"Auszeit"

Ab in die Wüste mit Fata Morganas!

Dürfen es auch drei Grad mehr sein? Katar versucht, mit optimalen Stadiontemperaturen zu punkten, um so große Sportereignisse ins Land zu holen.

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Watscheln zwei Pinguine durch die Wüste. Sagt der eine: „Donnerlittchen, muss das glatt sein hier!“ Darauf der andere: „Wie kommst du denn darauf?“ „Na, schau dich doch mal um, wie die hier gestreut haben!“

Nicht auszuschließen, dass dieser wüste Witz am Persischen Golf spielt, in Katar genauer, wo der Wind einem bisweilen ins Gesicht weht wie ein heißer Fön auf Stufe drei, wo die Scheichs es halten wie ein japanischer Autohersteller in seiner Werbung („Nichts ist unmöglich“), und wo es auf ein paar Riyal fuffzig nicht ankommt. Klappt es mit der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2020 in Katar nicht, scherzt schon mancher, werde sich Doha sicherlich für 2022 erneut bewerben. Dann eben für die Winterspiele.

Welche kühnen Visionen den Wüstenstaat sonst noch so umtreiben, vernahm die Welt mit Erstaunen am Wochenende. In Monte Carlo buhlte Doha (erfolglos) um die Ausrichtung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017, und die Bewerber stellten nicht weniger in Aussicht, als optimale Temperaturen zu schaffen für jede Disziplin, ermittelt von Wissenschaftlern. Das Stadion ein bisschen heißer für die Sprinter? Kein Problem. Kühle Luft für die Dauerläufer? Bitte sehr! Und das alles mit Hilfe von Solarenergie.

Offensichtlich aber hielten diese Vision selbst die Traumwelten nicht abgeneigten Herren Sportfunktionäre * mit Ausnahmen * für eine Fantasie aus 1001 Nacht und energetisch gesehen für gar zu kühn. Ob manch einer wohl an Helmut Schmidt gedacht hat? „Wer Visionen hat“, empfahl der Bundeskanzler dereinst, „soll zum Arzt gehen.“ Ab in die Wüste mit den Fata Morganas!