EM-Qualifikation

Historischer Erfolg der DFB-Auswahl gegen Belgien

Die deutsche Nationalelf hat in der EM-Qualifikation die maximale Punktausbeute erreicht. Aber auch gegen Belgien hielt Neuer seinen Kasten nicht sauber.

Sie hatten nach dem 3:1 in der Türkei angekündigt, dass sie auch gegen Belgien siegen wollen, um sich den Rekord zu holen. Die deutschen Nationalspieler, die vor der Partie bereits für die EM 2012 qualifiziert waren, haben Wort gehalten.

Mit dem 3:1 (2:0) gegen Belgien haben sie den zehnten Sieg im zehnten Qualifikationsspiel für das Turnier in Polen und der Ukraine erzielt. Zuletzt war eine deutsche Nationalmannschaft 1982 ohne Punktverlust durch eine Qualifikation gegangen.

"Die Deutschen lassen nicht nach"

Damals hatte die DFB-Auswahl auf dem Weg zur WM in Spanien aber nur acht Partien bestreiten müssen, weshalb die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des DFB erhält.

„Wir wollten unbedingt das letzte Spiel gewinnen. Am Anfang hatten wir ein bisschen Schwierigkeiten, nach dem 1:0 kamen wir wieder ins Spiel und haben verdient gewonnen“, sagte Mesut Özil, der an allen drei Toren beteiligt war . Löw betonte: „Es war schon wichtig, dass wir dieses Finish durchziehen, einfach auch um zu zeigen: Die Deutschen lassen nicht nach.“

Manuel Neuer: „Das Ziel, zehn Siege als erste deutsche Mannschaft zu schaffen, war eine herausragende Motivation."

Fünf Änderungen

Im Vergleich zum Spiel in der Türkei hatte Bundestrainer Löw sein Team auf gleich fünf Positionen umgestellt: Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Andre Schürrle, Toni Kroos und Mesut Özil rückten in die deutsche Startelf. Özil hatte bei der Partie im Land seiner Vorfahren verletzungsbedingt gefehlt . Einige türkische Medien hatten gemutmaßt, dass er aus Angst vor Pfiffen gekniffen habe. Das aber hatte Özil heftig dementiert.

Die Belgier mussten auf den gesperrten Münchner Innenverteidiger Daniel van Buyten verzichten. Dazu fehlte Igor de Camargo. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach ist am Knie verletzt. Die Mannschaft wurde von den Rängen gut unterstützt: Rund 5000 Belgier waren zum Spiel angereist.

Sie sahen eine gute Anfangsphase ihrer Mannschaft. Vom Anpfiff weg war zu sehen, dass die Belgier im Kampf um den zweiten Gruppenplatz unter Zugzwang standen. Sie bestimmten das Spiel gegen eine deutsche Elf, die erst einmal nur wenig tat. Allerdings zeigten die Belgier Schwächen beim Abschluss und hatten auch nur eine Chance durch Vincent Kompany. Der ehemalige Hamburger Innenverteidiger schoss in der 11. Minute rechts am Tor vorbei.

Özil mit Wucht

Aber dann kam es so, wie schon vier Tage zuvor in Istanbul. Dort hatte die deutsche Mannschaft nach einer schwachen Anfangsphase in der 23. Minute mit ihrer ersten Chance die Führung erzielt. Diesmal dauerte es bis zur 30. Minute. Nach einer Ecke bekam Özil an der Strafraumgrenze den Ball.

Der 22-Jährige schoss den Ball mit links und mit voller Wucht zum 1:0 ins Tor. Ein wunderschöner Treffer, mit dem die deutsche Mannschaft abermals eine neue Qualität unterstrich: Sie ist mittlerweile in der Lage genau dann zuzuschlagen, wenn es gilt, dem Spiel eine andere Richtung zu geben.

„Wir waren gefährlich nach vorn in allen Aktionen, das war der Schlüssel. Eine neu formierte Mannschaft – das macht im Moment nichts aus. Wir sind gut gerüstet“, sagte Thomas Müller.

Für die bis dahin zumindest kämpferisch überzeugenden Belgier war der Rückstand natürlich bitter. Doch es kam noch viel heftiger für sie. Denn nur drei Minuten später fiel das 2:0. Nach einer Ecke der Belgier kam der Ball zu Mario Gomez, der ihn in den Lauf von Andre Schürrle spielte.

Gomez trifft nach dem Wechsel

Der Leverkusener, bis dahin schon bester Deutscher auf dem Platz, schloss den Konter perfekt ab und traf aus zehn Metern ins Tor. Was für ein Schock für die Gäste. Konsterniert standen einige Belgier danach sekundenlang auf dem Rasen und starrten in Luft. Sie wussten in dem Moment, dass es mit der Teilnahme an der EM wohl nichts mehr wird.

Nur drei Minuten nach dem Seitenwechsel fiel die Vorentscheidung in dieser Partie. Denn da traf Gomez mit links ins lange Eck zum 3:0. In der 68. Minute vergab Romelu Lukaku die Chance für die Belgier auf 1:3 zu verkürzen. Er scheiterte an Manuel Neuer, der den Ball zur Ecke lenkte.

In der 84. Minute feierte schließlich noch Ilkay Gündogan sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Der Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln kam für Philipp Lahm ins Spiel. Vier Minuten vor dem Abpfiff verkürzte Marouane Fellani noch auf 1:3. Dabei blieb es.

„Wir haben viel Qualität in der Mannschaft und können aus dem Nichts Tore machen. Am Ende waren die Belgier mit den drei Treffern noch gut bedient“, bilanzierte Schürrle.

Zwei Testspiele

Als Zweiter in der Gruppe A werden Mitte November nun die Türken in zwei Relegationsspielen versuchen, sich die EM-Teilnahme zu sichern. „Ich freue mich natürlich für die“, sagte der türkisch-stämmige Özil. Löw fügte hinzu: „Wir wollten uns auf keinen Fall nachsagen lassen, dass wir den Wettbewerb beeinflussen mit einer schlechten Leistung. Wir wollten das Spiel nicht für die Türken gewinnen, sondern für uns.“

Die deutsche Mannschaft wird den Termin für zwei Testspiele nutzen. Am 11. November trifft sie im neuen EM-Stadion von Kiew auf die Ukraine, vier Tage später steigt in Hamburg die Partie gegen die Niederlande.

Die Vorbereitung für die EM beginnt im Mai 2012. Am 11. Mai geht es mit den Familien in ein Regenerationstrainingslager nach Sardinien, am 18. Mai dann ohne Familien ins Trainingslager nach Südfrankreich.