Verdacht der Steuerhinterziehung

Ermittlungen gegen 70 DFB-Schiedsrichter

Die Fahnder haben offenbar 70 Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ins Visier genommen. Angeblich sollen manche der Beschuldigten Einnahmen von mehr als 100.000 Euro an den Finanzbehörden vorbeigeschleust haben

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Der Steuerskandal um DFB-Schiedsrichter nimmt nach einem Bericht des „Spiegels“ immer größere Ausmaße an. Die Ermittler sollen inzwischen „rund 70 aktive und ehemalige DFB-Unparteiische wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung“ überprüfen. Es müsse „von einem System ausgegangen werden“, heiße es in einer Notiz der Fahnder. Eine der Schlüsselfiguren in dem Skandal soll laut „Spiegel“ ein ehemaliger Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sein. Der Mann sei inzwischen ein hochrangiger Funktionär des Bayerischen Fußball-Verbandes.

Nach einem Krisengespräch wegen der Steueraffäre hatte der DFB am Freitag Aufklärung angekündigt. Der Verband hatte rund 35 aktive Unparteiische aus den drei höchsten Ligen zum Rapport bestellt. Die DFB-Spitze drängt darauf, dass die unter Verdacht geratenen Bundesliga-Referees möglichst schnell und aktiv an der Aufklärung durch die Steuerbehörden mitwirken. Die Steueraffäre war maßgeblich durch eine Anzeige des ehemaligen DFB-Schiedsrichter-Obmanns Manfred Amerell ausgelöst worden.

Unterdessen ist bekannt geworden, dass bei den Steuerermittlungen neben dem Weltverband Fifa auch die europäische Fußball-Union (Uefa) ins Zwielicht geraten könnte. So soll auch der europäische Verband Überweisungen an deutsche Unparteiische auf Konten im Ausland getätigt haben. Dies gehe aus einer Notiz süddeutscher Steuerfahnder hervor, die „Spiegel online“ vorliegt. Demnach hätten die Fahnder konstatiert, „dass beide Fußball-Dachorganisationen die Idee, den deutschen Schiedsrichtern Honorare auf Konten im Ausland zu zahlen, verbreitet und aktiv gefördert“ hätten. Nach Einschätzung der Ermittler sei diese Praxis ein „eindeutiger Verstoß gegen die eigenen Ethik- und Compliance-Richtlinien“ der Verbände.

Die Uefa habe die Zahlung von Honoraren auf ausländische Konten bestätigt, widerspreche aber der Deutung der Ermittler: „Kein Reglement der Uefa erwähnt, dass Schiedsrichter, die im Auftrag der Uefa tätig sind, ihr Honorar auf Konten in Ländern gezahlt bekommen sollten, in denen sie ihren Wohnsitz haben. Dennoch ist allen Schiedsrichtern sehr deutlich gemacht worden, dass sie ihre Einnahmen durch die Uefa gemäß den Regelungen in ihren jeweiligen Ländern versteuern müssen.“