Abu Dhabi

Sebastian Vettel und die Rekordjagd in der Wüste

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel kann im vorletzten Saisonrennen in Abu Dhabi, dem einzigen Grand Prix, der bei Dämmerung startet, einen Hattrick schaffen.

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Beim Gedanken an sein Märchen aus Tausendundeiner Nacht wird Sebastian Vettel stets warm ums Herz. "Das war ein sehr emotionaler Moment", sagte der Formel-1-Weltmeister vor der Rückkehr nach Abu Dhabi ein knappes Jahr nach seinem ersten WM-Triumph: "Ich hab nach oben gesehen und gebetet: Bitte lass es geschehen, zwick mich bloß keiner und sage, ich habe geträumt. Normalerweise träumt man so was nur. Und hier wurde es wahr."

Vettels erfolgreiche Titelverteidigung steht vor dem vorletzten Saisonrennen auf dem futuristischen Yas Marina Circuit (Sonntag, 14 Uhr, RTL und Sky) lange fest. Die Nerven werden geschont, der sportliche Anreiz ist durch die Jagd nach Rekorden aber weiterhin da. Allein in Abu Dhabi kann Vettel eine Bestmarke verteidigen, drei einstellen, zwei alleinige erreichen und Michael Schumachers Fabelrekord von 13 Saisonsiegen weiter im Blick behalten. "Gott sei Dank sind wir diesmal sehr entspannt", sagt Red-Bull-Berater Helmut Marko mit Blick auf das dramatische Weltmeisterschafts-Finale des Vorjahres, als sich Vettel von WM-Platz drei doch noch seinen ersten Titel schnappte: "Vor allem die letzten zehn bis 15 Runden waren damals sehr strapaziös", ließ der Engländer wissen. Jetzt wolle man lediglich "die letzten zwei Rennen noch gewinnen, um den eigenen Anspruch zu erfüllen. Dass Rekorde dann auch noch purzeln, ist ein Nebenprodukt."

Vettel selbst beteuert immer, dass ihm Statistiken egal seien. "Da wäre ich mir nicht so sicher", sagt sein Teamchef Christian Horner, der dem Hessen die Harakiri-Runde von Indien, als dieser ohne Not, in Führung liegend, noch eine Bestzeit aufstellte, aber verziehen hat. "Er hat sich nach seiner kleinen Show bei mir entschuldigt", sagte er.

"Er kann da nicht aus seiner Haut heraus. Das verstehe ich. Er ist ein Vollblutrennfahrer, auf dem Fußballfeld wäre er Mittelstürmer. Ein Wayne Rooney, der immer Tore schießen will." Vettel brauche diesen Kick, sagte er der "Sport Bild". "Ich weiß, dass mein Team das nicht gerne sieht", meinte er. Ein Rennfahrer dürfe aber nie die Konzentration verlieren, "sonst schleichen sich Flüchtigkeitsfehler ein. Das will ich nicht riskieren."

Bei Dämmerung geht es los

Vettel habe eben seine Statistik verbessern wollen, sagt auch Horner nun. Ein Streber sei der Champion aber nicht. "Streber sind verkrampft, er hat eine nüchterne Intelligenz und ist stets nett dabei", meinte Horner: "Er hat einen Killerinstinkt, dabei sieht er aus wie ein Unschuldslamm. Er ist ein Perfektionist und enorm ehrgeizig. Wenn er vom Fahrerlager zum Parkplatz geht und jemand vor ihm ist, muss er an ihm vorbei. Überholen liegt ihm im Blut."

In Abu Dhabi kann Vettel Nigel Mansells Rekord von Polepositionen in einer Saison (14 in 1992), Schumachers Bestmarke von 17 Podiumsplatzierungen (2002) und Nick Heidfelds Marke von 18 Zielankünften in einem Jahr (2008) einstellen. Er kann zum 17. Mal aus der ersten Reihe starten und damit ebenso alleiniger Spitzenreiter werden wie bei Siegen von der Poleposition in einer Saison, die er derzeit noch gemeinsam mit Mansell (9/1992) anführt. Verteidigen will er seine Führung auf dem Weg zur erfolgreichsten Saison der Geschichte. Bisher holte er 88,0 Prozent aller Punkte, Schumacher hatte es 2002 auf 84,71 Prozent gebracht.

Auf jeden Fall wird der einzige Grand Prix, der bei Dämmerung (17 Uhr Ortszeit) gestartet und in der Dunkelheit beendet wird, wieder ein Ereignis. "Das Rennen besitzt eine einzigartige Atmosphäre und besondere Herausforderungen", sagte Schumacher, der im Vorjahr erstmals in Abu Dhabi fuhr. Bislang gab es dort zwei Rennen, der Sieger hieß jeweils Sebastian Vettel. Der Hattrick winkt. Noch eine Statistik, die es zu verteidigen gilt.