Tod von Gold-Pferd Hickstead

"Ich habe weggeguckt, weil ich wusste, was kommt"

Nach dem Tod des Weltklasse-Pferdes Hickstead reagieren die deutschen Reiter bestürzt. Christian Ahlmann berichtet von einem ähnlichen Vorfall vor einem Jahr.

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Im Lager der deutschen Springreiter hat man mit Bestürzung und Entsetzen auf den Tod des Weltklassepferdes Hickstead reagiert. Der 15 Jahre alte Hengst war beim Weltcupspringen in der Arena von Verona zusammengebrochen. Im Internet machten die Bilder von dem schrecklichen Unfall schnell die Runde.

Christian Ahlmann und Marco Kutscher starteten im gleichen Springen und bekamen den Vorfall hautnah mit. „Ich war auf dem Abreiteplatz, habe mich gerade vorbereitet und mit einem Auge mitbekommen, was da passiert ist. Ich hab sofort weggeguckt, weil ich genau wusste, was gleich kommt“, erzählte Ahlmann, dem beim Weltcup-Springen in Oslo vor einem Jahr Ähnliches passiert war. Damals war sein Pferd Calvados plötzlich zusammengebrochen und gestorben - allerdings nicht im Parcours, sondern in der Box.

„Ja, das ist ein so schreckliches Erlebnis, das man einfach nicht vergessen kann. Bei Eric wars sogar noch eine ganze Ecke schlimmer. Da ist es passiert, als 10.000 Leute in der Halle waren“, sagte Ahlmann und fügte an: „Ich kann gut mit Eric mitfühlen, wie das ist, solch ein wunderbares Pferd zu verlieren. Es gibt nichts Schlimmeres. Für mich war Calvados auch ein kleiner Hickstead.“

Bundestrainer Otto Becker war ergriffen: „Ein trauriger Tag.“ Becker war zu dem Zeitpunkt in München beim Finale der Riders Tour und verfolgte dort den fünften Triumph von Ludger Beerbaum. „Das Unglück verbreitet sich via Handys wie ein Lauffeuer“, sagte Becker. Das Pferd des Weltranglistenersten Eric Lamaze sei eine „außergewöhnliche Erscheinung“ gewesen, „immer zum Kampf bereit“.

Lamaze steht hilflos daneben

Die Unfall-Videos im Netz verzeichnen hohe Klickzahlen. Dort ist zu sehen, wie der Hengst nach Beendigung des Parcours plötzlich nach hinten austritt, zusammenbricht und auf dem Rücken liegend alle Viere von sich streckt. Lamaze steht hilflos daneben und starrt auf seinen tierischen Partner. Die Zuschauer auf den Tribünen schlagen die Hände vors Gesicht, einige weinen. „In solchen Momenten merkt man, dass es wichtigere Dinge gibt als Nullfehlerritte“, sagte Becker.

Auf der Facebook-Seite von Lamaze liefen ununterbrochen Meldungen der Anteilnahme ein. „Viel Mut“ und „Kopf hoch“, schrieben die Fans. Hickstead werde unvergesslich bleiben. „Adios, Du warst ein Pferd mit großem Herz“ und „Ich bin traurig über den Tod eines Freundes“ hieß es da.

Neuanfang mit Hickstead

Der 15 Jahre alte Hengst war neben Shutterfly das wohl beste Springpferd der vergangenen Jahre. Er trug seinen Reiter bei Olympia 2008 zum Königssieg im Einzel und 2010 in Aachen zum Triumph im Großen Preis, obwohl Teufelsreiter Lamaze im Parcours das Bein brach. Der Kanadier genoss den sportlichen Triumphzug nach einer zuvor schwierigen Zeit. Er galt lange als Kokain- und Dopingsünder, ehe mit Hickstead der Neuanfang gelang.

An eine neue Diskussion über die lauernden Gefahren für Pferde im Springsport glaubt der viermalige Olympasieger Ludger Beerbaum nicht. „Das wäre ja ziemlich an den Haaren herbeigeholt“, sagte der frisch gebackene „Rider of the Year“. „Das war ein Einzelfall. Und es bestand auch nicht der Verdacht einer Überanstrengung“, sagte Beerbaum. Die genaue Todesursache blieb unklar, soll aber in den nächsten Tagen per Autopsie geklärt werden. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Abriss der Aorta-Schlagader.