EM-Qualifikation

Zitterspiele für Portugal und Frankreich

Frankreich und Portugal brauchen mindestens ein Unentschieden gegen ihre Verfolger Bosnien und Dänemark, um sich direkt für die EM zu qualifizieren.

Foto: REUTERS

Das erste Gefecht vor dem entscheidenden Duell eröffneten die Franzosen. Aus ihren Reihen drang der Vorwurf, dass sich beim Gegner Bosnien-Herzegowina ein Spieler fortwährend der Theatralik hingibt. Namentlich: Miralem Pjanic vom FC Valencia. Adressat: Frankreichs Verteidiger Adil Rami. „Pjanic ist eine Heulsuse, lässt sich ständig fällen, das ist nervtötend“, sagte Rami.

Natürlich ist so eine Anfeindung vor einem wegweisenden Spiel wie der EM-Qualifikations partie am Dienstag im Stade de France ein gefundenes Fressen für den Konkurrenten. Es entwickelte sich jedenfalls ein verbales Scharmützel.

Der bosnische Abwehrspieler Emir Spahic, ein Cousin des ehemaligen Wolfsburger Spielers Edin Dzeko , empörte sich und deutete es als „eine gezielte Provokation“, was es wohl auch sein sollte. Pjanic sagte, es sei ihm „scheißegal, was der Rami sagt“. Wohingegen wiederum Frankreichs Stürmer Loic Remy verkündete, er sei bereit, „am Dienstagabend in den Krieg zu ziehen“.

Die Dramaturgie war also schon vor dem Spiel da, dabei hätte die Partie allein schon genug Spannung hergegeben. Frankreich ist eine der Fußball-Großmächte, die am Dienstag im letzten Gruppenspiel um die Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 spielen.

Das Team ist Erster der Gruppe D , Bosnien-Herzegowina der direkte Verfolger. Die Franzosen brauchen ein Remis, um sich direkt für die EM zu qualifizieren. Sie könnten zwar selbst bei einer Niederlage noch den Umweg über die Play-off-Spiele nehmen. Aber das würde im eigenen Land als Blamage gewertet werden – und die gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Denn die französische Mannschaft ist ja zur großen Wiedergutmachungstour angetreten, nachdem sie im vergangenen Sommer bei der Weltmeisterschaft in Südafrika kläglich als Gruppenletzter gescheitert war und mit der Spielerrevolte gegen den mittlerweile entlassenen Trainer Raymond Domenech einen Skandal sondergleichen ausgelöst hatte.

Der neue Chef auf der Trainerbank, Laurent Blanc, hat zumindest die Mannschaft wieder auf ein gemeinsames Ziel einschwören können. Von Revolutionsgedanken ist nichts mehr zu spüren, was den Glauben an eine bessere Zukunft zurück gebracht hat. 14 Spiele in Folge hat das Team nicht mehr verloren, doch es spielt aus Sicht der Franzosen auf Bewährung. Alles andere als die direkte Qualifikation wäre unverzeihlich.

Auf dem Rivalen lastet dagegen weit weniger Druck: Mit dem Erreichen der Play-off-Runde wäre unser Ziel schon erreicht“, sagte Nationaltrainer Safet Susic. Sein französischer Kollege Blanc beteuert deswegen, dass er auf Sieg spielen lasse und gar nicht erst an die Möglichkeit eines Remis denke: „Denn dann kannst du Spiele am ehesten verlieren“.

Allerdings sind die Voraussetzungen nicht die besten. Zum einen zählt der Gegner um Superstar Dzeko von Manchester City nicht zur Laufkundschaft im europäischen Fußball, was die Spieler mit bewusst cooler Attitüde auch zum Ausdruck bringen.

„Wir sind mental viel stärker als früher und haben in Paris etwas vor“, sagte etwa Verteidiger Spahic. Zum anderen muss Blanc auf eine ganze Reihe verletzter Stammspieler verzichten. Frank Ribery vom FC Bayern fehlt ebenso wie Real Madrids Karim Benzema, und nun drohen auch Eric Abidal vom FC Barcelona und Patrice Evra von Manchester United auszufallen. „Jedes Mal, wenn der Arzt mein Zimmer betritt, meldet er einen neuen Ausfall“, klagte Blanc.

Selbst der Heimvorteil droht abhanden zu kommen. Für Plätze im Pariser Stadion sind zwar seit Wochen keine Eintrittskarten mehr zu bekommen. Auch hat der Verband Bosnien-Herzegowinas nur das übliche Kontingent von 3350 Tickets bekommen.

Ronaldo in Kopenhagen

Erwartet aber werden rund 20.000 Zuschauer mit bosnischen Vorfahren. Gut nur, dass zumindest Spielgestalter Samir Nasri (Manchester City) fit ist und prompt einen Sieg verspricht. Er sagte: „Wir können gar nicht auf Ergebnis, also remis spielen. Wir sind schließlich keine Italiener.“

Die aber sind immerhin schon qualifiziert – ebenso Deutschland, die Niederlande, England, Spanien sowie die Gastgeber Polen und Ukraine . Zusammen mit Frankreich muss deswegen auch noch das Starensemble aus Portugal um die direkte EM-Qualifikation fürchten.

Der Gruppenerste um Angreifer Cristiano Ronaldo trifft am Dienstag in Kopenhagen auf den punktgleichen Tabellenzweiten Dänemark. Den Portugiesen würde ein Unentschieden genügen, aber im Extremfall könnte ihnen auch das Aus drohen.

Bei einer hohen Niederlage und einem gleichzeitigen hohen Sieg Norwegens über Zypern könnten die Südeuropäer auf Platz drei abrutschen. Weil das aber aller Voraussicht nach nur Theorie sein wird, bleibt dem exzentrischen Superstar Ronaldo Zeit für die Pflege seiner Eitelkeit. Seinen Auftritt in Kopenhagen sieht er als Dienst am Fußballvolk: „Jeder, der den Fußball liebt, freut sich, wenn Cristiano Ronaldo spielt.“