Gastauftritt

Biathlon-Star Magdalena Neuner im "Sturm der Liebe"

Die Biathlon-Olympiasigerin hatte einen Gastauftritt bei der Fernsehserie. Vor der Kamera machte sie weniger Fehler als bei manchem Stehendschießen.

Kurz vor der Mittagspause, als die Szenen in der Hotel-Lobby dann endlich im Kasten waren, da hatte Stefan Jonas noch etwas zu sagen, und er sagte es laut, so laut, dass es auch bei den Requisiten im hintersten Winkel von Studio 4/5 noch zu hören war. „Lena“, rief der Zwei-Meter-Hüne und legte seinen Arm sanft um die Schulter seines gefühlt fünf Köpfe kleineren Ehrengastes, „Lena, ich finde, du hast das ganz hervorragend gemacht. War ganz toll mit dir, ganz große Klasse.“

Dann gab es Applaus von Aufnahmeleitern, Kameramännern, der ganzen Filmcrew. Im Off seufzte noch ein Schauspieler, einer mit einer kleinen Nebenrolle, dass er gerne auch mal so viel Beifall bekäme, aber sonst waren sie alle schwer begeistert. Und sie hatte es wirklich gut gemacht, Magdalena Neuner , bei ihrem Auftritt in „Sturm der Liebe“. Souverän, mit Bravour und deutlich weniger Fehlern als bei manchem Stehendschießen beim Biathlon. Und wenn sie eine Szene neu drehen musste, dann nur, weil andere patzten.

Der „Sturm der Liebe“ pfeift unter der Woche jeden Nachmittag um zehn nach drei im Ersten, und das tut er schon sehr lange. Seit September 2005, einer Zeit, in der ein 18-jähriges Nachwuchstalent namens Magdalena Neuner bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft auf Rollskiern immerhin Achte wurde. Bei Neuners erstem WM-Titel in Antholz 2007 war gerade Folge 315 der Telenovela zu sehen, am Tag ihres ersten Olympiasiegs in Whistler 2010 stürmte die Liebe schon zum 1014. Mal, und als sie diesen März an einem Sonntag in Sibirien ihren zehnten WM-Triumph feierte, sabotierte tags darauf der gemeine André in Folge 1260 die Party von Robert, während Rosalie immer noch das Aus mit Michael beweinte.

Wer die Serie nicht kennt, dem sagt das herzlich wenig, einer Magdalena Neuner dafür umso mehr, als treuer Fan, immer schon. Zu Hause habe sie das oft mit der Mama angeschaut, sagt sie in einer Drehpause, beim Bügeln. Und später dann, beim Training oder in der Saison, da schaut sie dann einfach am Abend. Auf dem Hotelzimmer im Internet. ??Nun durfte sie also selbst mitspielen, Teamkollegin Nadine Horchler hatte ??das beim Sender eingefädelt, im September dann fiel Neuner aus allen Sturmwolken direkt in den siebten Himmel, als sie die Einladung zum Drehtermin bekam. „Da war ich baff.“

Ein Onkel als Soap-Experte

Nervös war sie dann nach eigenem Bekunden auch am Tag, bevor sie von daheim in Wallgau in die Bavaria-Filmstudios im Münchner Süden fuhr. „In der Familie haben sie noch alle gewitzelt“, sagt sie, meint aber, dass sich manch Angehöriger selbst als regelmäßiger Zuschauer enttarnte. „Ich war ganz überrascht, ein Onkel etwa, von dem ich es nie gedacht hätte, der hat sich richtig ausgekannt mit den ganzen Charakteren und der Handlung.“

Magdalena Neuner freilich musste sich bei sechs Szenen für die Folgen 1446 bis 1449 nicht verlieben und auch nicht verstellen, sie spielt ganz einfach sich selbst, den Biathlon-Weltstar, wobei sie da den feschen Fitnesstrainer Nils dann ja doch recht nett und süß findet und ihm dann ja auch VIP-Karten für ein Biathlon-Rennen schenkt. Das eisig abweisende Lächeln einer kühlen Blonden schenkt sie dagegen dem Bürgermeister Pachmeyer, der sie an der Hotelrezeption einlädt, mit auf die Jagd zu gehen, worauf sie dann aber sagt: „Danke, aber ich glaub’, mir geht einfach nix über den Schießstand.“

Zehnmal den gleichen Satz sagen

Diesen Satz musste Neuner am Mittwoch oft sagen, so an die zehnmal, so oft mussten sie die Szene auch drehen, bis Stefan Jonas glücklich war damit. Das lag aber nicht an Neuner. Mal war der Schatten eines Mikrofons zu sehen, mal lief eine Komparsin durchs Bild, mal stolperte der Kameramann über ein Kabel, dass die Aufnahme dann eher verwackelt war, und als mal wieder ein Malheur passiert war und eine Szene abgebrochen wurde, haute Philipp Sonntag, der den Bürgermeister Pachmeyer spielt, seinen Lodenhut so vehement auf den Hoteltresen, dass der wuchtige Gamsbart zitterte.

Philipp Sonntag, ein altbekannter Mime aus vielen TV-Produktionen, sagte danach, er habe schon mit vielen illustren Promis in Gastrollen gedreht, der Kiesbauer, der Furtwängler, mit der Dolly Buster auch schon. Aber dass die Natürlichkeit und das Auftreten der Neuner schon ganz besonders sei, meinte er, und das meinten auch andere. Natürlichkeit war an diesem Tag das Wort, das fast alle gebrauchten, um Neuner zu beschreiben.

Genau die hat sie sich ja auch bewahrt, mit den Jahren und den Erfolgen kam dazu noch ein ordentliches Selbstbewusstsein, das aber nicht arrogant wirkt, sondern einfach souverän. Ihr kann keiner. Ob die Konkurrentinnen im Biathlon oder der Bürgermeister Pachmeyer, Neuner lässt sie einfach alle mit einer ungeheuren Lässigkeit stehen. Sie ist natürlich. Und während sich die Akteure mittags am Catering-Wagen vor der Halle mit Geschnetzeltem, Kartoffeln und Bohnen stärken, spricht auch Stefan Jonas noch einmal von der „Natürlichkeit, die bei Prominenten selten ist“.

Die Biathletin selbst machte dann am Nachmittag ein paar Autominuten weiter noch eine Außenaufnahme im Wald, ein Dauerlauf mit ihrem schnuckeligen Fitness-Coach, danach sagte sie, es habe Riesenspaß gemacht, eine Schauspielkarriere sei aber unwahrscheinlich, und fuhr dann die eine Stunde heim nach Wallgau, um der Familie alles zu erzählen. Dem Papa, der Mama, und dem Onkel freilich auch.

Wann die vier Folgen mit Neuner zu sehen sind, das wussten sie im Team übrigens noch nicht. So um die Jahreswende, hieß es, ein exakter Sendetermin sei aber noch unklar, weil manchmal eine Programmverschiebung dazwischen käme, oft, wie einer aus der Crew sagte, „wegen irgendeiner Wintersportgeschichte“. Biathlon oder so. Dann schießt die Neuner mal wieder quer.

Im März in Ruhpolding, wenn Magdalena Neuner ihre nächsten WM-Titel holt, dann werden sie im „Sturm der Liebe“ schon langsam bei Folge 1500 sein, und egal, ob sie gleich danach ihren Rücktritt erklärt oder noch zehn Jahre weiterläuft: Nach der Karriere hat sie dann auch wieder Zeit, den endlosen Liebessturm live zu sehen. Mit der Mama, nachmittags beim Bügeln.