Overaths Abgang

Nur die Personalie Podolski eint den 1. FC Köln

Nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Overath muss schnell eine neuer Chef gefunden werden. Denn es geht um die Zukunft von FC-Idol Lukas Podolski.

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Es war eine Szene, die viel über die Gemengelage beim 1. FC Köln aussagte. Nicht nur über mangelhafte Umgangsformen, sondern vor allem über die Zerrissenheit des Vereins.

Viereinhalb Stunden lief die Jahreshauptversammlung schon, der überraschende Rücktritt von Präsident Wolfgang Overath und seiner beiden Stellvertreter war längst verkündet, da musste das Sicherheitspersonal ausrücken. Die Fans der Pro-Overath-Fraktion waren mit jenen der Kontragruppe aneinandergeraten. Es entwickelte sich ein Handgemenge, deren Schlichtung einiges Personal in Anspruch nahm.

Seit Sonntagnachmittag ist der Bundesligaklub ohne Präsidium. Kommissarisch hat Werner Wolf, der neu gewählte Chef des Verwaltungsrates übernommen. Doch was heißt das nun für einen Klub, der von den einen immer noch als Traditionsverein, geleitet von Emotionen, Personenkult und reichlich Folklore wahrgenommen wird.

Und den andere gern in die Moderne führen wollen, als marktorientiertes Fußballunternehmen. Overath, das Idol der 60er- und 70er-Jahre, gehörte der ersten Fraktion an, ihm haftete immer ein Alleinherrscherimage an, auch wenn er es stets von sich wies. In seiner Amtszeit häufte der Klub mehr als 30 Millionen Euro Schulden an.

Trainer kamen und gingen – insgesamt waren es acht –, auch wenn der FC mit Sportdirektor Volker Finke und Trainer Stale Solbakken nun so professionell wie lange nicht dasteht.

Die, die Overaths Rücktritt bejubeln, sehen darin eine Chance für neue Visionen, für mehr Mitgliederrechte. Als Overath seinen Abschied verkündete, da sprach er nicht nur über Enttäuschung und Frust und von jener „kleinen Gruppe“ an Fans, von der er sich auf eine bislang „nicht erlebte Art verunglimpft“ fühle.

Angebote werden geprüft

Er sagte auch einen Satz, der auf Dissonanzen zwischen den Vereinsoberen vor allem wohl mit Geschäftsführer Claus Horstmann hinweist. Sicherlich sei es gut, dass Fachleute im Klub seien, sagte Overath, „aber man darf auch das Herz nicht vergessen“.

Eine Personalie jedoch eint sie alle beim FC: Lukas Podolski, dessen Vertrag bis Sommer 2013 datiert ist und der die Seele des Kölner Spiels verkörpert. Vor ein paar Tagen war er recht offensiv mit seiner Vertragssituation umgegangen. Er müsse auf Kölns Entwicklung schauen und werde Angebote prüfen , hatte der deutsche Nationalspieler gesagt.

In Köln wollen sie ihn halten, auf Gedeih und Verderb. Andererseits könnte mit den Podolski-Millionen der Verein gesunden, und Leihspieler wie Ammar Jemal könnten verpflichtet werden, für deren Verbleib über die Saison hinaus momentan das Geld fehlt.

Zumindest im kommenden Sommer ließe sich durch einen Podolski-Wechsel noch ein hübsches Sümmchen einnehmen. Von 25 Millionen Euro ist die Rede. Doch das sind Überlegungen, die jetzt andere anstellen müssen und nicht Overath.