"Auszeit"

Warum Trainer immer am längeren Hebel sitzen

Tischtennistrainer Danny Heister eifert Gerhard Schröder und Paul Gascoigne nach. Er trifft die Entscheidungen – und drängt zurück an die Platte.

Foto: picture-alliance / dpa / picture-alliance / dpa/dpa:epa

Trainer können verdammt harte Hunde sein. Wir denken nur an Schleifer Felix Magath, der seine Fußballspieler mit Medizinbällen murmeln lässt, oder an den frühren Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel, der seinen Spieler vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen Kraftübungen mit der Langhantel verordnete.

Die Zuchtmeister bestimmen über alles, vom Sex – bzw. von der Enthaltsamkeit vor einem Wettkampf – über Prämien und Freizeit der Spieler bis hin zu Trainingsablauf, Taktik und Größe des Duschhandtuchs. Und wenn es auf dem Platz nicht läuft, wechseln sich manche als Spielertrainer ein, oder sie wecken an der Seitenlinie zumindest den Anschein, dass sie es gern tun würden.

Direkt aus dem Nachtklub auf den Trainerstuhl

Als begabtester Vertreter seiner Zunft galt neben Gerhard Schröder, Mittelstürmer des TuS Talle, der sich einst als Bundeskanzler einwechselte, der britische Fußball-Nationalspieler Paul Gascoigne. Allein seine Angewohnheit, direkt aus dem Nachklub auf den Trainerstuhl zu fallen, verhinderte eine längerfristige Doppelfunktion beim Viertligaverein Boston United.

Nun ist aus Düsseldorf zu hören, dass der Cheftrainer des Tischtennis-Rekordmeisters Borussia, Danny Heister, an die Platte drängt. Gedrängt wird, wie er behauptet. Die Spitzenspieler Timo Boll und Christian Süß haben sich für das Duell mit dem TTC Fulda-Maberzell verletzt abgemeldet, und dem Nachwuchs traut Heister offenbar nicht so recht über den Weg. Auf seinen Einsatz „würde ich gern verzichten“, versichert der Linkshänder, der demnächst 40 wird. Müssen sich demnächst warm anziehen, die Herren Boll und Süß. Spielertrainer wie Heister, 31-mal niederländischer Meister, sitzen am längeren Hebel.