEI-Chefveterinär Graeme Cooke.

Wie Cooke mitteilte, muss gemäß FEI-Regularien jedes Pferd, das während eines Wettkampfs stirbt, untersucht werden. Auch der Verband bestätigte, dass die ersten Untersuchungen den Aortenabriss als Ursache ergeben hätten. „Das ist aber im Springreiten ein ungewöhnlicher Vorfall“, sagte Cooke, der weitere Untersuchungen ankündigte: „Vielleicht werden wir die Ursache für diesen Aortenabris s nie finden.“